ICE 80Maßgeschneiderter Maxi-Cruiser mit sportlichem Anspruch

Martin Hager

 · 01.10.2026

ICE 80 Blue Water Sport: Wie bereits bei anderen Modellen der Werft zeichnete Umberto Felci für Konstruktion, Linien und Gestaltung verantwortlich. Der Designer vom Gardasee lieferte einen Entwurf, der vertraute Elemente moderner Performance-Cruiser aufgreift, sie aber nicht bis ins Extreme steigert.
Foto: ICE Yachts
​Die erste ICE 80 Blue Water Sport ist im Wasser – und sie zeigt, dass das Versprechen hinter ihrem Namen mehr als Marketing ist. Umberto Felcis 24-Meter-Entwurf kombiniert Vollcarbon-Leichtbau und vielversprechende Leichtwindleistungen mit einem individuell gestalteten Interieur und einfacher Bedienbarkeit. Eine Begehung auf dem Cannes Yachting Festival offenbarte, wie konsequent ICE Yachts das Flaggschiff auf die Wünsche des Eigners zugeschnitten hat.

Themen in diesem Artikel

Leichtwind-Performane und Langfahrtkomfort

Im Maxi-Segment bleibt viel in Bewegung. Zahlreiche Werften erweitern ihre Programme nach oben. YYachts bietet mittlerweile Modelle zwischen 60 und 90 Fuß Länge, Comar arbeitet mit der Comet Maxi-Linie an Yachten zwischen 80 und 100 Fuß, während Grand Soleil und Nautor Swan ebenfalls die Klasse um 80 Fuß besetzen. Mit der ICE 80 Blue Water Sport mischt nun auch ICE Yachts in diesem anspruchsvollen Markt mit.

​Was zunächst nur als Projekt angekündigt worden war, ließ sich auf dem Cannes Yachting Festival erstmals als fertige Yacht besichtigen. Bei dem dort gezeigten Schiff handelt es sich um Baunummer eins. Nach Angaben von Werftchef Marco Malgara sind auch die zweite und dritte Einheit bereits verkauft. Damit entwickelt sich der 24-Meter-Entwurf vom individuellen Flaggschiff zu einer kleinen Modellreihe – wobei „Serie“ bei einer derart stark personalisierbaren Yacht nur bedingt der richtige Begriff ist.

Gebaut wird die ICE 80 in Salvirola in der Lombardei. Die Werft liegt rund 50 Kilometer östlich von Mailand. Nach eigener Aussage fertigt ICE Yachts dort Rumpf und wesentliche Strukturen im eigenen Haus. Auf diese Weise soll die Werft nicht nur die Kontrolle über Gewicht und Qualität behalten, sondern auch weitreichende Sonderwünsche ihrer Kunden umsetzen können.

Sportliche Linien von Umberto Felci

Wie bereits bei anderen Modellen der Werft zeichnete Umberto Felci für Konstruktion, Linien und Gestaltung verantwortlich. Der Designer vom Gardasee lieferte einen Entwurf, der vertraute Elemente moderner Performance-Cruiser aufgreift, sie aber nicht bis ins Extreme steigert.

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Der Bug wirkt vergleichsweise füllig und besitzt unterhalb des Bugsprietansatzes einen deutlichen Knick. Zum Heck hin schnürt der Rumpf leicht ein. Gleichzeitig sind die Linien nahe der Wasserlinie besonders im achteren Bereich stark eingezogen. Das soll die benetzte Fläche reduzieren und erklärt zumindest teilweise, warum die Yacht bei leichtem Wind so früh Geschwindigkeit aufnimmt.

Markant ist der auf ganzer Rumpflänge abgefaste Übergang zwischen Deck und Bordwand. Felci führt das Motiv mit weicheren Radien am Aufbau und an den Cockpitsüllen fort. Dadurch erscheint die Yacht trotz ihrer Länge von 24 Metern niedrig, gestreckt und sportlich.

Das täuscht ein wenig über das tatsächliche Volumen hinweg. Bei der Begehung in Cannes überraschte vor allem, wie viel Stehhöhe und Breite unter Deck zur Verfügung stehen. Außen bleibt der Aufbau flach, innen wirkt die Yacht beinahe wie ein wesentlich konventionellerer Maxi-Cruiser.

