MeinungHamburg, jetzt oder nie!

YACHT

 · 30.05.2026

Meinung: Hamburg, jetzt oder nie!
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-hager_4be04d16ed246c3c046dcb342a7be160

Liebe Leserinnen und Leser,

​ich muss Sie warnen: Diese Kolumne ist nicht ausgewogen. Sie ist nicht um Neutralität bemüht. Und sie wird niemanden schonen, der am 31. Mai 2026 zu Hause auf dem Sofa sitzt, während Hamburg über seine Zukunft abstimmt. Denn ich bin Segler. Ich liebe diesen Sport. Und deshalb sage ich jetzt unverblümt, was ich denke: Eine Chance wie diese kommt nicht zweimal.

Hamburg für Olympia!

Erinnern Sie sich an 2015? Ich erinnere mich leider allzu gut. Hamburg stimmte damals gegen eine Olympia-Bewerbung, und seither hat diese Stadt mit stoischer Konsequenz demonstriert, wie man eine historische Gelegenheit vergräbt. Ich war damals enttäuscht. Als Sportenthusiast, als Segler, als Journalist und als jemand, der weiß, was olympischer Segelsport für eine Nation bedeutet, hätte ich am liebsten jeden Hamburger persönlich angerufen und gefragt: Wisst ihr eigentlich, was ihr da gerade weggeworfen habt?

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Aber gut. Die Vergangenheit ist die Vergangenheit. Wir haben jetzt eine zweite Chance.

Was auf dem Spiel steht – auch für uns Segler

Lassen Sie mich einen Moment aus der großen Politik heraustreten und über das reden, was mich und Sie, liebe Leserinnen und Leser, direkt betrifft: den Segelsport.

Deutschland ist eine Segelnation. Wir haben Weltklasse-Athletinnen und -Athleten, wir haben eine der stärksten Segelinfrastrukturen Europas, wir haben die Kieler Woche – das größte Segelsportevent der Welt. Und wir haben Kiel.

Kiel. Die Sailing City. Ein Ort, der für olympischen Segelsport gebaut wurde, der ihn 1972 erlebt hat und der seither nichts anderes tut, als sich auf die nächste Gelegenheit vorzubereiten. Ministerpräsident Daniel Günther hat Mittel freigegeben, um die Infrastruktur weiterzuentwickeln. Die Stadt hat in Bürgerentscheiden bereits positive Signale gesetzt. Kiel ist bereit. Kiel ist schon längst wieder bereit.

Und dann gibt es da noch Rostock-Warnemünde.

Ich sage das mit allem Respekt für Manuela Schwesig, die in Paris um Warnemünde geworben hat, und mit aufrichtigem Respekt für die neue Landessportschule auf der Mittelmole – architektonisch wirklich sehenswert. Aber ich sage es trotzdem: Warnemünde ist für die olympischen Segelwettbewerbe meine zweite Wahl. Kiel hat die Tradition, die Infrastruktur, das Know-how und die internationale Bekanntheit. Kiel ist in der Segelwelt eine Marke, die kein Marketing der Welt ersetzen kann. Wenn Deutschland Olympia bekommt – und ich hoffe inständig, dass das passiert –, dann segeln die besten Segler der Welt vor Kiel.

Aber dafür muss erst einmal Hamburg Ja sagen.

Das Hamburger Nein von 2015 – eine Lektion, die wir gelernt haben sollten

Ich verstehe die Skepsis. Wirklich. Zehn Milliarden Euro – so viel kosteten die Spiele in Paris. Das ist eine Zahl, bei der jeder Vernünftige schluckt. Und ja, das neue Konzept "Hamburg+" mit einer 60.000 Zuschauer fassenden Leichtathletik-Arena neben dem Volksparkstadion provoziert Diskussionen. Darf es auch, das ist schließlich Demokratie.

Aber lassen Sie uns ehrlich sein: Was ist die Alternative? Dass Deutschland – eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt, eine der großen Sportnationen Europas – wieder kneift? Dass wir uns abermals hinter finanzpolitischer Kleinmut-Rhetorik verstecken und zusehen, wie andere Länder die Bühne betreten, auf der wir glänzen könnten?

Die Bundesregierung hat Olympia in den Koalitionsvertrag geschrieben. SPD, Grüne und CDU in Hamburg ziehen an einem Strang. Der DOSB hat einen klaren Fahrplan. Und das IOC wird frühestens 2027 entscheiden, wer nach Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 die Sommerspiele ausrichten darf. Wir haben Zeit, wir haben Rückenwind, und wir haben – wenn Hamburg am 31. Mai 2026 Ja sagt – die Chance, als ernsthafter Kandidat in den internationalen Ring zu steigen.

An die Hamburgerinnen und Hamburger: Geht wählen.

Ich richte mich jetzt direkt an Sie. Nicht an die Politik, nicht an Verbandsfunktionäre, nicht an IOC-Mitglieder. An Sie. Den Hamburger. Die Hamburgerin. Die Menschen, die am 31. Mai 2026 die Entscheidung in der Hand halten.

Fünf bis sechs Millionen Euro kostet dieses Referendum. Das ist Geld, das Hamburg in die Hand nimmt, um Ihnen eine Stimme zu geben. Nutzen Sie sie. Stimmen Sie mit Ja.

Nicht weil Olympia keine Risiken hat. Sondern weil die Risiken des Nicht-Handelns größer sind. Weil eine Stadt, die zweimal Nein sagt, aufgehört hat, an sich selbst zu glauben. Weil Deutschland – als Gastgeber, als Ausrichter, als Seglernation – der Welt etwas zu zeigen hat.

