Segelboot EinwinternDie wichtigsten Tipps für den Saison-Abschluss

Johannes Erdmann

 · 15.10.2022

Segelboot Einwintern: Die wichtigsten Tipps für den Saison-AbschlussFoto: Michael Amme
Dicht an dicht stehen die Yachten bei Henningsen & Steckmest

Das Saisonende naht – Zeit, die Yachten für den Winterschlaf vorzubereiten. Doch was gilt es, beim Einwintern zu beachten? Was ist nötig, was überflüssig, wie geht’s einfacher?

In diesem Artikel:

Die Saison geht, die finsteren Tage und somit das Winterlager kommen. Wer sein Schiff bereits seit Langem segelt, wird den Arbeiten eher gelassen entgegenblicken. Ist der Eigner jedoch weniger erfahren oder das Schiff noch nicht sehr lang im Besitz, dann werden am Tag des Auskranens sicher ein paar Fragen aufkommen: Sollte ich die Maschine besser im Wasser einwintern oder an Land? Wann mache ich dann den Ölwechsel? Soll ich das Schiff gleich im Herbst polieren oder im Frühjahr? Und wie war noch gleich die Reihenfolge der Einwinterungsarbeiten?

Verlagssonderveröffentlichung

Aus diesem Grund haben wir die sinnvollsten Abläufe für Sie aufgeführt, beginnend mit dem Ölwechsel bis hin zum Antifouling-Streichen im Frühjahr. Beim Einwintern geht es neben den alljährlichen Wartungs- und Instandhaltungstätigkeiten vor allem darum, das Schiff vor den Einflüssen des Winters zu schützen. Zum einen vor Regen und Schnee – etwa durch eine Hallenlagerung oder eine Plane –, zum anderen aber auch vor Kälte, Frost und Luftfeuchtigkeit.

Die Yacht im Winter an Land zu stellen ist allerdings nicht unbedingt nötig, sondern eher ein deutsches Phänomen. Die meisten GFK-Schiffe sind durchaus für die Über­winterung sogar im Eis geeignet, wie es die Nachbarn in Holland beweisen. Dort bleiben jährlich Tausende Yachten in ihrem Element. Allerdings sollte es sich um ein ruhendes Gewässer handeln, und es müssen Vorkehrungen getroffen werden.

Arbeiten für den Herbst

Ölwechsel: Über die Saison sammeln sich im Öl viele Verunreinigungen, die dem Motor über Winter schaden. Deshalb noch vor dem Krantermin das Öl wechseln. Vorher warmfahren, bis es Betriebstemperatur erreicht
Foto: Johannes Erdmann

Arbeiten für das Frühjahr

Winschen warten: Sind sie schwergängig oder die Zahnräder und Klinken verharzt, sollten alle Einzelteile in Petroleum gereinigt und frisch gefettet werden. Dafür reicht es auf den meisten Schiffen, einen Arbeitstag einzuplanen
Foto: Liot, J.-M.

Winterlager ohne Sorgen

Zweifelsohne schläft der Eigner allerdings ruhiger, wenn die Yacht aufgebockt und konserviert in einer trockenen Halle ruht, während draußen die Winterstürme ums Haus fegen. Damit ihm jedoch nicht erst zu spät – womöglich unter dem Tannenbaum – ein wichtiges missachtetes Detail des Einwinterns einfällt, ist es hilfreich, sich zuvor einen Plan zu erstellen, in dem alle fraglichen Punkte aufgeführt sind. Unser Schema oben kann dafür als Anhaltspunkt dienen. Einzelne Punkte werden je nach Schiff anders zu handhaben sein. Zusätzlich finden Sie im Internet unter www.yacht.de (Webcode #82911) eine Checkliste.

Um den Überblick über Aufgaben und Kosten zu behalten, sollte zudem eine Zeichnung mit den im Winter nötigen Ar­beiten angefertigt werden. Dabei ergibt es Sinn, die Schritte der logischen Reihenfolge nach durchzunummerieren – um zum Beispiel nicht nach dem Ölen des Teakholzes festzustellen, dass zuvor noch einige Fugen hätten ausgebessert werden müssen.

Manche Aufgaben sollten gleich noch im Herbst erledigt werden. Wie zum Beispiel der Motorcheck, damit der Austausch von Motorfundamenten oder Ähnliches gleich in die Zu-erledigen-Liste aufgenommen werden kann. Andere, kleinere Arbeiten eignen sich eher für das Frühjahr, wie zum Beispiel das Warten von Winschen oder der Austausch von Opferanoden.

