Liebe Leserinnen und Leser,
vor fast allen Wettfahrten nationaler wie internationaler Regatten kann man beobachten, dass Seglerinnen und Segler möglichst nah an das Startschiff und das „Pin-End“ heranfahren, um deren Positionen zu erfassen. Soweit das gängige Prozedere. Ende der Woche kam von der internationalen Starboot-Klassenvereinigung allerdings die Meldung, dass bei der nächsten Weltmeisterschaft „Vakaros Atlas 2“-Kompasse mit Racesense offiziell zum Einsatz kommen.
Sowohl jedes teilnehmende Boot wie auch die Startlinie und die weiteren Bahnmarken sollen mit der neumodischen Software ausgestattet werden. Das System wird dafür sorgen, dass die Segler beispielsweise nicht mehr die Zeit bis zum Startsignal abstoppen müssen, da die Geräte der Segler auf die offizielle Zeitnehmung der Wettfahrtleitung zugreifen. Außerdem wird das „pingen“, was vor dem Start einer Wettfahrt mit den digitalen Kompassen notwendig ist, um die Startlinie ins System zu bekommen, überflüssig.
Bis hierher gibt es an der Neuerung meiner Meinung nach wenig auszusetzen. Natürlich lässt sich argumentieren, dass auch das Management, die Zeit richtig zu stoppen und die Startlinie richtig einzugeben, zum Regattasport dazugehören. Wenn es nach mir ginge, sollte es aber auf die seglerische Leistung innerhalb einer Wettfahrt ankommen.
Die Klassenvereinigung erhofft sich neuerdings auch, dass das System „in Echtzeit erkennt, ob ein Boot die Linie zu früh überquert“. Der Pressemitteilung zufolge soll der „Vakaros Atlas 2“ für mehr Fairness und Transparenz sorgen. Ich finde, es nimmt damit aber leider zu viel vom Reiz des ursprünglichen Regattasegelns.
Wir sehen jedes Wochenende in der Fußball-Bundesliga, wie der Video-Schiedsrichter vielen Fans die Freude am Spiel genommen hat. Der Versuch, den Fußball gerechter zu machen, gipfelt auch Jahre nach der Einführung der Technologie immer wieder in Protesten seitens der Zuschauer. Zwar kann man sagen, dass das System den Fußballsport fairer macht und dasselbe auch durch den Einsatz geschilderter Software geschehen könnte, letztlich wird aber auch hier die Technik nicht fehlerfrei bleiben. Das zu akzeptieren fiele mir jedoch weitaus schwerer als Ungenauigkeiten, die einem Wettfahrtleiter unterlaufen.
Die Starboot-Klassenvereinigung plant außerdem, dass Segler, die zu früh über die Startlinie gefahren sind, über den Vakaros benachrichtigt werden, dass sie umkehren müssen. Dadurch nimmt man den Seglern die Eigenverantwortung selbst zu entscheiden, ob sie mit der Flagge „X“ für Einzelrückruf gemeint sind, oder nicht.
Ich jedenfalls bin kein Fan davon, krampfhaft zu versuchen, den Segelsport durch den übermäßigen Einsatz von Technik gerechter zu machen. Für mich stellt der Fußball in der Debatte ein wichtiges Beispiel dar, weshalb das dem Sport nicht dienlich ist.
YACHT-Redakteur
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