Gebrauchtboot der WocheBiatel One Ton - Der hölzerne IOR-Klassiker im Porträt

Janek Struchholz

 · 18.10.2026

Die "High Noon" wurde im Zuge ihres Refits von Spinnaker auf Gennaker umgebaut.
Foto: Barth Yachts
Ein IOR-One-Tonner aus formverleimtem Holz, ein umfangreicher Refit und ein Preis von 238.000 Euro. Die “High Noon” ist ein einmaliges Angebot. Wir haben Sie im Gebrauchtbootcheck.

Themen in diesem Artikel

Die Biatel One Ton wurde 1978 bei Biatel in Hard am Bodensee gebaut. Mit 11,33 Metern Länge, 3,70 Metern Breite und 2,02 Metern Tiefgang gehört sie vom Grundriss in die damalige One-Ton-Welt. Konstruktiv ist sie als Holz-Einzelbau eine deutlich speziellere Kategorie.

​Geschichte und Entwurf

Die „High Noon“ wurde 1978 bei Biatel in Hard am Bodensee aus Holz als Einzelbau gefertigt, als schon Aluminium- und Kunststoffbauweisen für Regattaboote angesagt waren. Sie wurde nach den Prinzipien und Usancen der damals gängigen International Offshore Rule (IOR) von dem US-Amerikaner Gary W. Mull konstruiert. Erste Entwürfe lagen 1977 vor. IOR hat die Rumpfform, Kiel und Ruder, das Rigg und die Gewichtsverteilung geprägt.

Entwürfe nach dieser Klasse sollten auf dem Papier im Rating langsam sein, aber auf dem Wasser schnell. Das führte damals zu manchen Kunstgriffen, die typformend für IOR-Boote waren. Dazu gehören die schmalen Enden, die breiten Mittschiffsbereiche, lange Überhänge und ein häufig stark eingezogenes Heck. Stehhöhe, Stauraum und Fahrtenkomfort lagen nicht im Fokus. Das Boot bietet eine kleine Vorschiffskoje sowie zwei Salonkojen. Die frühere Nasszelle wurde zum Stauraum umfunktioniert.

Wichtig zu wissen: IOR-Boote ab den späten Siebzigern tragen oft komplexe, flexible Rigg, die schwer zu bedienen sind, besoners mit kleiner Crew. Die Salinge stehen oft neutral, wodurch die korrekte Verwendung der doppelten Backstagen besonders in einer Starkwindhalse überlebenswichtig für das Rigg sein können. Dafür lassen sich das Großsegel und die Genua sehr effizient trimmen, wofür neben den doppelten Backstagen auch das Jumpstag und das Achterstag steht.

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​​Regatta-DNA

Die “High Noon” trägt ihre Regattaherkunft nicht nur im IOR-Entwurf. Für den Bodensee sind konkrete Ergebnisse dokumentiert. Bei der Internationalen Bodenseewoche 2016 gewann sie die ORC-3-Klasse. Bei der West-Ost-Regatta des Bregenzer Segel-Clubs im Juli 2011 wurde sie in ihrer Yardstick-Gruppe Dritte. Sie ist somit nicht nur als Regattaschiff entworfen und gebaut, sondern auch dementsprechend gesegelt worden.

Prüfpunkte

Nachdem das Boot Anfang der 2000er Jahre zunehmend undicht wurde, begann ab Winter 2010 die umfassend Restaurierung. Erneuert wurden die tragende Spanten und der Kielbereich. Außerdem bekam das Schiff zwölf neue Lackschichten auf dem Rumpf, einen neuen Innenausbau sowie einen vollständigen Austausch von Mast, Segeln und Beschlägen. Der Austausch des Teakdecks wurde nach Verkäuferangaben 2015 vollzogen.

Die “High Noon” wird aufgrund des beschriebenen Refits als generalüberholter IOR-Klassiker angeboten, bei dem die größten Investitionen abgedeckt sein sollen. Potentielle Käufer sollten die ausgeführten Arbeiten jedoch einzeln bewerten und prüfen.

Holzrumpf und Kielbereich

Die “High Noon” wurde als formverleimter Holzbau gebaut und Die Biatel-Werft in Hard am Bodensee ist bis heute auf Holzbootbau spezialisiert. Anlass für den 2011 vollzogenen Refit waren neben den Undichtigkeiten auch spröder Lack. Deshalb sollten die zugänglichen Spanten, Bodenwrangen und Leimfugen im Fokus stehen. Ebenso der Übergang zwischen Rumpf und Deck, die Kielsohle, die Kielbolzen sowie alle Beschlagfüße. Auch unter einem vergleichsweise jungen Teakdeck kann sich unbemerkt Feuchtigkeit ansammeln, wenn Fugen, Befestigungen oder Anschlüsse nicht fachgerecht ausgeführt wurden. Diese Aspekte sollten vor einem Kauf gründlich geprüft werden.

