Refit TeakdeckIn 12 Schritten zurück zum strahlenden Teakdeck

Felix Keßler

, Michael Rinck

 · 18.10.2018

Refit Teakdeck: In 12 Schritten zurück zum strahlenden TeakdeckFoto: YACHT/N. Günter

Wir zeigen, wie man alte Teakdecks wieder fitmacht. Denn einen komplett neuen Decksbelag zu verlegen ist teuer. Diese Anleitung lässt das Deck wieder leuchten

Das Teakstabdeck ist auf modernen Yachten häufig der einzige Bereich mit massivem Holz; das schöne, natürliche und zudem traditionelle Bootsbaumaterial sorgt für ein schiffiges Äußeres auch auf Kunststoffbooten. Und das teure Deck veredelt nicht nur die Optik des Bootes, es bringt auch praktischen Nutzen: Es bietet sicheren Halt besonders bei Nässe. Doch obwohl das Tropenholz sehr witterungsbeständig ist, altert es schneller als Kunststoff, und irgendwann kommen Eigner um ein Refit nicht mehr herum. Je nach Abnutzung können die Arbeiten von einfacher Pflege über punktuelle Reparaturarbeiten bis hin zu aufwändiger Restaurierung reichen. Bei gebrauchten Booten stellt sich dann schnell die Frage, ob eine Reparatur überhaupt noch möglich ist.

Ausbessern oder neu verlegen?

Zwei Punkte sind dabei ausschlaggebend. Einer davon ist die Dicke des Teaks: Durch normale Abnutzung und Schleifen wird das Material mit den Jahren dünner. Sind die Holzstäbe aber dünner als drei Millimeter, ist in den Fugen keine ausreichende Flankenhaftung für die Dichtmasse vorhanden. Um das herauszufinden, kann unter Umständen noch folgender Tipp helfen:

  Tipp: Wenn die Fuge nicht mehr tief genug ist, bedeutet das nicht gleich das Aus für das Deck: Das Teakdeck muss mindestens 3 Millimeter Dicke aufweisen, damit die neue Dichtungsmasse genug Haftung hat. Wenn es knapp wird, kann die Fuge tiefer gefräst werden. Mit zwei Schrauben als Führung wird mit der Oberfräse die Fuge vertieft. Das geht nur, wenn unter den Teakstäben noch Sperrholz ist oder, wie in unserem Fall, die Teakstäbe in der Nut gefälzt sind. Das heißt, sie haben unten eine Nase, die den benachbarten Stab im richtigen Abstand hält. Das hilft beim Verlegen, wird jetzt aber nicht mehr gebraucht und bringt 2 Millimeter mehr Fugentiefe. Liegt das Teak auf einem GFK-Sandwichdeck, darf nicht hineingefräst werdenFoto: YACHT/N. Günter
Tipp: Wenn die Fuge nicht mehr tief genug ist, bedeutet das nicht gleich das Aus für das Deck: Das Teakdeck muss mindestens 3 Millimeter Dicke aufweisen, damit die neue Dichtungsmasse genug Haftung hat. Wenn es knapp wird, kann die Fuge tiefer gefräst werden. Mit zwei Schrauben als Führung wird mit der Oberfräse die Fuge vertieft. Das geht nur, wenn unter den Teakstäben noch Sperrholz ist oder, wie in unserem Fall, die Teakstäbe in der Nut gefälzt sind. Das heißt, sie haben unten eine Nase, die den benachbarten Stab im richtigen Abstand hält. Das hilft beim Verlegen, wird jetzt aber nicht mehr gebraucht und bringt 2 Millimeter mehr Fugentiefe. Liegt das Teak auf einem GFK-Sandwichdeck, darf nicht hineingefräst werden

Zweitens spielt eingedrungene Feuchtigkeit eine wichtige Rolle: Wenn die Fugen nicht mehr dicht sind und Wasser unter die Teakstäbe gelaufen ist, reicht neues Verfugen nicht. Hier muss beim Entfugen genau geschaut werden, wie es zwischen den Stäben aussieht, um Rückschlüsse auf den Untergrund zu ziehen. Ist das Teak beispielsweise auf einer Unterkonstruktion aus Sperrholz aufgeschraubt, wie es früher gern praktiziert wurde, kann im schlimmsten Fall das Sperrholz rott sein. Dann helfen auch keine neuen Fugen mehr.

