“Äpplet”Wrack des Schwesterschiffes der “Vasa” entdeckt

Max Gasser

 · 25.10.2022

“Äpplet”: Wrack des Schwesterschiffes der “Vasa” entdecktFoto: Vrak
Ein Taucher bei den Nachforschungen am Wrack der “Äpplet”

Schwedische Archäologen haben ein riesiges Schiffswrack aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. Die Forschungen ergaben, dass es sich dabei um “Äpplet”, das Schwesterschiff der ebenfalls gesunkenen “Vasa”, handelt. Ein unglaublicher Fund

Meeresarchäologen haben vor Stockholm ein Wrack des schwedischen Segelkriegsschiffes “Äpplet” identifiziert. Bereits im Dezember 2021 wurde das riesige Schiffswrack entdeckt. Jetzt konnte bestätigt werden, dass es sich dabei um das Schwesterschiff der “Vasa” handelt. Messdaten, technische Details des Schiffes, Holzproben und Archivdaten bestätigen die Identität des Kriegsschiffes. Die “Äpplet” lief 1629 vom Stapel, ein Jahr nach der “Vasa”. Sie war eines der größten seegängigen Schiffe dieser Zeit.

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Entdeckt wurde das Wrack in einer Meerenge bei Vaxholm, einer Insel in den Schären vor Stockholm, von den Meeresarchäologen des schwedischen Wrack-Museums Vrak in Zusammenarbeit mit der Marine. Teile der Bordwände waren auf den Meeresgrund gestürzt, der Rumpf ist jedoch bis zu einem unteren Geschützdeck erhalten. Die heruntergefallenen Seitenwände wiesen Bullaugen auf zwei verschiedenen Ebenen auf, was auf ein Kriegsschiff mit zwei Geschützdecks hindeutet.


Wie viel der “Äpplet” tatsächlich erhalten ist, zeigt die Grafik. Im oberen Bereich sind die Bordwände abgebrochen und teilweise auf dem Grund zu findenFoto: Vrak/Alexander Rauscher
Wie viel der “Äpplet” tatsächlich erhalten ist, zeigt die Grafik. Im oberen Bereich sind die Bordwände abgebrochen und teilweise auf dem Grund zu finden

“Unser Pulsschlag beschleunigte sich, als wir sahen, wie ähnlich das Wrack der ‘Vasa’ war”, erinnert sich Jim Hansson, Meeresarchäologe am Museum. “Sowohl die Konstruktion als auch die gewaltigen Ausmaße kamen uns sehr bekannt vor. Die Hoffnung, eines der Schwesterschiffe der ‘Vasa’ zu finden, wurde in uns geweckt.”

“Die Abmessungen, Konstruktionsdetails, Holzproben und Archivmaterial wiesen alle in dieselbe Richtung”, so Patrik Höglund, maritimer Archäologe des Museums. Und er schlussfolgert: “Erstaunlicherweise hatten wir das Schwesterschiff der ‘Vasa’, die ‘Äpplet’, gefunden.”

Eine weitere Grafik des Museums zeigt zudem die Lage des WracksFoto: Vrak/Alexander Rauscher
Eine weitere Grafik des Museums zeigt zudem die Lage des Wracks

Frühere Funde entpuppten sich als andere Schiffe

Im Jahr 2019 fanden die Meeresarchäologen des Museums zwei Schiffswracks in Vaxholm, die für die “Äpplet” gehalten wurden. Die damaligen Untersuchungen hatten jedoch ergeben, dass es sich stattdessen um “Apollo” und “Maria” handelte, zwei mittelgroße Schiffe aus dem Jahr 1648. Die Archäologen gaben nicht auf und setzten ihre Suche fort.

Beim aktuellen Fund verdichteten sich die Hinweise allerdings schnell. Eine gründliche Untersuchung im Frühjahr 2022 legte Schiffsdetails offen, die man bisher nur von der “Vasa” kannte. Zudem wurden mehrere Proben und Analysen durchgeführt. Es stellte sich heraus, dass die Eiche für das Schiffsholz 1627 in Mälardalen gefällt wurde – an der gleichen Stelle wie das Holz der “Vasa” nur wenige Jahre zuvor.

Diese sank bereits zu Beginn ihrer Jungfernfahrt am 10. August 1628 nach nur etwa 1.300 Meter Fahrtstrecke. Grund für den Untergang bei normalem Seegang war die schwerwiegende konstruktive Instabilität. Nach der Bergung 1961 wurde sie restauriert und ist heute im Vasa-Museum in Stockholm ausgestellt.

Die “Äpplet” wurde nach dem “Vasa”-Unglück etwas breiter gebaut. Die Konstruktion erwies sich dennoch als erfolglos. Das Schiff wurde im Dezember 1658 als seeuntüchtig eingestuft und im folgenden Jahr bei Vaxholm versenkt, um die Meerenge zum Schutz vor Feinden zu sperren.

Das Schwesterschiff “Vasa” im ModellFoto: Vasa-Museum/Karolina Kristensson
Das Schwesterschiff “Vasa” im Modell

“Äpplet”: entscheidender Faktor für weitere Forschung

Die Entdeckung von “Äpplet” liefere wichtige neue Erkenntnisse. “Mit ‘Äpplet’ können wir ein weiteres wichtiges Puzzlestück in der Entwicklung des schwedischen Schiffbaus hinzufügen”, erklärte Hansson. Man könne erst jetzt die Unterschiede in den Konstruktionen von “Vasa” und “Äpplet” wirklich untersuchen.

“Dies wird uns helfen zu verstehen, wie sich die großen Kriegsschiffe von der instabilen ,Vasa’ zu seetüchtigen Ungetümen entwickelten, die die Ostsee kontrollieren konnten – ein entscheidender Faktor für Schwedens Aufstieg zur Großmacht um 1600”, ergänzte Höglund.


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