Wir sind gut darin, Dinge zu verwalten. Wir sind gut darin, zu debattieren, abzuwägen, zu zögern. Was wir seltener sind: mutig. Olympia ist eine Mutfrage. Und Hamburg hat die einmalige Gelegenheit, genau das zu demonstrieren.

Also Hamburg: Raus aus dem Sofa. Rein in die Kabine. Kreuz bei Ja.

Mögen die Spiele in Kiel beginnen.

Martin Hager

YACHT-Chefredakteur

Sind Sie für Olympische Spiele in Deutschland?
Ja klar, und zwar in Hamburg und Kiel!
Ja, aber die Segelwettbewerbe sollten in Warnemünde ausgetragen werden.
Nein, der finanzielle Aufwand für ein solches Event ist nicht zu rechtfertigen.

Umfrage beendet


Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Linjett 36

Linjett 36 im YACHT-Test – Was die neue Schwedin auf See kann

yacht/linjett-36-test-2026-schweden-ngu-41_8b4958dd166bfb496028808f63f328d6

Die Linjett 36 zeigt im YACHT-Test viel Tempo, Kontrolle und Qualität. Was die neue schwedische Fahrtenyacht 2026 für anspruchsvolle Fahrtensegler so interessant macht.


„Simena“

62 Meter klassische Eleganz mit modernem Hybridantrieb

yacht/100221586_5c825c9c730c2508ce5be13dbfdfd3f0

Die 62 Meter lange „Simena“ ist die erste Segelyacht von Ares Yachts. Die Ketsch verbindet klassische Linien mit Hybridantrieb, großer Reichweite und viel Komfort für weite Reisen.


Nord- und Ostsee

Bund sichert Millionen für Munitionsbergung zu

boot/100090294_245f4c7714ddb292fdd212954092db05

Minen, Patronen und Torpedos – in Nord- und Ostsee lagern Hunderttausende Tonnen alte Weltkriegsmunition. Nach erfolgreichen Testbergungen in der westlichen Ostsee geht das Mammutprojekt nun in eine neue Phase: Für die kommenden sechs Jahre stellt der Bund jährlich 50 Millionen Euro bereit, und in Rostock soll ein neues Bundeskompetenzzentrum die großflächige Räumung koordinieren. Die geplante Entsorgungsplattform soll 2028 in Betrieb gehen.


Neue Podcast-Folge

Gebrauchtbootkauf - Schnäppchen oder Kostenfalle?

yacht/boote-mit-blauem-yacht-banner-1_c877b8516038054d74e55b9f271db404

Nach dem Boom der Corona-Jahre hat sich der Gebrauchtbootmarkt deutlich verändert: Mehr Angebote und sinkende Preise wecken Hoffnungen bei Kaufinteressenten. In Episode 80 von “YACHT – Der Segelpodcast” spricht Sportbootsachverständiger Uwe Gräfer darüber, worauf Käufer achten sollten, wo echte Chancen liegen und wann ein vermeintliches Schnäppchen teuer werden kann.


“Bubu 3”

Wie ein Eigner seine Bavaria 26 komplett neu dachte

yacht/100218885_f22e6d24d1217924172be5a5bfecf867

Eine Bavaria 26 vom Bodensee wurde zum schwimmenden Unikat. Badeplattform, Bugspriet und Umbauten unter Deck zeigen, wie weit sich ein kleiner Kleinkreuzer neu denken lässt.


Sicherheit

Leckagen sekundenschnell abdichten mit der Leak Stop Gun

yacht/lsg-s-002_9d22fbfbf3e4bbf453861410173f3ba8

Die neue Leak Stop Gun S verspricht schnelle Hilfe bei Wassereinbruch. Ein CO₂-betriebener Ballon dichtet Lecks auf Yachten selbst unter Wasser ab.


Warnemünder Woche

„Skendata-Illbruck“ siegt bei der 88. Rund Bornholm

yacht/2026-07-06-kai-brueckner-start-rund-bornholm-2_c165e4a21b5c426ef7dc2520e7c79ca7

In diesem Jahr musste der Kurs wegen eines Sturms kurzfristig von rund 250 auf etwa 120 Seemeilen verkürzt werden. Auch bei halber Distanz lieferten sich zwei große Regattayachten ein enges Rennen um die schnellste Zeit. Am Ende gewinnt die „Skendata-Illbruck“. Auch in den anderen Wertungsgruppen stehen die Sieger fest.


Rolls-Royce

Phantom Regatta feiert englische Segelkultur

yacht/p90648606-highres-rolls-royce-presents_1e1948b286abfcb4c73a08200ec74c87

Rolls-Royce präsentiert beim Goodwood Festival of Speed im Juli ein Einzelstück: Der Phantom Regatta verbindet Automobilbau mit der Segelkultur der englischen Südküste. Das Extended-Modell zeigt handgemalte Galeriekunst, einen Sternenhimmel nach Gezeitenströmen und Picknicktische in Yacht-Optik.


Oyster 515

Beach-Club-Feeling auf 50 Fuß

yacht/oyster-515-aerial-view_efe15eb62d40473d7d5ffaab260c4e4b

Oyster Yachts präsentiert die Oyster 515 als Nachfolgerin der preisgekrönten 495 und will damit neue Maßstäbe in der 50-Fuß-Klasse setzen.


Team Malizia

“So werdet Ihr sie nie wieder sehen!”

yacht/whatsapp-image-2026-07-07-at-131125_b4e6e60b64c5235402ec5e747ab9fce4

"Malizia 4" hat ihren 90-Grad-Krängungstest bestanden. Team Malizias neue Imoca machte auch dabei einen starken Eindruck. Die Crew freute sich darüber.



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service