Liebe Leserinnen und Leser,
in diesen Tagen findet in Aserbaidschan die internationale Klimakonferenz statt. Zwei Wochen lang verhandeln tausende Delegierte aus aller Welt in Hauptstadt Baku über das weitere Vorgehen im Umwelt- und Klimaschutz. Die hochrangige Konferenz findet allerdings unter schwierigen Vorzeichen statt. Denn, um das Weltklima ist es bekanntlich nicht gut bestellt.
Neue und beunruhigende Fakten zeichnen zudem ein düsteres Bild: Allein von Januar bis September 2024 lag die globale Durchschnittstemperatur um 1,54 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Ein trauriger Rekord, wie die Weltorganisation für Meteorologie berichtet. Und: 2024 wird voraussichtlich das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch der Wahlsieg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen wirft einen Schatten auf die Klimakonferenz. Ambitionierter Klimaschutz seitens der USA ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Trump hat bereits angekündigt, nach seinem Amtsantritt aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu wollen. Es herrscht also Alarmstufe Rot. Wer daran noch zweifelt, ist taub auf beiden Ohren und blind auf beiden Augen.
Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, wie es das Pariser Abkommen vorsieht, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent und bis 2050 auf null reduziert werden, sagen Klimaexperten. Nötig sind jetzt wirksame und tiefgreifende Maßnahmen. Und gefordert sind alle gleichermaßen: Wirtschaft, Industrie, Politik und Gesellschaft.
Auch die Yachtbaubranche steht heute vor der Herausforderung, die Produktion und den Betrieb von Yachten umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten. Der maritime Sektor trägt nicht unerheblich zu den CO2-Emissionen bei, sei es durch den Betrieb von Yachten mit fossilen Brennstoffen oder durch den Bau von Booten aus Materialien, deren Herstellung und Entsorgung ebenfalls die Umwelt belasten können.
Die gute Nachricht ist, dass es in der Yachtbauindustrie bereits viele innovative Ansätze und Technologien gibt, um den ökologischen Fußabdruck der Branche weiter zu reduzieren. Ein wichtiger Schritt ist die Umstellung auf emissionsfreie Antriebe wie Elektromotoren oder Hybridsysteme. Auch der Einsatz alternativer Kraftstoffe wie Wasserstoff oder die Entwicklung solarbetriebener Yachten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus wird im Yachtbau verstärkt auf die Verwendung nachhaltiger Materialien wie recyceltes Aluminium oder biologisch abbaubare und wiederverwendbare Kunststoffverbindungen gesetzt.
Konstruktiv können die Hersteller ebenfalls positiv Einfluss nehmen, z.B. durch die Entwicklung von schnellen und leistungsstarken Segelbooten, mit denen man auch bei wenig Wind noch länger und effizienter auch ohne Maschine vorankommt. Segelleistung und Performance sind also auch Themen, welche nicht nur aus Gründen der Sportlichkeit und der Regattaerfolge derzeit stark vorangetrieben werden können und auch werden.
Die Kehrseite der Medaille: Das Greenwashing! Einige Hersteller und Anbieter mögen Nachhaltigkeit nur als Marketinginstrument, ohne wirklich tiefgehende Maßnahmen zu ergreifen. Es wird viel von "grünen" Innovationen gesprochen, nicht selten jedoch handelt es sich dabei lediglich um kosmetische Maßnahmen, welche die Werften und Marken nutzen, um ihr Image neu aufzupolieren.
Wir werden sehen, ob die Yachtbauindustrie wirklich in der Lage ist, auch langfristig ökologische Veränderungen herbeizuführen. Oder ob die Nachhaltigkeit auch in dieser Branche vielleicht nur ein Trend ist, der sich gut verkauft, aber wenig bewirkt. In diesem Spannungsfeld wird sich am Ende weisen, wie ernst die Branche ihre Verantwortung
YACHT-Redakteur
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