Das Vorgängermodell, die Sun Odyssey 380, war zur Saison 2022 vorgestellt worden. Im YACHT-Test überzeugte die Konstruktion von Marc Lombard mit ausgewogenen Segeleigenschaften, guten Leistungen am Wind, einem variantenreichen Angebot und dem für Jeanneau typischen Walkaround-Cockpit. Das Konzept bringt jedoch auch einen Kompromiss mit sich: Die seitlich abgesenkten Gangborde benötigen Platz und schränken dadurch den Bewegungsraum hinter den beiden Steuerrädern ein.
Genau dort setzt Jeanneau mit der Überarbeitung an. Für die neue Sun Odyssey 385 haben die Konstrukteure die Rumpfformen im hinteren Bereich verändert. Die maximale Breite wird weiter nach achtern geführt, sodass die Sitzflächen an den Steuerständen rund acht Zentimeter breiter ausfallen. Gleichzeitig sind die Freiborde im hinteren Bereich jetzt leicht konkav geformt, wie bei den größeren Modellen Sun Odyssey 415 und 455 auch. Das lässt das Heck nicht nur markanter und moderner erscheinen, sondern schafft vor allem mehr Bewegungsfreiheit für den Rudergänger. Das Walkaround-Cockpit bleibt als charakteristisches Merkmal der Baureihe natürlich auch für das neue Schiff erhalten. Die seitlichen Gangborde führen weiterhin ohne Stufen aus dem Cockpit auf das Vordeck.
Am grundsätzlichen Deckslayout ändert sich wenig. Die Bereiche für Steuerung und Segelhandling sind achtern konzentriert, während der vordere Teil des Cockpits der Crew vorbehalten bleibt. Hohe Rückenlehnen sollen unterwegs sicheren Halt bieten und vor Anker den Sitzkomfort verbessern. Das Rigg kommt weiterhin ohne Achterstag aus. Dadurch bleiben die Wege rund um die Steuerstände und nach vorn frei.
Jeanneau und Marc Lombard Yacht Design haben auch den Segelplan überarbeitet. Der Mast wird gegenüber der Sun Odyssey 380 um mehr als 25 Zentimeter verlängert, die Fläche des Großsegels wächst um über zwei Quadratmeter. Als Vorsegel ist weiterhin eine überlappende Genua vorgesehen. Eine Selbstwendefock bietet die Werft als Option an.
Auch beim Kielangebot bleibt die Sun Odyssey 385 vielseitig. Für die Festkielversionen stehen ein Standardkiel (2,00 Meter) und ein Kurzkiel (1,56 Meter) zur Verfügung. Zusätzlich bleibt der bereits von der Sun Odyssey 380 bekannte Schwenkkiel im Programm. Mit ihm lässt sich der Tiefgang über eine Hydraulik deutlich von maximal 2,70 Meter auf nur 1,29 Meter reduzieren. In Verbindung mit den beiden Ruderblättern kann das Boot mit Schwenkkiel und zusätzlichen Wattstützen auch trockenfallen.
Unter Deck bleibt das grundsätzliche Layoutkonzept des Vorgängermodells ebenfalls erhalten. Angeboten werden Versionen mit zwei oder drei Doppelkabinen und einer Nasszelle. Optional kann im Vorschiff eine zweite Nasszelle eingebaut werden. Beim Zweikabiner ersetzt eine große Backskiste die zweite Achterkabine. Für diese Variante ist zudem eine größere Nasszelle mit einem abgetrennten Duschbereich erhältlich. Insgesamt ergeben sich damit vier unterschiedliche Ausbauvarianten. Die Layouts sind oben in der Galerie abgebildet.
Neu geordnet hat Jeanneau die Sofazeile auf der Steuerbordseite des Salons. Zwei einander gegenüberliegende Sitzplätze rahmen dort ein zentrales Möbel ein. Dieses kann je nach Bedarf als kleiner Kaffee- oder Ablagetisch sowie als Navigation genutzt werden. Dabei können zwei Personen von beiden Seiten am Kartentisch sitzen. Abgerundete Ecken an den Möbeln, ein freier Durchgang durch den Salon und bis ins Vorschiff reichende Handläufe sollen die Bewegungen unter Deck erleichtern. Speziell: Im Vorschiff ist die fast rechteckige Doppelkoje schräg seitlich in den Raum gebaut. Diese Anordnung erleichtert die Zugänge zur Liegefläche und macht es möglich, im Vorschiff eine zweite Nasszelle in vernünftiger Größe zu realisieren.
Das erste Schiff vom neuen Typ Sun Odyssey 385 befindet sich offenbar im Bau. Die Baunummer eins soll schon im November für erste Tests zur Verfügung stehen. Bei der Produktpräsentation in Cannes nennt die Werft auch eine erste Preiseinordnung zur Markteinführung. Auf jeden Fall soll der Grundpreis unter der Marke von 200.000 Euro bleiben. Zur Premiere im Januar 2027 auf der Messe boot in Düsseldorf soll das Boot für einen Basispreis von 199.900 Euro netto inklusive der Segel angeboten werden. Der Bruttopreis einschließlich 19 Prozent Mehrwertsteuer liegt demnach bei 237.880 Euro.

Redakteur Test & Technik
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