Liebe Leserinnen und Leser,
diesen Beitrag möchte ich mit einem Zitat von unserem Facebook-Auftritt eröffnen: „Mir alles egal. Ich mag den Trubel nicht und für Regattasport habe ich nichts über, fasziniert mich einfach nicht. Wir segeln, um zu relaxen, damit wir irgendwie einen mentalen Ausgleich zur Arbeitswoche haben. Da ist es mir restlos egal, wie viele Millisekunden ich zurückliege etc. Aber jeder, wie er will.“
Er stammt von Louis Buuh (evtl. ein Pseudonym) und ist eine Reaktion auf die YACHT-Woche meines Kollegen Max Gasser, der über die Kieler Woche schrieb. Ich habe so etwas schon öfter gehört oder gelesen, kurz zusammengefasst: „Mit Regatta hab ich nichts am Hut.“
Da denke ich immer: “Woher kommt diese strikte Ablehnung? Haben solche Menschen schlechte Erfahrungen gemacht, je eine Regatta gesegelt oder überhaupt etwas mit Sport am Hut?”
Klar gilt auch hier der letzte Satz von Buuh: „Jeder, wie er will“. Was mich dann aber wundert, ist der Umkehrschluss, der im Zitat steckt. Demnach wäre Regattieren nichts, um zu relaxen, und könne keinen mentalen Ausgleich zur Arbeitswoche bieten.
Dem möchte ich mal entschieden widersprechen und zugleich eine Lanze für den Regattasport brechen. Bei kaum einer anderen mir bekannten Tätigkeit wie dem Regattasegeln komme ich so gut von der Arbeitswoche runter. Im Eifer des „Gefechts“ bleibt einfach keine Muße, den Geist baumeln zu lassen, sodass er sich vielleicht doch wieder zu den Alltagsproblemen schlängelt.
Vom Kribbeln im Bauch vor dem Start, dem intensiven Beschäftigen mit dem Wind, dem Revier, den Gegnern, bis zur völligen Konzentration im dichten Beieinander auf der Bahn und vor allem bei den Tonnenrundungen; ich bin in diesen Stunden immer völlig weg, in einer anderen Welt. Dabei geht es gar nicht ums Gewinnen oder gar Millisekunden, es geht einfach darum, so gut wie möglich zu sein, sich und seine Crew zu fordern und, na klar, möglichst viele Kontrahenten hinter sich zu lassen. Allerdings nicht verbissen oder mit Erfolgsdruck.
Im Hafen dann der Schnack mit den anderen Crews, das sich meist einstellende Hochgefühl, die Aufgabe gemeistert zu haben, das zu einer tiefen Befriedigung führen kann.
Ich verstehe, dass es für manchen nicht nach Erholung klingt, Boot an Boot segeln zu müssen, sich engen Situationen auszusetzen, sich körperlich zu fordern.
Wer es allerdings noch nie gewagt hat, über eine Startlinie zu segeln, dem kann ich dies wirklich empfehlen. Ein guter Einstieg sind etwa Mittwochsregatten, die von vielen Vereinen organisiert werden.
Und sollte es sogar Angst sein, die vom Starten abhält, Angst, ganz hinten zu segeln und darum von den anderen belächelt zu werden, so kann ich diese nehmen. Unangenehme Zeitgenossen, die sich einen Spruch nicht verkneifen können, gibt es zwar immer. Die Mehrheit aber, und so geht es mir auch, werden dem Einsteiger eher Respekt zollen, dass er sich auf die Bahn getraut hat und auch nicht mit dem einen oder anderen Tipp geizen.
Chefredakteur Wassersport Digital
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