Tatjana Pokorny
· 08.09.2026
Der Lungomare Caracciolo ist zugleich Uferpromenade und Boulevard im der kommenden America’s-Cup-Hauptstadt Neapel. Insgesamt 3,9 Kilometer lang, verbindet der Weg die Küste mit dem antiken Castel dell’Ovo und dem stilleren Wohngebiet von Mergellina. Wer den Lungomare entlangspaziert, kann dabei fast immer auch den Vesuv sehen, der sich draußen im Golf von Neapel über die Fluten erhebt. So sieht es aus, das Schaufenster für den 38. Louis Vuitton America’s Cup im kommenden Jahr.
Wer es jetzt schon erleben und genießen will, bekommt die Chance dazu vom 24. bis zum 27. September. Die zweite Vorregatta zum nächsten Cup-Gipfel ist die erste im neuen Cup-Revier. Die erste Vorregatta hatte im Mai vor Cagliari Team Luna Rossa mit Neu-Steuermann Peter Burling gewonnen. Ausgetragen wird auch Runde zwei auf den kleineren One-Design-AC40-Foilern ausgetragen. Neu ist, dass auf dem Rennkurs von Italiens “Stadt am Meer” neun statt acht Boote an den Start gehen.
Wie schon in Cagliari schicken drei Teams jeweils zwei Mannschaften ins Rennen: Luna Rossa tritt mit seinen Senioren auf “Luna Rossa 2” und dem Frauen- und Jugendteam auf “Luna Rossa 1” an. Letztere hatten bei ihrer imposanten Talentschau vor Cagliari derart geglänzt, dass sie mit Gesamtsiegchancen in den Finaltag gestartet waren und beinahe dem gesamten Cup-Establishment den Rang abgesegelt hätten.
Auch die neuseeländischen Cup-Verteidiger vom Emirates Team New Zealand starten mit doppelter Speerspitze in die zweite Vorregatta in Neapel: das Seniorenteams und der männliche und weibliche Cup-Nachwuchs greifen im selbst gewählten Revier fern der neuseeländischen Heimat an. Ebenso sind die Briten mit ihrem Top-Team GB1 und dem Athena Pathway Women & Youth Team im Einsatz. Mit jeweils einer Crew greifen das französische La Roche-Posay Racing Team, das Schweizer Tudor Team Alinghi und erstmals auch das American Racing Challenger Team USA an.
Gesegelt wird bei der 2. Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup sowohl in den Trainingsrennen am 24. September als auch an den drei Event-Tagen immer ab 14 Uhr. Dabei hatte schon die erste Vorregatta vor Cagliari gezeigt, wie spannend und aufregend die Rennen auf den AC40ern angesichts der hohen Leistungsdichte in ihren Crews sind.
Auch “Pocket-Rockets” (dt.: Handtaschen-Raketen) genannt, stellen die One-Design-Foiler als kleine Schwestern der eigentlichen Cup-Yachten vor allem um die Segelkunst der Teams in den Vordergrund, wärend im Cup-Kampf auf den großen AC75ern die technologische Entwicklung eine mitentscheidende Rolle spielt.
Bis zu drei Rennen mit der gesamten Flotte sind für Freitag und Samstag angesetzt. Zwei Rennen sollten es am Finalsonntag noch werden, bevor die besten beiden Crews nach maximal acht Fleetraces im Matchrace-Duell um den Sieg bei dieser zweiten Vorregatta zum 38. Louis Vuitton America’s Cup kämpfen. Wer selbst vor Ort ist, womöglich sogar mit eigenem Boot, kann sich hier registrieren und erhält alle wichtigen Informationen zum Geschehen auf dem Wasser.
Während die Teams ab 9. September offiziell mit ihren AC40-Geschossen vor Neapel trainieren können, naht auch an Land ein spannender Termin: Am 11. September wird erstmals die neue America’s-Cup-Dokumentation “Sail” öffentlich gezeigt. Entstanden unter der Regie der Oscar-Preisträger Frank Marshall und Evan Hayes und mit Unterstützung von Skydance Productions und dem hauseigenen America’s-Cup-Filmteam, feiert das Werk am 11. September bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere.
Angekündigt sind intensive Einblicke in die Cup-Welt hinter den Kulissen, zu der die Filmemacher uneingeschränkten Zutritt hatten. Dazu die wichtigsten und auch bislang nicht veröffentlichte Aufnahmen vom Wettkampf auf dem Wasser. Eng begleitet wurden Protagonisten wie Neuseelands Teamchef Grant Dalton, der britische Leitwolf Sir Ben Ainslie oder auch Italiens Dauerdynamo Max Sirena – in guten wie harten Zeiten.
Gedreht wurde mit IMAX-zertifizierten Digitalkameras an Bord der Boote. So soll „Sail“ das Publikum direkt ins Cockpit der schnellsten Segelyachtklasse holen. Der Film fängt auf berührende Weise auch das menschliche Engagement, den Ehrgeiz und die Besessenheit jener ein, die den ältesten, ununterbrochen ausgetragenen internationalen Sportwettbewerb der Welt prägen. Gezeigt wird, wie sich das auf die aktiven Player, aber auch ihre Familien, ihr Umfeld auswirkt.
Themen sind außerdem die intensiven Rivalitäten im America’s Cup, die oft persönlicher Natur und durch langjähriges Engagement, bittere Niederlagen, Streitigkeiten und Wettkämpfe tief verwurzelt sind. Interne Finanzierungsstreitigkeiten, Enttäuschungen über die Leistungen und das ständige Streben nach mehr Geschwindigkeit bei den AC75-Yachten sind im Fokus. Nach der Venedig-Premiere soll der Film bei weiteren Festivals gezeigt werden, bevor ihn auch TV-Sender ausstrahlen.

Freie Reporterin Sport
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