Überwintern-SpezialWinterlager: Was Eigner jetzt beachten sollten

Pascal Schürmann

, Felix Keßler

 · 07.10.2019

Überwintern-Spezial: Winterlager: Was Eigner jetzt beachten solltenFoto: YACHT/N. Krauss

Yachten auszukranen, nur weil es draußen nass, eisig und dunkel wird, ist nicht zwingend nötig. Das Boot im Wasser zu lassen kann sogar Vorteile haben

Jeden Herbst beginnt in den Marinas ein emsiges Treiben, wenn es darum geht, die Flotte ins Winterlager an Land zu befördern. Meist bleiben nur wenige Yachten im Wasser zurück.

  Grundlagenphysik: Gefriert das Wasser, dehnt es sich aus. Dabei entstehen Kräfte am Rumpf, deren Resultierende das Schiff leicht anhebt. "Zerquetscht" werden Yachten so noch nichtFoto: YACHT/N. Campe
Grundlagenphysik: Gefriert das Wasser, dehnt es sich aus. Dabei entstehen Kräfte am Rumpf, deren Resultierende das Schiff leicht anhebt. "Zerquetscht" werden Yachten so noch nicht

Bei manchem Skipper hingegen ist das Überwintern im Wasser Folge einer wohlüberlegten Entscheidung: Warum das Boot aufs Trockene holen, das teure Aus­kranen, den Lagerbock und MIete bezahlen, wenn das Antifouling auch im Frühjahr im Travellift gestrichen werden kann? Tatsächlich ist der herbstliche Krantermin wohl eher eine na­tionale Tradition. In Holland überwintern etwa 70 Prozent der Schiffe im Wasser, das ist dort ganz normal. Warum es also nicht auch einmal ausprobieren?

Doch Vorsicht: Längst nicht jeder Hafen ist zum Überwintern geeignet. Der Liegeplatz sollte sich in einem ruhigen Gewässer befinden, damit möglicherweise entstehendes Eis nicht ins Treiben gerät – oder aber alternativ in einem Bereich mit dauerhafter Strömung, die das Boot eisfrei hält. Das Liegen in Gezeitenrevieren oder Gegenden mit sich ändern­dem Wasserstand birgt die Gefahr, dass die feste Eisdecke in Schollen bricht, die sich dann überlappen und eine Presswirkung auf das Schiff ausüben.

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Alte Technik, aber immer noch bewährt: Styroporplatten werden rund um den Rumpf ausgebracht, um Eisbildung zu verhindern
Foto: YACHT/N. Campe

Um Eis auf Abstand zu halten und das gefürchtete "Zerquetschen" durch Eisschollen zu vermeiden, wurden in letzter Zeit viele Methoden ersonnen. Von einfachen Hausmitteln bis hin zu aufwändigen Druckluft und Schlauchkonstruktionen lässt sich ein Einfrieren verhindern. Drei Varianten in der Fotostrecke.

Die älteste dürfte darin bestehen, Styroporplatten rund um den Rumpf zu binden, denn unter den Platten gefriert Wasser nicht. Eine innovativere Methode ist ein De-Icer der amerikanischen Firma Kasco Marine (www.de-icer.com). Das Gerät ähnelt einer Tonne mit Propeller, die entweder mithilfe einer Stange un­ter einem Steg oder mit Leinen unter einem Boot montiert werden kann. Die drei Modelle mit Leistungen zwischen 0,5 und 1 PS kosten zwischen 950 und 1700 Euro. Der De-Icer arbeitet mit Landstrom und schau­felt das am Grund des Gewässers be­find­liche wärmere Wasser an die Oberfläche. Alternativ kann ein ähnliches System auch mithilfe einer Tauchpumpe und einiger Schläuche mit wenig Aufwand selbst angefertigt werden (siehe dazu auch YACHT 24/2017).

Die dritte Methode sind Sprudelanlagen. Je nach Schiffsgröße benötigt man eine Teichluftpumpe oder einen Kompressor sowie einen Gartenschlauch. In den mit einer Lochzange alle 50 Zentimeter ein Loch pressen und ihn mit Leinen rund ums Schiff in einem halben Meter Tiefe befestigen. Die Luftblasen, die durch die Löcher an die Ober­fläche steigen, verhindern eine Eis­bildung.