Rigg und Segel

Bei dem Refit wurde neben dem Rumpf auch das stehende Gut überarbeitet. Der alte Aluminium-Mast wurde gegen einen neuen Carbon-Mast getauscht. Außerdem wurde ein Wechsel von Spinnaker auf Gennaker vollzogen, inklusive dem entsprechendem Gennakerbaum auf dem Vordeck. Das sollte den IOR-Renner moderner und leichter im Handling machen.

Zusätzlich erneuert wurden die Winschen (Harken), Bug- und Heckkorb, Relingstützen und das laufende Gut. Getreu dem Regatta Konzept der “High Noon” punktet das Schiff mit zehn North-Sails-3Di-Segeln, die teilweise als Neuzustand angegeben werden. Die Segel sind dem High-Performance Bereich zuzuordnen und normalerweise eher auf professionellen Offshore-Racern zu finden.

Motor

Beim Motor sollte sich ein neuer Eigner im besten Fall keine Sorgen machen müssen. Der Originalmotor wurde gegen einen neuen 20 PS Yanmar inklusive Gori Faltpropeller, Saildrive und einer neuen Welle getauscht. Das Inserat gibt für den Motor gerade einmal 30 Betriebsstunden an.

Für wen passt die “High Noon”?

​Wie oben beschrieben wird die “High Noon” als sehr gut erhalten und technisch neuwertig angeboten. Das ist eine Verkäuferangabe. Für den Käufer sind dagegen Rechnungen, Werkstattberichte, Fotos aus der Bauphase und ein aktueller Feuchtebefund die belastbaren Werte. Gerade bei einem formverleimten Rumpf sollten ein Holzbootsachverständiger und ein erfahrener Bootsbauer die tragende Struktur untersuchen.

Die Biatel One Ton “High Noon” ist jedoch eine einmalige gute Gebrauchte. Sie richtet sich an eine kleine, klar definierte Zielgruppe. Segler mit Sinn für IOR-Geschichte, Freude an klassischen Holzbooten und Bereitschaft zur fachkundigen Pflege können in der Biatel One Ton ihr Traumboot finden. Für Käufer mit Wunsch nach unkompliziertem Fahrtenkomfort, kalkulierbarem Unterhalt und einfachem Handling ist sie nicht die richtige Yacht.

Die Daten

MerkmalAngabe
TypBiatel One Ton / IOR-One-Tonner
Baujahr1978
KonstrukteurGary W. Mull
WerftBiatel Bootsbau
Bauweiseformverleimtes Holz
Länge11,33 m
Breite3,70 m
Tiefgang2,02 m
Verdrängung6.500 kg,
RiggCarbonmast
MotorYanmar-Diesel, 20 PS
Preis238.000 Euro inkl. Schweizer Mehrwertsteuer
StandortSchweizer Bodenseeufer

Buchtipps

Holzboote restaurieren wie ein Profi hilft Käufern und Eignern, den Aufbau eines Holzboots besser zu verstehen. Das Buch behandelt Lack, Deck, Beplankung, Reparaturen und typische Schadstellen vom Kiel bis zum Mast. Für die High Noon ist es besonders hilfreich, weil sich damit Fragen zu Leimfugen, Feuchte, Beschlägen und dem Zustand eines älteren, aber umfassend überarbeiteten Rumpfs fundierter einordnen lassen.

Pflege und Instandsetzung klassischer Yachten richtet sich an Eigner, die eine klassische Yacht nicht nur kaufen, sondern langfristig erhalten wollen. Das Buch erklärt praxisnah die Pflege von Holzsubstanz, Beschlägen, Teakdecks und Oberflächen. Gerade bei einem Einzelbau wie der High Noon zeigt es, welche Arbeiten regelmäßig anfallen und welche Details bei der Zustandskontrolle nicht übersehen werden sollten.

Würden Sie bei einem restaurierten Holz-Einzelbau zuerst auf die Optik achten oder nur mit vollständiger Refitdokumentation und Gutachten kaufen?

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Janek Struchholz kommt aus dem Bergischen Land, fühlt sich aber vor allem auf dem Wasser zu Hause. Seine Segellaufbahn begann im Optimisten und führte ihn bis in den internationalen Regattasport der 420er-Klasse. Nach der Schule studierte er Medienkultur in Weimar. Heute verbindet er als Volontär seine beiden Welten: Medien und Wassersport. Privat ist er regelmäßig auf dem IJsselmeer unterwegs und steht gelegentlich noch immer an der Regattastartlinie.

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