SmartdockApp-Anlegen soll auch für Segelyachten kommen

Jan-Ole Puls

, Lars Bolle

 · 27.07.2026

Per App sollen sich künftig auch Segelyachten mit den bestehenden Antrieben manövrieren lassen.
Foto: KI-generiert; Display: Thitronik
Smartdock steuert Motor und Bugstrahlruder bereits auf Motorbooten per Smartphone. Für Segler wird die Technik jetzt auch interessant, weil Thitronik eine Version für Segelyachten plant. Der BOOTE-Praxistest zeigt, wo die App-Steuerung im Hafen hilft und warum sie Seemannschaft nicht ersetzt.

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Smartdock ist derzeit vor allem ein Thema für Motorbootfahrer. Doch für Segler könnte die Technik bald deutlich spannender werden: Thitronik plant nach Angaben im BOOTE-Test eine Erweiterung für Segelboote, perspektivisch sogar für ältere Yachten mit klassischer Seilzugschaltung. Damit stellt sich eine Frage, die viele Einhandsegler und kleine Crews kennen: Kann ein Smartphone beim Hafenmanöver dort helfen, wo sonst eine zweite Person fehlt?

App-Steuerung: Warum Smartdock auch für Segler interessant wird

Mit Smartdock hat Thitronik eine Nachrüstlösung entwickelt, die Hafenmanöver per Smartphone erleichtern soll. Aktuell steuert das System Motor und Bugstrahlruder auf entsprechend kompatiblen Motorbooten. Für Segelyachten ist die Technik noch nicht regulär verfügbar, sie ist aber angekündigt und könnte vor allem Eigner interessieren, die häufig allein oder mit kleiner Crew unterwegs sind.

Auf Motorbooten konkurriert Smartdock mit fest installierten Joystick-Systemen, die meist deutlich teurer sind und in der Regel auf moderne Antriebstechnik angewiesen bleiben. Auf Segelyachten liegt der Reiz anders: Hier geht es weniger um spektakuläres Seitwärtsfahren, sondern um kontrollierte letzte Meter, bessere Sicht auf Leinen, Pfähle und Pier sowie um Hilfe in Momenten, in denen der Rudergänger eigentlich an Deck gebraucht wird. Wie klassische Hafenmanöver ohne elektronische Hilfe funktionieren, zeigt die YACHT im Überblick zu stressfreien Hafenmanövern.

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An diesem Punkt setzt Smartdock an. Die Technik ist für den Endkunden möglichst einfach gehalten und über das Smartphone bedienbar. „Ich wollte allein aufs Wasser, aber nicht immer wie ein aufgeschrecktes Huhn übers Boot rennen, um überall die Leinen überzuwerfen", sagt Smartdock-Entwickler Mark Tietje zur Idee hinter seinem Produkt. Wir testen es auf einer Kiel Classic 44 in Eckernförde.

Wichtig für die YACHT-Leser: Der Praxistest fand auf einem Motorboot statt. Aussagen zur Bedienung, Verzögerung und Sicherheit beziehen sich daher auf dieses Setup. Für Segelyachten bleiben bis zur Einführung der passenden Version vor allem drei Fragen offen: Welche Antriebe und Schaltungen unterstützt werden, wie sich die Technik mit typischen Segelyacht-Bugstrahlrudern kombinieren lässt und welche Einbauvoraussetzungen an Bord erfüllt sein müssen.

Thitronik: Elektronik-Erfahrung aus Eckernförde

1984 gegründet, konzentrierte sich Thitronik zunächst auf Schiffselektronik. 2010 erfolgte ein Eigentümerwechsel, danach lag der Schwerpunkt stärker auf Elektronik für Reisemobile. Neun Jahre später zog die Firma von Kiel nach Eckernförde; wenig später entstand Smartdock. Es handelt sich also nicht um ein klassisches Start-up: Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen mehr als elf Ingenieure, die auch an Smartdock arbeiten.

Im Hafen: Was die App-Steuerung bereits kann

An- und Ablegen kann grundsätzlich jeder auch ohne Smartdock. Das System ist keine Automatik, sondern ein technisches Hilfsmittel. Wer allein an Bord ist oder sich beim Manövrieren freier bewegen möchte, erkennt den Nutzen aber schnell: Der Skipper kann dort stehen, wo Leine, Pfahl oder Pier gerade Aufmerksamkeit brauchen.