Für diese Begutachtung ist es wichtig zu wissen, wie das Deck verlegt wurde. Zwei wesentliche Verlegeweisen lassen sich unterscheiden: Die meisten Werften setzen darauf, das Stabdeck vollflächig zu verkleben. Wenn dann eine Fuge undicht wird, ist das nicht so dramatisch. Bei älteren Teakdecks ist es durchaus üblich, dass die Teakstäbe trocken aufgeschraubt und anschließend die Fugen vergossen wurden. Bei dieser Konstruktion ist es viel wichtiger, sofort auf Undichtigkeiten zu reagieren oder es am besten gar nicht so weit kommen zu lassen. Denn sobald eine Fuge auf ist, kann sich eindringendes Wasser unter dem Teakdeck ausbreiten.

Nach dem Entfugen erst mal Staubsaugen

Bevor man die Fugen mit dem Dichtstoff vergießt, müssen sie noch mit dem Staubsauger von Staub befreit und mit Aceton entfettet werden. Dazu eignet sich ein Tuch an einem Spachtel oder dünnen Brettchen, das dann durch die Fugen gezogen wird. Das Tuch sollte öfter gewechselt und genug Aceton zum Entfetten verwendet werden. Anschließend wird noch ein sogenanntes Fugenband in alle Fugen eingelegt. Dabei kann ein kleiner Pinsel nützlich sein. Das Fugenband verhindert, dass die Fugenmasse am Grund der Fuge haftet, auch Drei-Flanken-Haftung genannt. Denn klebt die Fugenmasse nur an den Seiten der Teakbrettchen, kann sie sich besser bewegen, wenn sich etwa das Holz bei Temperaturschwankungen zusammenzieht oder ausdehnt. Dadurch erhöht sich die Lebensdauer der Fugenmasse deutlich.

Sind die Fugen jedoch nur porös und an einigen Stellen eingerissen, ist eine Reparatur möglich. So wie bei dem Deck einer Naja aus Sperrholz, das wir mit den Bootsbauern Kai Arendholz und Sven Walter von M. u. H. von der Linden in Wesel einem Refit unterzogen haben.

  Was ist in der Fuge? Es ist unerlässlich für die Neuverfugung zu wissen, ob Silikonprodukte verwendet wurden. Dazu einfach das alte Dichtmaterial anzünden. Silkonprodukte hinterlassen weiße Asche beim Verbrennen. Was hingegen schwarze Rückstände entstehen, handelt es sich nicht um kein Silikon. Wurde dieses zum Vergießen der Fugen benutzt, muss beim neuerlichen Verfugen auch wieder   ein Produkt auf Silikonbasis verwendet werden, da andere Dichtmassen nicht halten Foto: YACHT/N. Günter
Was ist in der Fuge? Es ist unerlässlich für die Neuverfugung zu wissen, ob Silikonprodukte verwendet wurden. Dazu einfach das alte Dichtmaterial anzünden. Silkonprodukte hinterlassen weiße Asche beim Verbrennen. Was hingegen schwarze Rückstände entstehen, handelt es sich nicht um kein Silikon. Wurde dieses zum Vergießen der Fugen benutzt, muss beim neuerlichen Verfugen auch wieder ein Produkt auf Silikonbasis verwendet werden, da andere Dichtmassen nicht halten 

Diese Arbeit erforderte vor allem Geduld und Fingerspitzengefühl, denn die alte Fugenvergussmasse ist zuerst restlos zu entfernen. Dazu wird die Fuge mit einem Cuttermesser an beiden Seiten eingeschnitten. Danach entfernt man die Dichtmasse mit einem sogenannten Entfugungshaken. Dabei sollte weder mit dem Messer noch mit dem Haken ins Teak gehackt oder die Fuge ausgefranst werden. Rückstände an den Flanken der Teakstäbe müssen in einem folgenden Arbeitsschritt mit einem scharfen Stecheisen abgeschabt werden. Es können ebenso Schleifaufsätze für Oszillationsschleifer zum Einsatz kommen. Wird die Fuge mit einer Fräse vertieft, können auch mit dem Fräskopf vorsichtig die Flanken gesäubert werden.

Vor dem Neuverfugen ist noch zu klären, welches Dichtmaterial man nehmen muss. Dafür ist es entscheidend zu wissen, was vorher in der Fuge war. Wenn vorher Silikon eingesetzt wurde, dann sollte auch wieder ein Produkt auf Silikonbasis zur Anwendung kommen. Denn die Silikone sind so weit in das Holz gezogen, dass sie dadurch die Haftung für andere Produkte erschweren.

