Mit dem Stapellauf von Thomas Ruyants neuem IMOCA wird sichtbar, wie die nächste Generation der Open-60-Klasse aussehen soll. Das Boot ist nicht nur der erste Neubau einer gemeinsamen Dreier-Kampagne mit Team Malizia und Banque Populaire (Vendée Globe: Ein Drilling für Boris – Herrmann baut Schwesterschiffe mit Ruyant und Berrehar), sonder auch das Schwesterschiff von Boris Herrmanns kommender “Malizia 4”. Entwickelt wurde das Projekt von den Konstrukteuren Antoine Koch, Finot-Conq und Gsea Design, gebaut werden die Boote bei CDK in Lorient.
Spannend ist vor allem, wie deutlich sich die neue Yacht in ihrer Formensprache von der früheren “Malizia” -Generation absetzt. Boris Herrmann beschreibt die neuen Boote als schlanker und mit spitzerem Bug als die bisherige „Malizia – Seaexplorer“. Das deutet auf eine Abkehr von extrem voluminösen Vorschiffen hin, wie sie viele moderne Imoca-Foiler in den vergangenen Jahren geprägt haben. Statt maximalem Auftrieb im Bugbereich scheint das neue Konzept stärker auf Balance und Vielseitigkeit in einer größeren Range von Wind- und Wellenbedingungenzu zielen.
Dabei baut die neue Konstruktion auf Erkenntnissen aus Ruyants bisherigem Boot und weniger der früheren “Malizia” auf. Als Referenz diente dessen aktuelle Imoca, deren abgerundete Rumpfform laut Antoine Koch Vorteile bei rauer See und raumen Kursen hat: Das Boot bewege sich gut durchs Wasser und verhalte sich an Bord weniger brutal. Dort, wo dieses Konzept Schwächen zeigte, setzt der Neubau an – nämlich am Wind, in glattem Wasser und in Leichtwind- sowie Übergangsbedingungen.
Thomas Ruyant: “In dieses Boot sind unsere Erfahrungen aus zwei früheren Imocas, zwei Vendée Globe, zwei Siegen in der Transat Jaques Vabre. Das neue Boot wird eine echte Rakete, ich kann es kaum erwarten, sie auf See zu testen!
Der Blick auf frühere Koch-/Finot-Entwürfe zeigt, in welche Richtung die Konstruktion geht. Die jüngste Imoca-Generation ist vergleichsweise schmal und flach, mit einer auffälligen Bugsektion, die trotz Fülle nicht dem klassischen Scow-Schema folgt. Prägend sind dort markante Chines, eine tiefe Spantform und ein im Vorschiff fast V-förmiger Rumpf, weich gerundet bis zur Kimmkante, aber dennoch klar konturiert. Thomas Ruyant sprach in diesem Zusammenhang von einem Rumpf mit „zwei Ebenen“: unten sehr schlank, oben breit. Auffällig ist der besonders im Bugbereich krasse Chine, der in einer sanften Kurve nach achtern abfällt.
Diese Denkweise passt auch zum neuen Schwesterschiff-Projekt. Das Ziel ist offenbar kein radikaler Spezialist, sondern ein Imoca, der unter verschiedenen Bedingungen schnell ist. Konstrukteur Antoine Koch formuliert es als Versuch, die Vielseitigkeit zu verbessern, Leichtwindlücken zu schließen und das Verhalten in Wellen kontinuierlich zu optimieren. Dahinter steht die Erfahrung, dass extremere Foiler zwar unter Idealbedingungen glänzen können, in Seegang aber teils stark abbremsen und damit wertvolle Durchschnittsgeschwindigkeit verlieren.
Auch im Detail folgt daraus eine klare Designphilosophie: kontrollierbarere Geschwindigkeitsentwicklung und ein Boot, das in Wellen weniger hart abbremst. In der Analyse früherer Koch-Designs war genau das ein Kernpunkt: geringerer Widerstand, reduzierte benetzte Fläche und eine Auslegung, die nicht nur für wenige ideale Wind einfallswinkel optimiert ist, sondern auf längeren Offshore-Etappen verlässlicher funktioniert. Für Ruyants neues Boot und die spätere Malizia 4 wäre das ein entscheidender Schritt – weg vom kompromisslosen Extrem, hin zum stabil schnelleren Allround-Foiler.
Bemerkenswert ist zudem der Rahmen des Projekts. Statt drei separater Neubauten entsteht ein gemeinsames Design für drei Teams. Das spart nicht nur Entwicklungsaufwand und Werkzeuge, sondern reduziert laut den Beteiligten auch den CO2-Fußabdruck des Baus deutlich. Ruyants Boot markiert damit nicht nur den Start eines neuen sportlichen Zyklus, sondern auch den Beginn einer enger vernetzten IMOCA-Entwicklung.

Stellvertretender Chefredakteur YACHT
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