Baunummer eins besitzt eine Doppelruderanlage. ICE Yachts bietet den Felci-Entwurf auf Wunsch jedoch auch mit Einzelruder an. Die Werft betrachtet das Modell damit nicht als vollständig festgelegtes Serienprodukt, sondern als technische Plattform, deren Steuerung, Layout und Ausstattung an das jeweilige Eignerprofil angepasst werden können.

Carbonbau mit knapp 38 Tonnen Verdrängung

Die vorläufig angegebene Verdrängung liegt bei 37,6 Tonnen, davon entfallen zwölf Tonnen auf den Ballast. Angesichts der Größe und des umfangreichen Komfortpakets ist das ein vergleichsweise niedriger Wert. Die dieses Jahr gewasserte Swan 80, verdrängt leer ganze fünf Tonnen mehr.

Rumpf, Deck und strukturelle Bauteile entstehen aus Carbon-Sandwich. ICE Yachts nutzt dafür ein Vakuuminfusionsverfahren, bei dem große Komponenten möglichst in einem zusammenhängenden Prozess gefertigt werden. Auch bei den Innenpaneelen achtet die Werft darauf, unnötiges Gewicht zu vermeiden.

Die leichte Konstruktion ist kein Selbstzweck. Sie bildet gemeinsam mit rund 330 Quadratmetern Segelfläche und dem geringen Widerstand des Rumpfes die Grundlage für einen sportlichen Auftritt am Wind.

Hinzu kommt ein Teleskopkiel, dessen Tiefgang von 4,60 auf 3,20 Meter reduziert werden kann. Unter Segeln bietet die größere Tiefe ein hohes aufrichtendes Moment; in Häfen und flacheren Revieren verbessert die eingefahrene Position die Zugänglichkeit. Ganz unkompliziert wird eine Yacht mit 3,20 Metern Mindesttiefgang dadurch zwar noch nicht, der verstellbare Kiel erweitert den Einsatzbereich aber erheblich.

Besonders bei leichten und mittleren Winden soll die Yacht laut Werftangaben ein Leistungsniveau erreichen, das eher an einen großen Racer-Cruiser als an eine komfortorientierte Langfahrtyacht erinnert. Ein YACHT-Test ist bereits in Planung.

Zwei Cockpits für Gäste und Segelcrew

Das Deckslayout trennt Gäste- und Arbeitsbereich weitgehend voneinander. Im vorderen Cockpit können sich Gäste aufhalten, ohne unmittelbar in die Manöverabläufe einbezogen zu sein. Achtern liegen die beiden Steuerstände sowie die zentralen Bedienelemente für das Segelhandling.

Die Steuerpositionen sind tief in die Cockpitlandschaft integriert. Dadurch sitzen die Rudergänger geschützt, behalten aber Zugang zu den für Trimm und Manöver wichtigen Funktionen. Großschot und weitere zentrale Systeme lassen sich direkt von den Steuerständen aus bedienen.

Eine kaptive Winch, elektrische beziehungsweise hydraulische Vorsegelfurler und die optional erhältliche Selbstwendefock sollen den Crewbedarf reduzieren. Selbst eine 80-Fuß-Yacht wird dadurch nicht zum Einhandboot, sie lässt sich jedoch mit deutlich weniger aktiver Segelcrew bewegen, als ihre Größe vermuten lässt.

Baunummer eins trägt Segel von North Sails und ein Carbonrigg. Für Code Zero und weitere große Vorwindsegel sind separate Anschlagpunkte und Furlingsysteme vorgesehen.

Freie Laufdecks und versenkbare Klampen

Bei der Begehung in Cannes fielen die breiten, aufgeräumten Laufdecks auf. Zu diesem Eindruck tragen hydraulisch versenkbare Klampen beziehungsweise Beschläge bei. Sie werden nur zum An- und Ablegen ausgefahren und können anschließend wieder im Deck verschwinden.

Das System stammt von einem externen Zulieferer und wurde auf Wunsch des Eigners installiert. Dieser kannte die Lösung bereits von einer früheren Yacht und wollte sie auch an Bord der ICE 80 nicht missen. Im Segelbetrieb bleiben dadurch weniger Stolperstellen und Hindernisse auf dem Deck zurück.

Hinzu kommen eine aufstellbare Sprayhood-Lösung. Sie soll Wetterschutz auf längeren Passagen bieten, lässt sich aber so weit zurücknehmen, dass die niedrige Silhouette der Yacht erhalten bleibt.

