Fountaine Pajot baut seine Modellpalette weiter um und schickt mit der FP 55 einen neuen Fahrtenkatamaran in die obere Mittelklasse. In der Funktion übernimmt der FP 55 auch die Schnittstelle im Übergang zum gehobenen Yacht-Programm von Fountaine Pajot mit den Modellen Samana 59 und den größeren Modellen, vom FP 70 bis zum erst kürzlich präsentierten FP 120, der 2028 schwimmen soll.
Beim Innenausbau setzt die Werft auf Variabilität. Vorgesehen sind eine Maestro-Version mit Eignersuite und vier Gästekabinen, eine Double-Maestro-Version mit zwei Suiten und zwei weiteren Kabinen sowie eine Charter-Version mit insgesamt sechs Doppelkabinen. Dabei verfügen alle Kabinen über eine eigene Nasszelle mit separatem Duschbereich. Unabhängig vom gewählten Layout sind zudem stets zwei separate Crewkabinen mit eigenen Nasszellen in den Vorschiffen eingeplant. Das ist ein klares Signal in Richtung gehobener Service- und Charteransprüche. Die möglichen Layoutvarianten sind oben in der Galerie abgebildet
In Sachen Technik spielt das Thema Energieautarkie eine zentrale Rolle. Die FP 55 trägt laut Fountaine Pajot-Händler Matthias Ebert 6300 Watt Solarleistung, aufgeteilt auf 3800 Watt auf dem Dach und 2500 Watt auf dem Hardtop. Der Aufpreis liegt bei 48.000 Euro. Optional gibt es den Katamaran auch mit diesel-elektrischem Antrieb. Das Paket ODSea+ umfasst zwei Elektromotoren mit je 50 kW Leistung, einen 38-kW-Generator, 38 kWh Batteriekapazität sowie Hydrogeneration. In der Standardversion kommen zwei 80-PS-Diesel zum Einsatz, optional sind 110 PS erhältlich.
Im Vergleich zur kleineren Schwester Fountaine Pajot 51 unterscheiden sich Cockpit, Decksaufteilung und Flybridge merklich. Ein wichtiger Punkt ist die Führung des Großbaums: Bei der 55 verläuft er oberhalb des Hardtops und damit nicht direkt über dem Aufenthaltsbereich der Flybridge. Das sorgt für zusätzliche Sicherheit an Deck.
Auch die Ausstattung der Flybridge fällt umfangreicher aus. Kühlschrank, Grill und weitere Pantry-Elemente können dort integriert werden. Das vordere Cockpit ist nicht mehr in ein Trampolinnetz eingebettet, sondern als tiefer gelegter, fester GFK-Bereich ausgeführt. Dadurch entsteht ein geschützter zusätzlicher Aufenthaltsplatz.
Ein weiteres entscheidendes Merkmal ist der direkte Durchgang vom Salon in das vordere Cockpit. Dieses Layout wird erst ab 55 Fuß Länge angeboten.
Besonders auffällig ist das großzügige Raumangebot. Große Fensterflächen und die offene Gestaltung verleihen dem Salon beinahe Loftcharakter. Die Sitzgruppe ist vollständig U-förmig angelegt. Dadurch sitzen die Gäste nicht mehr, wie bei der FP51 über Eck verteilt, sondern können gemeinsam am Tisch Platz nehmen und haben zugleich freie Sicht auf den Fernseher. Mit der Tischverlängerung sollen bis zu zehn Personen am Esstisch Platz finden. Die tropfenförmig gestalteten Polster und Sitzflächen nutzen den vorhandenen Raum effizient.
Die Pantry befindet sich bei der FP 55 grundsätzlich oben im Salon. Ein „Galley down“-Layout mit separater Küche im Rumpf, wie es bei noch größeren Kats möglich ist, wird für dieses Modell nicht angeboten. Wird das Boot mit Crew betrieben, kocht diese somit im gemeinsamen Wohnbereich.
