Liebe Leserinnen und Leser,
die Fußball-EM interessiert mich nicht. Eigentlich. Na gut, wenn Deutschland in einem entscheidenden Spiel steht, dann vielleicht, dann lasse ich mich mitreißen, das zu gucken, ich will ja nicht vereinsamen. Das Schöne: Fanartikel brauchen sich Segler nicht zu kaufen, die hängen schon am Heck. Und wenn ein Tor fällt, mal eben keck den Adenauer gelupft, geschwenkt und wieder weggesteckt, und man ist dabei. Aber ein Fan?
Die EM und ähnliche Veranstaltungen mit Hang zur Massenhysterie und zusätzlichem Krach sind mir gelinde gesagt zuwider. Ich brauche keine Vuvuzela, mir reicht ein Nebelhorn. Gegröle im Hafen oder gar noch in der Ankerbucht mag ich einfach nicht, und so wird es ebenso vermutlich wie hoffentlich vielen Seglern gehen. Wenn nicht, ist es auch Wurst, die EM ist ja schnell vorbei, und wozu gibt es Noise-cancelling-Kopfhörer oder Gin Tonic?
Dieser Tage haben aber andere Veranstaltungen großes Mitfieber-Potenzial, besonders aus deutscher Sicht. Die Rede ist – oh, Wunder - vom Segeln, genauer gesagt von der Vendée Globe, verkörpert durch Boris Herrmann. Und darum geht es meist im Sport als Zuschauer: Wir brauchen eine Identifikationsfigur, jemanden, für den wir die Daumen drücken. Ohne Partei zu nehmen, ohne für jemanden zu sein, ist Sport nachweislich nicht spannend.
Nun ist es relativ einfach, für einen oder mehrere Repräsentanten des eigenen Landes in einem Länderwettbewerb mitzufiebern, die haben sich qua Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft qualifiziert und fertig.
Der einzelne Segelprofi macht es einem schwerer. Der gemeine Fahrtensegler pflegt eine gewisse Distanz zum gehobenen Rennsport, schnell fallen Argumente wie „die steigern nur die Prämien unserer Versicherungen“, „im Notfall gefährden sie die Rettungsmannschaften“, jüngst „die schlachten mit ihren Foils Wale“. Oder der Normalo sieht gar die Yachten dem konventionellen Segelsport zu weit entrückt, um Hochseeregattasegeln als Fansport zu erleben.
Boris Herrmann hat es jedenfalls geschafft, eine große Schar Segler und auch Nicht-Segler für sich und damit seinen, unseren Sport zu begeistern. Nie zuvor wurde derart viel und ausführlich auch in Nicht-Segelmedien über unseren Sport berichtet, nie zuvor erzielten Segelprofis in deutschen Landen ein derart hohes Interesse und Akzeptanz. Und dies zu Recht. Berühmt wurde der Hamburger letztlich durch seine tragischen letzten Stunden der Vendée 2020/21, als er auf Podium-Position liegend während der letzten hundert Seemeilen vor dem Ziel mit einem Fischkutter kollidierte und auf Platz fünf zurückfiel. Der typische tragische Held. Damals.
Spätestens mit seinen beiden jüngsten Transat-Teilnahmen hat Boris alle französischen Favoriten schlagen können, hat, beide Qualifikationsregatten zusammengerechnet, den ersten Platz erkämpft. Nun nennen sie ihn in Frankreich gar schon den „Herrmannator“. Nun konnte er aus dem erweiterten Favoritenkreis der Vendée Globe in den engeren Zirkel vordringen und hat damit Chancen, nicht nur als erster Deutscher, sondern sogar als erster Nicht-Franzose sich die Krone des Solosegelsports aufzusetzen. Das hat der Brite Alex Thomson wiederholt versucht und wurde trotz, ja, Misserfolg in seinem Heimatland und selbst Frankreich zu einer Ikone des Sports.
Und nun kann Boris in den Olymp aufsteigen. Das macht irgendwie stolz, mehr als jedes Tor oder gar der EM-Titelgewinn!
stellv. YACHT-Chefredakteur
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Windgeneratoren liefern auch nachts und bei bedecktem Himmel Strom. Was Eigner über realistische Leistung, Starkwindregelung, Montage und Sicherheit wissen müssen.
Karte, Wetter, Routing und Bootsdaten: So lesen Sie den PredictWind-Tracker zum Ocean Race Atlantic richtig.
21 Yachten treten beim European Yacht of the Year 2027 an. Sieben Mehrrumpfer und nur zwei klassische Seriencruiser zeigen, wie stark sich der Yachtbau verändert.
Volamare stellt ein aufblasbares Sonnensegel für Segelyachten, Motorboote und Katamarane vor. Die Konstruktion soll ohne Gestänge auskommen und rund 4,5 Quadratmeter Schatten liefern.
Am 1. September beginnt das Ocean Race Atlantic mit der Parade in New York. Boris Herrmanns Neue ist dabei. Erwartet wird ein Highspeed-Rennen nach Lorient.
Ein schwer erkrankter Einhandsegler hat am Donnerstag, 27. August 2026, einen aufwendigen Rettungseinsatz auf der Nordsee ausgelöst und wurde per Hubschrauber und Seilwinde von Bord geflogen.
Am kommenden Wochenende, vom Freitag, den 24., bis Sonntag den 26. September 2026, findet im Hafen von Maasholm das alljährliche Treffen der GFK-Klassiker statt. Dort wird das schönste Boot gekürt, eine Wettfahrt gesegelt und gemeinsam gefeiert.
Starlink führt den Tarif Personal Maritime für private Boote ein. Er beendet die 30-Tage-Grenze im Ausland, gilt aber nur bis 40 Fuß und verteuert Daten auf hoher See deutlich.
Harm Müller-Spreers "Platoon Aviation" hat den zweiten Lanzarote-Gipfel der 52 Super Series gewonnen. Das Team liegt vor dem Saisonfinale in Pole Position.
Seanturion überwacht Boote aus der Ferne: GPS-Position, Bilge und Batterie laufen direkt per App aufs Smartphone. Der Preis besteht aus Abo und Hardware.
Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.