Am Bug ist Unterwasserbeleuchtung installiert. Das Heck nimmt eine große, ausklappbare Badeplattform auf. In der Garage lässt sich ein rund 3,50 Meter langes Beiboot verstauen. Es liegt leicht versetzt, damit Technik, Zugänge und übrige Stauräume im Achterbereich untergebracht werden können.

Warmes Teak statt nüchterner Carbonoptik

Während das Äußere klar auf Geschwindigkeit und technische Effizienz verweist, folgt der Innenraum von Baunummer eins einer anderen gestalterischen Richtung. Der Eigner wünschte sich ein warmes, klassisches Ambiente mit viel Teak und kleinen Rumpffenstern.

Damit unterscheidet sich diese ICE 80 von vielen modernen Performance-Yachten, deren Interieurs von hellen Oberflächen, großen Rumpffenstern und einem betont minimalistischen Ausbau geprägt sind. Auf Baunummer eins trifft Kohlefasertechnologie auf eine wohnliche, beinahe traditionelle Anmutung.

Die geringe Zahl seitlicher Fenster lässt den Innenraum jedoch nicht zwangsläufig dunkel erscheinen. Unterschiedliche Lichtquellen, die großzügige Raumhöhe und die offene Gestaltung des Salons schaffen ein helles Ambiente. Hinzu kommen Bereiche mit elektrisch schaltbarem Glas. Solche Scheiben können je nach Bedarf transparent oder blickdicht gestellt werden und ermöglichen eine flexible Trennung einzelner Räume.

Wie weit sich dieses Interieur auf die nächsten Einheiten übertragen lässt, bleibt offen. Die Werft betont, dass jede ICE 80 stark individualisiert werden kann. Andere Eigner können folglich größere Fenster, hellere Hölzer oder ein reduzierteres Design wählen.

Ein Eignerbereich wie ein Apartment

Den stärksten Eindruck an Bord der ICE 80 hinterlässt die Eignerkabine im Vorschiff. Durch die große Breite des Rumpfes und die Konzentration auf wenige Kabinen entsteht ein Raum, der eher an ein kleines Apartment als an eine klassische Vorschiffskoje erinnert.

Neben dem großen Bett gibt es umfangreichen Stauraum in Schränken und unter der Liegefläche. Ein begehbarer Kleiderschrank und ein großzügiges eigenes Bad gehören ebenfalls zum Ausbau. Der Eigner wollte bewusst keine maximale Zahl an Kojen, sondern große, langfristig nutzbare Wohnbereiche.

Ergänzt wird die Aufteilung durch eine geräumige VIP-Kabine sowie eine separate Kabine beziehungsweise einen eigenen Bereich für die Tochter des Eigners. Die Gästekabinen verfügen über eigene Bäder. Gerade im Vorschiff zeigt sich, dass die Werft nicht einfach ein festes Serienlayout realisierte, sondern die Raumaufteilung an den Familien- und Reisealltag des Kunden anpasste.

Auch die Navigationsecke fällt großzügig aus. Große Raymarine-Displays bündeln Navigation, Systemüberwachung und weitere Bordinformationen. Von diesem Bereich besteht ein direkter Zugang nach draußen, wodurch sich technische Abläufe und Wachbetrieb vom Gästebereich trennen lassen.

Die ICE 80 bietet einen eigenen Crewbereich

Die ICE 80 kann mit bis zu drei Crewmitgliedern betrieben werden. Dafür ist ein eigener Bereich mit Kabinen, Bädern sowie Aufenthaltsbereich und Pantry vorgesehen. Auch eine Waschmaschine gehört zur Ausstattung.

Der Crewbereich wurde nicht nur als technisch notwendige Ergänzung behandelt. Nach Aussage der Werft legte man Wert auf gute Arbeits- und Lebensbedingungen. Das ist vor allem bei längeren Reisen relevant: Je klarer Gäste- und Crew-Wege getrennt sind und je besser die Besatzung untergebracht ist, desto reibungsloser funktioniert der Alltag an Bord.

Gleichzeitig ist die Yacht nicht zwingend auf eine große professionelle Mannschaft angewiesen. Das automatisierte Segelhandling erlaubt den Betrieb mit einem kleinen Team. In der Praxis dürften Eigner abhängig vom Revier und Nutzungsprofil zwischen privatem Betrieb, einer Minimalbesatzung aus Kapitän und Stewardess oder einer dreiköpfigen Crew wählen.