So kann eine Skizze mit den wichtigsten Aufgaben für die Winterpause aussehenFoto: YACHT
So kann eine Skizze mit den wichtigsten Aufgaben für die Winterpause aussehen

Die Maschine einwintern

In den meisten Fällen beginnt die Einwinterung mit einem Ölwechsel. Dazu sollte der Motor warmgefahren werden – denn warmes Öl ist weniger zäh als kaltes und lässt sich deshalb besser abpumpen. Beim Einwintern der Maschine ist zwischen Zweikreiskühlung und altmodischer Einkreiskühlung zu unterscheiden.

Während es bei der Zweikreiskühlung meist ausreicht, den Wasserzulauf zu leeren und den Frostschutz im Ausgleichsbehälter zu überprüfen, gegebenenfalls zu ergänzen, muss bei der Einkreiskühlung der gesamte Kühlkreislauf mit Frostschutz gespült werden. Das kann entweder geschehen, indem Frostschutz über den Seewasserfilter ins System gegeben wird, bis es aus dem Auspuff wieder austritt und aufgefangen wird – oder aber durch einen selbst gebastelten Kühlkreislauf. Dabei wird das Frostschutzmittel über die Kühlwasseransaugung aus einem Kanister gesogen und auf der anderen Seite über die Auspuffkühlung zurück in den Kanister geleitet. Achtung: Der Auspuff ist dann nicht mehr gekühlt – die Maschine sollte nicht allzu lange laufen.

Zum Einwintern des einkreisgekühlten Motors ist es ebenfalls wichtig, die Maschine zuvor auf Betriebstemperatur zu bringen: Erst dann öffnet der Thermostat und ermöglicht so, beim Ansaugen den ganzen Kühlkreislauf mit Frostschutz zu versorgen.

Polieren jetzt oder später?

Überwintert die Yacht in einer Halle, sollte sie noch im Herbst für die folgende Saison poliert werden – eine Aufgabe, die viele Eigner erst im Frühjahr, kurz vor der Wasserung, in Angriff nehmen. „Dann sind die Boote aber wieder vollgestaubt, und es entstehen beim Polieren Mikrokratzer im Gelcoat“, sagt Sven Jürgensen von Maincare, Experte auf dem Gebiet der Yachtpflege. „Im Herbst hingegen, gleich nach dem gründlichen Waschen des Rumpfes, sind die Voraussetzungen ideal.“ Außerdem sei dann die Temperatur meist noch angenehm und die Luft weniger feucht. Denn im Frühjahr kühlt der Nachtfrost die Schiffe regelmäßig aus, während die tagsüber auf die Hallendächer scheinende Sonne Schwitzwasser produziert. „Die lange Wartezeit schadet der Politur nicht“, sagt Jürgensen weiter, „das machen nur Salz und Sonnenlicht. In der Halle ist das Schiff davor geschützt.“

Überwintert das Schiff allerdings im Freilager, kann es tatsächlich sinnvoll sein, erst im Frühjahr zu polieren. Falls die Plane nämlich Scheuerspuren am Rumpf hinterlassen hat, können sie in diesem Arbeitsgang entfernt werden. „In jedem Fall sollte das Schiff vor der Politur aber noch mal gründlich gereinigt und entfettet werden“, so Jürgensen. „Und man sollte darauf achten, dass die Luft wenig Feuchtigkeit enthält, denn ansonsten haben herkömmliche Polituren keine Chance.“ Der Spezialbetrieb ist da besser gerüstet und hält jeweils zwölf Schleif- und Hochglanzpolituren für alle Witterungsbedingungen bereit. Eine gute Beleuchtung ist ebenfalls von Vorteil. „Man sieht im Frühjahr viele schlecht polierte Schiffe aus den Hallen kommen, weil die Eigner im faden Hallenlicht die Gelcoat-Oberfläche kaum erkennen konnten.