Neu verfugen: Ist geklärt, welches Dichtmaterial verwendet werden muss und ist das alte Material sauber abgetragen, kann es endlich an das Verfüllen der Fugen gehen. Da auch bei einem neun Meter langen Boot, wie in unserem Fall, viele Meter Fuge zusammenkommen, ist eine gute Kartuschenpresse sehr hilfreich.

Die Fugenvergussmasse muss reichlich mit viel Überstand aufgetragen werden. Dabei arbeitet man gleichmäßig vom Grund der Fuge nach oben, damit keine Luftblasen entstehen. Mit einem Spachtel wird die Dichtungsmasse dann glatt gezogen. Bei diesem Vorgehen muss kaum Druck auf den Spachtel ausgeübt werden; denn die Dichtmasse sollte noch etwa zwei Millimeter über die Teakstäbe hinausragen. Danach braucht die Fugenmasse Zeit zum Polymerisieren, sprich Aushärten.

Je dicker die Schicht ist, desto mehr Zeit nimmt dieser Prozess in Anspruch. Bei etwa 2 Millimetern in 24 Stunden dauert es also bei einer 5 Millimeter tiefen Fuge plus 2 Millimeter Überstand dreieinhalb Tage. Um herauszufinden, wann es so weit ist, kann auf einen Streifen Klebeband eine Wurst Fugenmasse platziert werden, an der man testet, ob die Durchhärtung schon abgeschlossen ist. Ist das der Fall, wird die überschüssige Dichtmasse mit einem Stecheisen abgeschnitten. Die Rückstände auf dem Deck entfernt man dann behutsam mit dem Exzenterschleifer. Dabei sollte nur so viel Material wie nötig abgetragen werden. Dieser Arbeitsgang ist der letzte und der befriedigendste, denn unter den Spuren der Dichtmasse kommen die neuen Fugen und der hellbraune Holzton zum Vorschein. Das alte Deck sieht dann wieder aus wie neu.

1. Beschläge müssen, soweit möglich, demontiert werden. Häufig sind sie auch undicht. Außerdem stören sie bei der Arbeit 
Foto: YACHT/N. Günter

Die folgende Anleitung erklärt, in welcher Reihenfolge Sie beim Verfugen sinnvollerweise verfahren sollten:

Kosten und Nutzen

Doch bis dahin ist es ein mühevoller Weg. Profi Arendholz schätzt vier bis fünf Arbeitsstunden pro Quadratmeter für alle Arbeitsschritte. Das sind bei dem neun Meter langen Boot mit etwa acht Quadratmetern Deck also etwa 40 Arbeitsstunden oder vier Wochenenden in der Halle. Viel Zeit, dafür bleiben die Kosten überschaubar: 27 Kartuschen TDS Deck Caulk kosten etwa 570 Euro, eine gute Kartuschenpresse rund 75 Euro, der Entfugungshaken 45 Euro und das Fugenband 10 Euro. Insgesamt macht das etwa 700 Euro für ein schönes und gesundes Teakdeck. Nicht berechnet sind Geräte und Schleifpapier. Ein vom Profi verlegtes neues Teakdeck kostet ab 1000 Euro pro Quadratmeter, bei der Bootsgröße also ab 8000 Euro.

  Abstoßmesser kosten rund 50 Euro, erleichtern die Arbeit jedoch extremFoto: Peschke, Jochen
Abstoßmesser kosten rund 50 Euro, erleichtern die Arbeit jedoch extrem

Die größte Gefahr beim Nachschneiden der Fugen besteht darin, dass man versehentlich ins Holz schneidet. Für alle, die beim Umgang mit einer Klinge unsicher sind, gibt es das Mozart-Abstoßmesser. Die Spezialklinge ist an den Seiten abgerundet, damit sie dort besser übers Holz gleitet, und kann auch gewechselt werden. Der Griff des Messers ermöglicht zudem ein präzises Vorgehen. Es ist für 50 Euro im Werkzeug-Fachhandel erhältlich

Als minimale Ausrüstung mit Werkzeugen reichen Messer, Entfugungshaken, Stecheisen und Schleifklotz. Jedoch zieht das die ohnehin schon langwierige Arbeit noch weiter in die Länge. Schleifgerät und Staubsauger gehören mindestens als Verstärkung dazu. Natürlich sollte man auf entsprechende Schutzkleidung nicht verzichten. Zumindest ist beim Schleifen eine Atemmaske empfehlenswert und beim Umgang mit der Dichtmasse Handschuhe. Da die Arbeiten alle kniend an Deck ausgeführt werden müssen, sind des Weiteren Knieschoner eine sinnvolle Ausstattung.