48 Volt gegen das Kabelgewicht

Eine zentrale technische Besonderheit ist das weitgehend durchgängige 48-Volt-System. Leistungsstarke Verbraucher wie Winschen sowie Bug- und Heckstrahlruder werden mit der höheren Spannung betrieben.

Der Vorteil liegt vor allem in den geringeren Stromstärken. Dadurch können Kabel mit kleineren Querschnitten eingesetzt werden. Nach Angaben der Werft spart die 48-Volt-Architektur gegenüber einer konventionellen Auslegung rund 380 Kilogramm Kabelgewicht. Zugleich soll der Stromverbrauch um etwa zwölf Prozent sinken.

Bei einer 24 Meter langen Yacht mögen einige hundert Kilogramm zunächst nebensächlich erscheinen. Im Performance-Yachtbau summieren sich solche Einsparungen jedoch. Das gilt umso mehr, wenn der Innenraum umfangreich ausgestattet ist und zahlreiche elektrische sowie hydraulische Systeme an Bord kommen.

Das 48-Volt-Netz trägt somit dazu bei, den Zielkonflikt zwischen Komfort und Gewicht zu entschärfen: Die ICE 80 kann viele Funktionen elektrisch betreiben, ohne sämtliche Vorteile der Carbonkonstruktion durch schwere Leitungen wieder aufzuzehren.

250 PS und doppelte Generatoren

Für den Antrieb unter Maschine ist ein Cummins-Diesel mit 250 PS installiert. Die Werft entschied sich bewusst für eine vergleichsweise großzügige Motorisierung. Auf einer voll ausgerüsteten 80-Fuß-Yacht sollen damit ausreichende Reserven für Hafenmanöver sowie Fahrten gegen Wind und Welle verfügbar sein.

Zwei Generatoren versorgen die umfangreiche Bordtechnik. Sie lassen sich je nach Leistungsbedarf offenbar einzeln oder gemeinsam betreiben. Neben der verfügbaren Leistung steht dabei die Redundanz im Vordergrund. Fällt eine Einheit aus, bleibt die elektrische Versorgung über den zweiten Generator grundsätzlich erhalten.

Das gleiche Blauwasser-Prinzip zeigt sich in weiteren technischen Bereichen. Die Wasseraufbereitung ist auf einen hohen Autarkiegrad ausgelegt, einige Systeme beziehungsweise Leitungen sind redundant ausgeführt. Schläuche, elektrische Verteilungen und Wartungspunkte bleiben in den Technikräumen gut zugänglich.

Abnehmbare, leichte Paneele vereinfachen den Zugang. Das ist bei einer Yacht mit komplexer Bordtechnik entscheidend: Nicht nur die Qualität der einzelnen Komponenten, sondern auch ihre Erreichbarkeit bestimmt, ob sich ein Defekt unterwegs effizient beheben lässt.

Das Blue-Water-Sport-Versprechen

Die erste ICE 80 Blue Water Sport zeigt, dass sich das Konzept der Werft nicht nur auf einen griffigen Modellnamen stützt. Marco Malgari verspricht sportliche Segelleistungen kombiniert mit einem ungewöhnlich voluminösen Innenraum mit großer Eignersuite, VIP-Kabine, separaten Crewbereichen und umfangreicher Langfahrttechnik. Gerade darin liegt der Charakter dieses Flaggschiffs, dass ab 5,8 Millionen Euro erhältlich ist: Die ICE 80 will weder purer Racer noch schwimmendes Apartment sein. Sie versucht, die Geschwindigkeit eines modernen Carbon-Entwurfs, die Bedienbarkeit mit kleiner Crew und den Komfort einer großen Langfahrtyacht zusammenzubringen.


Technische Daten ICE 80 Blue Water Sport

Länge über alles24,00 m
Breite6,52 m
Tiefgang3,20–4,60 m
KielTeleskopkiel
Verdrängung (leer)37.600 kg
Ballast12.000 kg
Segelflächeca. 330 m²
Rumpf und DeckCarbon-Sandwich, Vakuuminfusion
MotorCummins-Diesel
Motorleistung250 PS
Bordnetzweitgehend 48 Volt
KonstruktionUmberto Felci / Felci Yacht Design
WerftICE Yachts, Salvirola

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Martin Hager

Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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