Der Markt für seriengebaute Fahrtenkatamarane ist kleiner, als die wachsende Präsenz von Mehrrumpfbooten in Häfen, Charterbasen und auf Bootsmessen es vermuten lässt. Zwar gibt es inzwischen eine Vielzahl von Marken und Konzepten, doch viele Anbieter bauen nur in kleinen Stückzahlen oder bedienen eher Nischen als den Massenmarkt. Im Kern wird das Segment der Fahrtenkats von wenigen Werften geprägt. Die Schwergewichte der Branche heißen Lagoon, Fountaine Pajot, Bali, Nautitech und Leopard.
Leopard Catamarans nimmt dabei eine besondere Position ein. Als einziger Serienhersteller von Fahrtenkatamaranen unter den großen Anbietern baut die Marke ihre Boote nicht in Europa, sondern in Südafrika bei Robertson and Caine. Die Werft in Kapstadt ist der Baupartner hinter den Katamaranen von Leopard. Über die Charter-Anbieter The Moorings und Sunsail gelangen dieselben Plattformen häufig auch mit unterschiedlichem Branding und im Rahmen attraktiver Kaufcharter-Modelle in internationale Charterflotten. Unter der Bezeichnung „Leopard“ werden sie parallel dazu direkt an private Eigner verkauft; dieser Anteil macht etwa die Hälfte der gesamten Fertigungsleistung aus.
Rumpf, Deck, Kajütaufbau und sämtliche GFK-Komponenten werden bei Robertson and Caine im Vakuum-Infusionsverfahren hergestellt. Zudem integriert die Werft bei allen neuen Modellen der aktuellen Reihe im vorderen Beam einen massiven Querträger aus Stahl. Er soll die Struktur zusätzlich versteifen und die Torsion zwischen den Rümpfen reduzieren. Die ballastlosen Kielstummel sind am Rumpf lediglich angeklebt, nicht verschraubt oder anlaminiert. Bei einer Grundberührung sollen sie abscheren, ohne die Struktur zu beschädigen. Dennoch sind sie so robust gebaut, dass der Katamaran problemlos darauf abgestellt werden kann.
Mit dem neuen Leopard 52 ersetzt die Werft nun ihr bisheriges Flaggschiff, den Leopard 50, von dem knapp 250 Einheiten gebaut worden sind. Dessen Besonderheit hat unter anderem darin gelegen, dass er in zwei Varianten angeboten wurde: wahlweise mit Flybridge-Lounge oder in einer etwas sportlicher ausgelegten Version ohne Toppdeck. Beim neuen 52er gehört der großzügig angelegte Rückzugsort in luftiger Höhe nun zum Basisboot ohne Alternativen. Die Grundkonstruktion von Simonis Voogd Design bleibt ansonsten in ihrer Ausrichtung erhalten, wurde hydrodynamisch und strukturell jedoch weiterentwickelt. Der neue Kat ist 30 Zentimeter länger und 10 Zentimeter breiter als sein Vorgänger.
Für den Test vor Saint-Raphaël in Südfrankreich bietet das Revier nahezu ideale Bedingungen. Bis zu Windstärke 4 und eine mäßige Welle bieten eine gute Grundlage, um das Potenzial des neuen Modells einzuschätzen. Auf der Kreuz läuft der Katamaran mit 6,5 Knoten auf einem Winkel von 50 Grad zum wahren Wind ordentlich. Mehr Dynamik kommt mit ausgerolltem Code Zero ins Spiel. Bei halbem Wind sind knapp 9 Knoten Speed drin. Für einen Fahrtenkatamaran dieser Größe und Ausrichtung sind das schon mal solide Leistungswerte. Diese müssen allerdings eingeordnet werden: Das Testboot ist mit einem aufgewerteten Satz Laminatsegel unterwegs, darunter ein Großsegel mit Square-Head.
Auch überrascht der Südafrikaner mit seinen lebhaften Eigenschaften in den Manövern. Die Wenden können zügig durchgesteuert werden, ohne dass dabei viel Speed verloren geht. Und das mit über 20 Tonnen Gesamtgewicht vergleichsweise schwere Schiff reagiert erfreulich schnell und unmittelbar auf das Ruder. Gleichzeitig ist die Steuerung mechanisch wenig überzeugend. Die Übertragung wirkt schwergängig, Rückmeldung vom Ruder kommt kaum an. Der Leopard 52 lässt sich zwar sauber auf Kurs halten, doch das Steuern bereitet wenig Freude.
Eine Selbstwendefock wird auch als Option nicht angeboten, es bleibt bei der überlappenden Genua. Trotzdem gehen die Manöver und das Trimmen leicht von der Hand. Dabei helfen die drei großen und kräftigen Winschen im Cockpit sowie das durchdacht angeordnete Layout aller Beschläge. Angesichts der hohen Lasten auf den Schoten des sportlichen Segelplans sind elektrische Winschen aber zu empfehlen.
Ein Traveller für die Großschot ist bei Leopard nicht erhältlich. Laut Werftvertretern wären dafür umfangreiche Strukturverstärkungen im Dach erforderlich, was zu zusätzlichem Gewicht führen würde. Stattdessen ist der Katamaran mit zwei getrennten Taljenzügen ausgerüstet, mit denen das Großsegel sehr effizient getrimmt werden kann. Allerdings ist der Aufwand beim Handling ungleich höher als mit Traveller, da für einen optimalen Trimm beide Schotzüge nach jedem Manöver erneut nachgestellt werden müssen.
Der Aluminium-Mast kommt von Hersteller Z-Spars. Der Satz einfache Dacron-Segel (durchgelattetes Groß und Genua) ist im Grundpreis enthalten. Ein größeres Großsegel mit Squarehead-Design oder Performance-Segel aus Laminat sind optional erhältlich, auch der Bugspriet für Gennaker oder Code Zero.
Im zweiten Teil geht es um die neuen Layoutvarianten, die Qualität des Ausbaus, die Technik an Bord sowie die Preisposition des Leopard 52.
Beschreitet der Leopard 52 genau den richtigen Weg für moderne Fahrtenkatamarane oder geht beim Fokus auf Raum und Komfort seglerischer Charakter verloren? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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