Zur möglichen Ausstattung zählen:
Anstelle eines klassischen Kartentisches besitzt die FP 55 eine kompakte Navigationskonsole. Die Reiseplanung erfolgt zunehmend digital, beispielsweise auf einem Tablet, und wird anschließend auf die Plotter übertragen. Wichtige Daten und Systeme lassen sich im Salon überwachen. Auch der Autopilot kann von dort aus bedient werden. Der Kommandogeber und bleiben allerdings am eigentlichen Steuerstand.
Zur Unterstützung bei Hafenmanövern kann ein Side-Power-Bugstrahlruder eingebaut werden. Es ist zwar nicht zwingend notwendig, kann aber insbesondere bei kleiner Crew hilfreich sein – etwa beim Ablegen von einer Tankstelle. Hinzu kommen digitale Motorsteuerungen für die Yanmar-Motoren.
Das Kabinenkonzept bietet verschiedene Möglichkeiten für Eigner, Gäste und Crew. Eine der hinteren Kabinen ist direkt von außen zugänglich und vom übrigen Innenbereich getrennt. Sie verfügt über eigenes Bad und kann beispielsweise vom Kapitän genutzt werden, ohne dass dieser regelmäßig die privaten Wohnbereiche durchqueren muss.
Bei entsprechender Aufteilung bleiben bis zu acht Schlafplätze für Gäste erhalten. Zusätzlich gibt es im Vorschiffsbereich eine Crewkabine.
Die Eignerkabine im Backbordrumpf fällt außergewöhnlich geräumig aus und nimmt zwei Drittel des gesamten Rumpfes in Beschlag. Zu ihrer Ausstattung gehören unter anderem:
Mit ihrem Platzangebot und den unterschiedlichen Unterbringungsmöglichkeiten eignet sich die FP 55 auch für ausgedehnte Reisen bis hin zu langen Blauwassertörns.
Die Klimaanlage gehört zur Standardausstattung. Angesichts hoher Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit in vielen Mittelmeerregionen ist sie inzwischen für viele Eigner und Chartergäste eine Voraussetzung für komfortables Leben an Bord. Positiv fällt außerdem die gute technische Zugänglichkeit auf. Komponenten der Klimaanlage lassen sich erreichen, ohne zunächst große Teile der Kabineneinrichtung oder das gesamte Bett demontieren zu müssen. Das erleichtert Wartungs- und Reparaturarbeiten erheblich.
Eine Besonderheit sind die neuen Oberflächen im Holzlook. Dabei handelt es sich nicht um klassisches Echtholz, sondern um ein widerstandsfähiges Kunststoffmaterial mit Holz-Haptik. Das Material soll deutlich unempfindlicher gegenüber Kratzern und Gebrauchsspuren sein und eignet sich damit perfekt für den Einsatz im Chartermarkt. Die robusten Oberflächen sollen dafür sorgen, dass die Einrichtung auch nach vier oder fünf Charterjahren noch einen gepflegten Eindruck vermittelt. Künftig sollen auch weitere Modelle der Baureihe mit diesem Material ausgestattet werden.
Der Startpreis der FP 55 liegt bei
Für die FP 55 wurde eine Lieferzeit bis Juli 2027 genannt. Die jährliche Produktion soll bei etwa 22 bis 23 Exemplaren liegen.
Die Fountaine Pajot 55 verbindet die noch vergleichsweise handhabbare Größe mit zahlreichen Merkmalen größerer Fahrtenkatamarane aus dem Luxussegment. Dazu gehören der direkte Durchgang zum Vorschiff, die umfangreich ausgestattete Flybridge, großzügige Kabinen, viel Kühl- und Stauraum sowie die außergewöhnlich offene Salongestaltung.
Ihre Grenzen gegenüber der Yacht-Linie liegen vor allem in der fehlenden separaten Crewküche und der weniger konsequenten Trennung von Crew- und Eignerbereichen. Dafür bietet sie sehr viel Platz auf 55 Fuß und kann je nach Konfiguration sowohl privat mit kleiner Besatzung als auch mit professioneller Crew gefahren werden.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv
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