Das zeigt sich beim Test schnell. Das System reagiert verzögerungsfrei: Zwischen einem Tastendruck auf dem Smartphone und der Reaktion des Bootes vergeht keine spürbare Zeit. Laut Tietje ist das auf die schnelle Verbindung zwischen Steuergeräten und App zurückzuführen.

Die Bedienung ist zudem intuitiv. Schon nach wenigen Minuten hat man sich an die App gewöhnt und kann das System wie selbstverständlich nutzen. Von den drei Ansichten, die die App bietet, gefällt uns die dritte am besten – das ist allerdings Geschmackssache.

Steuern und gleichzeitig anpacken

Der größte Vorteil von Smartdock ist der frei wählbare Standort an Bord. Auf einer Segelyacht wäre das besonders dort interessant, wo der Rudergänger beim Manöver eigentlich am Vorschiff, an der Mittelklampe oder am Heck gebraucht wird. Statt zwischen Steuerstand und Leine zu wechseln, könnte er kurze Steuerimpulse geben und zugleich die Situation an Deck im Blick behalten. Das ersetzt keine saubere Vorbereitung, kann aber den Stress in engen Boxen oder bei Seitenwind verringern.

Der frei wählbare Standort ermöglicht außerdem oft einen besseren Überblick über die Gesamtsituation, als viele Steuerstände ihn bieten. Bis auf etwa fünf Zentimeter ließ sich so der Bug der Kiel Classic an die Pier fahren – vom Steuerstand aus wäre das wegen fehlender Sicht kaum möglich gewesen.

Besonders hilfreich wird das System, wenn Wind ins Spiel kommt. Wird das Boot beim Anlegen durch eine Böe von der Pier weggedrückt, kann gleichzeitig die Leine bedient und gegengesteuert werden, ohne erst zum Steuerstand zurückzulaufen. Für solche Momente ist der sogenannte High-Mode vorgesehen, bei dem alle Systeme gemeinsam genutzt werden. Die Leistung wird dabei etwas erhöht, das Boot dadurch deutlich agiler.

​Für Segelyachten bleibt dabei der Unterschied zum Motorboot entscheidend: Kiel, Ruder, Freibord und Propellerwirkung prägen das Manöver stark. Gerade moderne, breite Yachten mit viel Windangriffsfläche verlangen weiterhin gute Planung, Leinenarbeit und ein Gefühl für Fahrt im Schiff. Wer die Grundlagen auffrischen will, findet bei YACHT eine ausführliche Erklärung, wie ein Bugstrahlruder bei Hafenmanövern hilft.

Auch mit App bleibt Seemannschaft entscheidend

Smartdock legt das Boot nicht selbstständig an oder ab. Wer Wind, Strömung, Radeffekt oder das eigene Boot nicht einschätzen kann, wird mit der App-Steuerung kein besserer Skipper. Sie nimmt die eigentliche Arbeit nicht ab, sondern erleichtert sie an einer heiklen Stelle: auf den letzten Metern im Hafen. Für Einhandsegler und kleine Crews kann das interessant sein, sobald die Segelyacht-Version verfügbar ist. Bis dahin bleibt Smartdock vor allem ein funktionierender Praxistest auf Motorbooten und ein spannender Ausblick für die Segelszene.

Hier geht es zu Teil 2: Wie Smartdock technisch nachgerüstet wird, welche Motoren unterstützt werden, was das System kostet und welche Sicherheitsfunktionen die App-Steuerung absichern.


Wäre eine App-Steuerung für Hafenmanöver auf Ihrer Segelyacht eine sinnvolle Hilfe oder bleibt die Hand für Sie an Pinne, Rad und Fahrhebel? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Jan-Ole Puls

Jan-Ole Puls

Redakteur Test & Technik

Ole Puls wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf und kam so früh mit dem Segeln in Berührung. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Bootsbauer im Bereich Hightech-Kohlefaserbau. Seit 2022 ist er im Ressort Test & Technik tätig. Zu seinen Aufgaben zählen Bootstests von Motorbooten aller Art sowie praxisnahe Technikthemen. Die Sommer verbringt er auf dem Wasser und meist auf der Ostsee oder Schlei.

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