Liebe Leserinnen und Leser,
von kleinen Booten geht eine besondere Magie aus. Die Magie des einfachen, unkomplizierten Segelns. Auf 17, 20 oder auch 25 Fuß findet sich immer noch ein Plätzchen irgendwo im Hafen, auch wenn dieser rappelvoll ist. Kosten für Material, Liegegelder, einfach für alles, halten sich in Grenzen. Das kleine Boot folgt uns auf dem Trailer hinterm Auto treu in jedes x-beliebige Revier und verbringt den Winter genügsam auf dem Anhänger hinterm Haus.
Kein Wunder, dass die Kleinkreuzer-Fangemeinde riesig ist, egal ob unter Regatta- und Feierabendseglern, Fahrtenseglern oder sogar Weltumseglern. Vergangene Woche verbreitete sich die Nachricht, dass 2025 eine Regatta um die Welt auf selbst gebauten Sperrholz-Minis ausgetragen werden soll. Die Resonanz, sowohl unter potenziellen Interessenten als auch unter den LeserInnen ist groß: Sogar zwei deutsche Aspiranten stehen auf der vorläufigen Startliste.
Es klingt durchaus nach einem waghalsigen Unterfangen. Auf der anderen Seite haben schon Skipper weitaus kleinerer Boote bewiesen, dass man es damit um die Welt schaffen kann. Der Franzose Yann Quenet ist jüngst erst zu seiner zweiten Weltumsegelung im nur vier Meter(!) kurzen selbst gebauten Kleinstboot aufgebrochen. Auf den Sperrholzminis gab es bereits ein Transatlantikrennen, und auch erfahrene Segler wie der Pole Szymon Kuczynski haben gezeigt, dass es möglich ist, mit einem kleinen Serienboot wie der Maxus 22 um die Welt zu segeln. Und das sogar nonstop.
Vermutlich wäre es klug, mit all diesen kleinen Booten, egal ob selbst gebaut oder Serienboot, egal ob aus Sperrholz oder GFK, in geschützten Revieren zu bleiben. Auf Binnenseen oder an der Küste. Dann aber hätten viele spannende Segeltörns nie stattgefunden, schon gar keine extremen Reisen, wie etwa die der Familie Habeck, die sogar in einer Etap 21i um die Welt segelte. Welche Strahlkraft solche Reisen haben können und welches Potenzial, andere und vor allem auch junge Segler zu inspirieren, zeigte eine E-Mail, die vor Kurzem in der Redaktion einging. Ein junger Segler aus Süddeutschland, gerade Mitte zwanzig, beschrieb darin, wie sehr ihn die Reise, das Buch und das beschriebene Boot inspiriert haben – auch wenn das Abenteuer schon einige Jahre zurückliegt.
Schließlich legte auch er sich eine Etap 21i zu. Nicht, um damit um die Welt zu segeln, sondern um sich nach dem Bachelor-Studium einen eigenen großen Segeltraum zu erfüllen: eine Tour durchs Mittelmeer. Das Interview mit diesem jungen Mann, das bald über seine Reise auf yacht.de und in der YACHT erscheinen wird, macht einmal mehr klar, worin der große Reiz der kleinen Boote liegt. Der Skipper entschied sich dazu, von Heidelberg aus auf eigenem Kiel quer durch Frankreich zu tuckern, anstatt das Boot auf dem Trailer dorthin zu bringen. Den Endpunkt seiner Mittelmeer-Reise – die immer noch andauert – aber kann er flexibel bestimmen, indem er sein Boot dann doch auf dem Hänger zurückholen wird.
Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass man mit Kleinkreuzern die Wahl hat. Das macht frei, flexibel – und die Kleinen zu den eigentlichen Großen.
YACHT-Redakteurin
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