Kleinere Reparaturen

Nicht immer muss auf ganzer Länge neu verfugt werden, der Refit eines Decks geht auch stückweise beziehungsweise punktuell. So bleibt das Teakdeck länger erhalten, und für die Optik lohnt sich der Aufwand. Danach ist es wieder für viele Jahre fit. Wir stellen drei Methoden vor, mit denen sich partielle Decksschäden reparieren lassen.

Punktuelle Erneuerung
Nicht bei jedem Deck ist so viel Aufwand nötig, um wieder eine schöne Optik zu erhalten. Oft stehen nach ein paar Jahren an besonders stark beanspruchten Stellen die Fugen über das Holz heraus. Das liegt schlicht an der Tatsache, dass sich das Holz schneller abnutzt als der Kunststoff in den Fugen. Haftet die Fugenmasse jedoch noch fest zwischen den Teakstäben und ist nicht porös, muss nicht, wie oben beschrieben, die gesamte Vergussmasse erneuert werden.

In diesem Fall reicht es, die Fugen auf Decksniveau herunterzuschneiden. Das sollte auch deswegen getan werden, weil die überstehende Dichtmasse Wasser am Ablaufen hindert. Das steht dann auf dem Deck, Bewuchs und Fäulnis im Holz können die Folge sein. Auch bieten die hochstehenden Fugen seitliche Angriffsfläche, das belastet die Flankenhaftung der Dichtmasse stark und führt im schlimmsten Fall zum Abriss der Fuge und damit zu Undichtigkeiten im Deck. Nach dem Schneiden kann behutsam geschliffen werden.

1. Überstehende Fugen hindern Regenwasser am Ablaufen. An diesen Stellen leidet das Holz, es entsteht grüner Bewuchs
Foto: YACHT/H. Schmidt

Kosmetische Eingriffe
Beim Schleifen des Decks können schnell weitere kleine Baustellen auftauchen. So treten oft kleinere Lufteinschlüsse in der Fugenvergussmasse zutage. Damit hier kein Wasser eindringen kann, sollten die Luftblasen verfüllt werden. Dazu werden sie mit Messer oder Stecheisen vollständig geöffnet, gereinigt und entfettet, bevor sie frische Dichtmasse erhalten. Bei diesem Vorgehen muss man auf die Kompatibilität der neuen mit der bereits in der Fuge befindlichen Dichtmasse achten.

1. Tritt beim Schleifen ein Lufteinschluss in der Fugenmasse zutage, diesen mit dem Stecheisen öffnen, reinigen und abkleben
Foto: YACHT/H. Schmidt

Pfropfen erneuern

Etwas größer ist da der Aufwand, wenn Pfropfen erneuert werden müssen. Wurden diese von der Werft nicht besonders tief eingeschlagen, bleibt durch den Verschleiß und das Abschleifen oft nur eine dünne Holzscheibe übrig. Ist diese brüchig, dringt Wasser genau an der Verschraubung in das Deck ein. Damit kann die Feuchtigkeit nicht nur unter das Teakdeck gelangen, sondern entlang der Schraube sogar in das GFK-Sandwich darunter. Dies gilt es unbedingt zu vermeiden. Die Überreste des alten Pfropfens müssen entfernt, die Schraube vertieft und erneuert und ein neuer Holzpfropfen eingesetzt werden.

  1. Beschädigte Pfropfen führen zu Undichtigkeiten. Die Reste werden mit einem Stecheisen beseitigt. Die Schraube wird entfernt, ...
  2. ... eine tiefere Eingesenkung vorbereitet und die Schraube erneuert. Die neuen Pfropfen werden mit Epoxid in Maserungsrichtung in die Stäbe eingeklebt
  3. Ist das Harz fest, wird der überstehende Teil des Pfropfens abgesägt (hier Multimaster), das klappt auch mit dem Stecheisen

Der Lohn der Arbeit
Die Stunden für Instandhaltungsarbeiten am Teakdeck sind gut investiert, denn ist erst alles wieder dicht, spielt das Tropenholz seinen Trumpf aus: Es ist witterungsbeständig und langlebig. Außerdem sorgt es nach getaner Arbeit im Winterlager wieder viele Saisons für sicheren Halt beim Gang auf das Vorschiff.

Alle Arbeitsschritte gibt es auch in bewegten Bildern. Der zweiteilige YACHT-TV-Bericht zur korrekten Behandlung des Patienten Teakdeck:

Seminar der Bootsbaumeister über die richtigen Kleb- und Dichtmassen

Ein Teakdeck wird überholt: Fugenmasse entfernen und Deck neu verfugen

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