Ein Platz im Freilager ist ­wesentlich leichter zu bekommen als einer in der Halle. Zudem kostet er nur rund die Hälfte einer vergleichbaren Fläche ­unterm Dach. Doch damit müssen einige Nachteile in Kauf genommen werden.

Foto: Kiesel, Hans-Günter

Wind und Wetter ausgesetzt
Bei Kunststoffyachten ist ein Schutz vor der Witterung zwar nicht zwingend nötig, für den Werterhalt und gegen Verschmutzen aber zu empfehlen. Das Beste ist ein richtiges Zelt mit fester PVC-Plane, da es den Winddruck vom Rumpf nimmt. Das kos­tet aber schnell einen vierstelligen Betrag. Eine Plane direkt über dem Boot reicht auch, sie bietet jedoch eine enorme Windangriffsfläche. Droht ein Sturm, muss sie weggnommen werden. Generell sollte eine Plane möglichst über ein eigenes, an Deck errichtetes solides Gestell gespannt werden.
Gegenüber dem Hallenlager erfordert das Freilager zudem häufigere Kontrollen – ob etwa die Plane noch richtig sitzt und ob das Schiff nicht von Langfingern heimgesucht worden ist. Frei­lager sind für Diebe einfacher zugänglich als abschließbare Hallen. Zwecks Belüftung sollte das Schiff aber auch nicht zu sehr verrammelt werden.
Arbeitsgemeinschaften wie in der Halle bilden sich im Freilager nicht so schnell.


Mastlegen
Die Windlast ist einer der Hauptgründe, die gegen ein Überwintern mit stehendem Mast sprechen. Das ständige Arbeiten gegen die Leestüt­zen des Lagerbocks kann zu Delaminatio­nen an den Auflage­flächen oder zu Bruch ­führen. ­Außerdem lässt sich ein ­stehendes Rigg nicht so gründlich auf Schäden ­kontrollieren. Kommt es ­deshalb zu Bruch, relativieren sich die gesparte Gebühr ­für den Mastenkran und die Zeitersparnis schnell. ­Außerdem ist eine passende Plane bei stehendem Rigg aufwändiger herzustellen und teurer. Und nicht zuletzt verkürzt sich die Lebens­dauer der Drähte. Sie dehnen sich unter Last auch im Winter, müssen im Frühjahr nachgespannt werden, also doppelt so oft wie sonst, was die empfohlenen 15 Jahre nahezu halbiert.

An alles gedacht? Was Sie vor dem Winter auf keinen Fall vergessen sollten

  • Versicherung prüfen, ob Ausschlüsse fürs Überwintern im Wasser bestehen
  • Prüfen, ob die Garantie für Osmosefreiheit vorsieht, dass das Schiff einige Monate im Jahr aus dem Wasser muss
  • Prüfen, ob der Hafen im Winter eisfrei ist und ob Strömung herrscht
  • Ist ein Kran vorhanden? Er stellt die einzige Chance im Falle einer Notfallflucht dar
  • Nach dem letzten Törn: Segel abschlagen
  • Auf einen stets vollen Ladezustand der Batterien achten
Gewartet?

 Die Wandhalterung im Keller ist ideal, um den Motor zu lagern. Für Arbeiten ist die Maschine bestens zugänglich. Viertakter werden zudem optimal aufrecht gestaut
  • Eine Plane möglichst übers gesamte Deck aufziehen. Und zwar flach und glatt verzurren, damit sich keine Wassersäcke bilden und damit der Wind­widerstand gering gehalten wird. Lüftungsöffnungen sollten in der Plane vorhanden sein
  • Cockpitlenzer eisfest machen: Wasserschlauch oben und unten schließen und anschließend durch die Lenzrohre nach außen führen
  • Maschine einwintern
  • Dieseltanks bis zum Rand füllen, da ansonsten die Gefahr von Kondenswasser- und auch von Algenbildung besteht
  • Kugelhähne, Schläuche und die Bordtoilette mit Frostschutz befüllen

Eine noch ausführlichere Checkliste zum Ausdrucken (PDF) gibt es hier

– Mitarbeit: Johannes Erdmann, Lars Bolle

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