Nach dem Praxiseindruck im Hafen geht es nun um die Technik: Wie die Nachrüstung funktioniert, was Smartdock kostet und welche Sicherheitsfunktionen die Smartphone-Steuerung absichern.
Smartdock besteht im Wesentlichen aus mehreren Bausteinen. Das Herzstück für die Motorsteuerung ist die ECU, die Engine Control Unit. Sie wird zwischen den elektronischen Gashebel und den Motor geschaltet. Soll zusätzlich ein Bugstrahlruder eingebunden werden, übernimmt die TCU, die Thruster Control Unit, diese Aufgabe. Beide Steuergeräte werden anschließend mit der kostenlosen Smartdock-App verbunden, über die die Manöver ausgeführt werden.
Für Segelyachten ist dieser technische Aufbau vorerst nur der Anknüpfungspunkt. Viele Yachten haben andere Einbauvoraussetzungen als Motorboote: Einbaudiesel, Wellenanlage oder Saildrive, ein oft separater Gas- und Schalthebel, dazu je nach Boot ein Bugstrahlruder oder gar kein Querstrahler. Welche Kombinationen die angekündigte Segelboot-Version unterstützen wird, muss Thitronik zur Einführung konkret benennen.
Der Einbau folgt bei den derzeit unterstützten Motorboot-Konfigurationen dem Plug-and-Play-Prinzip: Auf einer Seite wird der Kabelstrang des vorhandenen Gashebels an die ECU angeschlossen, auf der anderen die Verbindung zum Motor hergestellt. Wichtig ist, welcher Motor verbaut ist, weil die Stecker je nach Hersteller variieren. Verkleidung lösen, Kabel finden, anschließen: Im BOOTE-Test wurde der Einbau als vergleichsweise überschaubar beschrieben. Für Segelyachten kann dieser Aufwand aber erst bewertet werden, wenn die passende Version verfügbar ist.
Anschließend wird das System in der App eingerichtet. Die App ist kostenlos und soll auch dauerhaft kostenlos bleiben.
Für Motor- und Bugstrahlrudersteuerung, also ECU und TCU, werden derzeit 4.950 Euro fällig. Wer zusätzlich Heckstrahlruder, Ankerwinde oder ein elektrisches Horn einbinden möchte, zahlt maximal 8.650 Euro. Diese Preise beziehen sich derzeit auf Motorboote. Ob und in welcher Höhe sich die Preise für Segelyachten unterscheiden werden, ist noch offen.
Die Verbindung zwischen Smartphone und Boot erfolgt per Bluetooth und ist bewusst auf die Nutzung an Bord ausgelegt. Eine Steuerung vom Steg oder aus größerer Entfernung soll damit ausgeschlossen werden. Sind zwei Motoren an Bord, synchronisiert Smartdock beide Antriebe automatisch.
Besonders wichtig sind die Sicherheitsfunktionen: Wird der Gashebel am Steuerstand bewegt, übernimmt dieser sofort die Kontrolle, die App-Steuerung wird automatisch deaktiviert. Reißt die Bluetooth-Verbindung ab oder landet das Smartphone im Wasser, versetzen sich die Motoren automatisch in den Leerlauf. Zudem ist Smartdock ausschließlich für langsame Hafenmanöver ausgelegt. Die Geschwindigkeit ist softwareseitig begrenzt.
Smartdock legt das Boot nicht selbstständig an. Wer Wind, Strömung, Radeffekt oder das eigene Boot nicht richtig einschätzen kann, wird mit einer App nicht automatisch zum besseren Skipper. Das System nimmt die Arbeit nicht ab, es erleichtert sie nur an einer heiklen Stelle. Für Einhandsegler kann das interessant werden, weil sie beim Manöver oft zugleich steuern, Leinen bedienen und den Abstand zu Pfahl oder Steg kontrollieren müssen. Wie sich Hafenmanöver ohne zusätzliche Elektronik lösen lassen, zeigen wir in den Techniken für Einhand-Segler.
Aktuell unterstützt Smartdock Motoren von MerCruiser/Mercury, Volvo Penta und Yamaha; weitere Hersteller sollen folgen. Bei Bugstrahlrudern ist die Kompatibilität breiter aufgestellt. Proportionale Systeme von Sleipner, Vetus und Quick befinden sich nach Angaben von Hersteller Thitronik in der Erprobungsphase und sollen integriert werden.
Der für YACHT-Leser wichtigste Ausblick betrifft Segelboote: Künftig soll Smartdock auch dort einsetzbar sein. Sogar ältere Yachten mit klassischer Seilzugschaltung sollen nachrüstbar werden. Diese Erweiterung befindet sich noch in der Entwicklung. Für Eigner bleibt daher vorerst offen, welche Yachten, Motoren, Schaltungen und Bugstrahlruder tatsächlich kompatibel sein werden. Erst wenn Thitronik die Segelboot-Version konkret vorstellt, lässt sich beurteilen, ob Smartdock eine sinnvolle Nachrüstoption für Fahrtenyachten wird.
Wäre eine Smartphone-Steuerung beim Hafenmanöver für Ihre Segelyacht eine sinnvolle Hilfe, oder gehört die Hand für Sie an Pinne, Rad und Fahrhebel? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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