Schimmelfrei durch den Winter

Bevor das Schiff in die Halle kommt oder in eine Plane eingepackt wird, sollte es weitgehend ausgeräumt werden. Natürlich gehören vor allem alle Gefahrenstoffe von Bord, die Gasflasche, die Seenotraketen und der Reserve-Benzinkanister. Neben den Vorräten der letzten Saison sollten aber auch alle textilen Stoffe grundsätzlich von Bord gebracht werden, weil sie häufig die Luftfeuchtigkeit aufnehmen und sich dann Spak bildet. Besonderes Augenmerk ist auf gute Belüftung zu legen. Ist die Yacht an den Wänden mit Teppichen ausgekleidet, besser zusätzlich Luftentfeuchter installieren. Durch knapp geöffnete Luken sollte zudem eine Zwangsbelüftung der Kabine sichergestellt werden, um die Bildung von Luftfeuchtigkeit zu vermeiden.

Wer sein Schiff in der Halle mit einer Staubschutzplane abdecken möchte, sollte statt einer Plastikplane lieber eine aus Baumwolle wählen, die einen wesentlich besseren Luftaustausch zulässt. Im Freilager gilt es, das Schiff zwar vor der Witterung geschützt, aber ebenfalls gut belüftet zu lagern. Dazu bedarf es einer wirksamen Öffnung im vorderen und hinteren Bereich der Plane. Auf diese Weise streicht ständig etwas Luft darunter hindurch, und Schwitzwasser wird vermieden.

Planen für Segelboote: richtig bedacht oder leider verplant?

Wer sein Boot mit einer Plane vor der Witterung schützen will, muss sie gut dimensionieren und sicher abspannen, damit sie den Winterstürmen trotzen kann. Wer die Plane ohne Überlegungen übers Schiff wirft, wird nicht lange Freude an ihr haben. Vor allem gilt es, scharfe Kanten und Scheuerstellen zu vermeiden.

Cockpitplane "hoch": Liegt das Boot über Winter im Wasser und muss im Notfall beweglich sein, ist es möglich, eine Art "Sonnensegel" in stabiler Winterausführung über das Cockpit zu bauen. Dann sind Teak und Instrumente geschützt
Foto: Johannes Erdmann

Mehr Tipps und Hilfen zum Einwintern finden sich in dem Buch „Winterlager für Boote und Yachten“ von Michael Naujok (Delius Klasing Verlag, 22,90 Euro).

Tipps und Tricks rund ums Einwintern

Wir machen es immer wieder – aber ist es auch richtig?

Statt speziellem Frostschutzmittel eine Flasche billigen Korn durch die Wasserpumpe ziehen?

Diese Methode ist unbedenklich und wirkungsvoll.

Mit Seeventilen aus Plastik im Wasser überwintern?

Die Hersteller Marelon und Trudesign sind seit mehr als 30 Jahren auf dem Markt. Ihre Produkte können tatsächlich als winterfest angesehen werden.

Einfach das billigste Winterlager (Grundfläche) buchen?

Oft versuchen Winterlagerer neue Kunden mit günstigen Quadratmeterpreisen zu ködern. Die großen Summen verstecken sich dann aber in den Nebenkosten. Oder der Betreiber verbietet Eigenarbeit, und der Eigner ist auf dessen Service angewiesen.

Muss das Schiff tatsächlich komplett ausgeräumt werden?

Dinge, die nicht schimmeln oder spaken können, bleiben an Bord. Es ist egal, ob Fender in der feuchten Garage oder im feuchten Boot lagern. Faustregel: Papier und Textilien müssen runter.

Ist es gut, das Schiff während der Abwesenheit am Landstrom hängen zu lassen, denn dann ist die Batterie immer gut gefüllt?

Obwohl es viele Segler tatsächlich so handhaben, sollten die Batterien lieber einmal im Herbst vollständig geladen und dann vom Netz genommen werden. Schließlich ist eine unbeaufsichtigte Stromverbindung immer eine Gefahr.

Braucht das Schiff eine Plane, wenn es in der Halle steht?

Selbst unter einem festen Dach kann es nicht schaden, die Yacht mit einem schwer entflammbaren Staubschutz abzudecken. Denn natürlich lagert sich über den Winter eine Menge Staub darauf ab.

Muss die Maschine auch eingewintert werden, wenn das Boot im Wasser bleibt?

Sie sollte besser stets startklar sein, falls es während des Winters Probleme gibt. Ein kleiner, elektrischer Frostwächter im Motorraum schützt dabei vor Schäden.

Sollten Opferanoden jedes Jahr gewechselt werden?

Solange sie noch in Ordnung sind, müssen sie nicht getauscht werden. Es reicht, die Oberfläche mit Schleifpapier aufzuarbeiten.

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