Segel-Trimm
Serie: Trimm von Groß, Genua und Gennaker

Bessere Performance, und das ohne neue Segel? Ja! Diese Tipps zur optimalen Einstellung von der Segel zeigen, wie es geht. Teil 1: Großsegel

  • Felix Keßler
 • Publiziert am 12.04.2019
Ein Grundsatz beim Trimmen: Nicht auf die Trimmeinrichtung schauen, wie die Winsch, sondern dorthin, wo die Wirkung sichtbar wird Ein Grundsatz beim Trimmen: Nicht auf die Trimmeinrichtung schauen, wie die Winsch, sondern dorthin, wo die Wirkung sichtbar wird Ein Grundsatz beim Trimmen: Nicht auf die Trimmeinrichtung schauen, wie die Winsch, sondern dorthin, wo die Wirkung sichtbar wird

Nico Krauss Ein Grundsatz beim Trimmen: Nicht auf die Trimmeinrichtung schauen, wie die Winsch, sondern dorthin, wo die Wirkung sichtbar wird

Der perfekte Segeltrimm wird manchmal als perfektionistische Spielerei von Regattaseglern abgetan. Dabei bringt die korrekte Segeleinstellung nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Komfort. Denn wenn die Segel zu viel Druck erzeugen, entsteht starke Krängung – für Segler kein anzustrebender Zustand. Mit der Krängung nimmt auch die Luvgierigkeit zu. Die Folgen sind mehr Ruderdruck und ein insgesamt unruhiger Fahrtzustand. Der richtige Trimm ist also mitnichten nur für ambitionierte Regattasegler interessant.

Für den Erfolg aller Trimmbemühungen beim Segeln ist ein richtiger Grundtrimm des Riggs nötig. Dafür ist es nie zu spät – es kann und sollte auch während der Saison jederzeit nachgestellt werden, sobald es nötig erscheint. Für Segler, die auf dem Wasser eher trimmfaul sind, ist der korrekte Grundtrimm also umso wichtiger. Tipps zur Einstellung des Riggs erhalten Sie in diesem Artikel .

Zunächst widmen wir uns dem Trimm des Großsegels. Wichtigster Indikator ist das Achterliek des Segels. Kleine Windbändsel geben präzise Auskunft über die Anströmung des Segels in unterschiedlichen Höhen. Auch wenn die Fäden gerade bei Rollgroßsegeln oft abreißen, sollten sie schnellstmöglich nachgeklebt werden.

So soll es sein: Die Windfäden am Achterliek sollten gerade nach achtern auswehen, lediglich der oberste Faden darf ab und an nach Lee wegklappen. Wenn auch die unteren Fäden nach Lee klappen, ist die Schot zu dicht und kann langsam bis zum gewünschten Ergebnis gefiert werden.

Bei böigem Wind ist darauf zu achten, die Schot so zu belegen, dass sie jederzeit schnell losgeworfen werden kann – entweder, um Druck aus dem Achterliek zu nehmen oder um den Anstellwinkel zu verringern. Das reduziert die Krängung in der Bö und die Gefahr, aus dem Ruder zu laufen.

Die Profiltiefe des Segels beschreibt die Position des "Bauches" im Segel. Es gilt: Je stärker der Wind, desto weiter achtern bildet sich die Einwölbung im Segel. Um sie möglichst weit nach vorn zu verlagern, muss das Vorliek gut durchgesetzt sein. Das ist vor allem im unteren Bereich gar nicht so einfach.

Bolle, Lars Wird die Großschot lose gefahren, kann der Baum steigen (Mitte), und das Segel twistet, es verdreht sich im oberen Bereich. Je mehr Schotzug ausgeübt wird, desto mehr schließt sich das Achterliek. Der Twist verschwindet, zusätzlich erhöht sich der Ruderdruck

Abhilfe schafft der Einsatz eines Cunninghams. Meist ist das dafür benötigte Auge im Segel etwa 30 Zentimeter über dem Großbaum schon vorhanden, es muss nur noch ein Strecker eingeschoren werden. Mit diesem lässt sich das Vorliek durchsetzen. Bei Rollsegeln fehlt der Cunningham konstruktionsbedingt, dafür sind sie flacher geschnitten.

Bolle, Lars Auf diesen drei Grafiken wird die Veränderung des Profils bei zunehmendem Wind und Einsatz des Cunninghams gut sichtbar. Die Anschnittkante wird flacher, die größte Profiltiefe verlagert sich nach achtern. Die Wirksamkeit des Großsegels nimmt ab. Wird das Vorliek straff durchgesetzt (unten), regeneriert sich das Profil

Angst vor Mastbiegung? Muss nicht sein, bis zu einem gewissen Grad ist die für guten Trimm nämlich unabdingbar. Wie stark ein Mast gebogen werden kann, hängt von der Art des Riggs und dessen Einstellung ab. Werden gepfeilte Salinge gefahren, ist meist mehr Biegung im mittleren Bereich möglich, da beim Biegen der Mast auch gestaucht wird und so die Oberwanten etwas Lose bekommen. Riggs mit neutralen Salingen biegen mehr im darüberliegenden Bereich.

Die Veränderung des Großsegelprofils beim Durchsetzen des Achterstags erfolgt aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. Das Achterliek öffnet, wodurch Druck verloren geht, was bei zunehmendem Wind erwünscht ist. Zugleich biegt sich der Mast, der Abstand zwischen Keep und Achterliek verlängert sich, das Segel wird gestreckt und das Profil abgeflacht. Das ist ebenfalls ein gewünschter Effekt bei zunehmendem Wind, da überflüssiger Druck abgebaut wird, ohne dass gerefft werden muss. Das Achterstag ist zu dicht, wenn diagonale Falten vom Schothorn aus entstehen.


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