Dass Kreuzfahrtschiffe segeln, ist nichts Neues. Die Viermastbark "Sea Cloud" ist ein gutes Beispiel dafür. Ein US-amerikanischer Multimillionär ließ sie in den 1930er Jahren bauen. Ursprünglich dienten solche Schiffstypen als Fracht- oder Arbeitsschiffe, bevor findige Reeder sie zu schwimmenden Luxuspalästen umrüsteten.
In den letzten Jahrzehnten dominierte jedoch der Verbrennermotor die Branche, segelnde Kreuzfahrtschiffe fristeten ein Nischendasein. Doch jetzt wagt Orient Express, Teil des Accor-Hotelkonzerns, einen beeindruckenden Vorstoß: Mitte November legte das Unternehmen in der französischen Werft Chantiers d’Atlantique in Saint-Nazaire die "Orient Express Olympian" auf Kiel.
Damit beginnt offiziell der Bau des zweiten Schiffs der Marke Orient Express Sailing Yachts. Die Werft positionierte die erste von insgesamt 17 Sektionen, aus denen der Rumpf entstehen wird. Jede dieser Sektionen wird separat gefertigt und dann wie ein gigantisches Puzzle zusammengefügt – ein Verfahren, das beim Bau moderner Kreuzfahrtschiffe üblich ist.
Nach alter Schiffbautradition legten die Werftarbeiter dabei eine frisch geprägte Münze auf den ersten Stahlblock – eine symbolische Geste, die dem Schiff Glück bringen soll. Im Frühjahr 2027 soll die "Orient Express Olympian" dann fertig sein und in See stechen. Ihr Schwesterschiff, die "Corinthian", wird bereits ein Jahr früher vom Stapel laufen und damit den Auftakt für die neue Flotte geben.
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Die beiden Schiffe werden 220 Meter lang und damit – nach eigenen Angaben – die größten Segelyachten der Welt. Ihr Antrieb basiert auf der SolidSail-Technologie. Chantiers de l'Atlantique entwickelte das Konzept in den vergangenen zehn Jahren. Statt herkömmlicher Textilsegel setzt SolidSail auf starre Paneele. Jedes dieser Rechtecke besteht aus einem Carbonrahmen und Glasfaser-Flächen, während Gelenke die einzelnen Elemente miteinander verbinden.
An Deck stehen drei selbstragende, neigbare Masten, an denen sich insgesamt 4.500 Quadratmeter Segel vollautomatisch von der Kommandobrücke aus setzen lässt. Bei günstigen Bedingungen sorgen sie für den Antrieb, computerberechnete Routen optimieren die Windkraft-Nutzung. Andernfalls springen die LNG-betriebenen Motoren ein.
Unter optimalen Windbedingungen navigiert das Schiff ausschließlich mit Segeln und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 17 Knoten – mehr als die standardmäßige Motorantriebsgeschwindigkeit.
Während das zweite Schiff in die Bauphase startet, beginnen im Dezember die ersten Tests der Orient Express Corinthian. Im Mai 2026 nimmt sie im Mittelmeer den Betrieb auf, bevor sie in die Karibik überführt wird. Die Olympian folgt im Frühjahr 2027 und vervollständigt die Flotte.