Beim Innenausbau folgt Jeanneau dem in dieser Größenklasse üblichen Raster. Im Mittelpunkt der Ausrichtung steht die Eignerversion mit einer sehr großzügigen Vorschiffkabine im Vorschiff, zwei Achterkabinen und insgesamt zwei Bädern. Für den Chartermarkt gibt es die 455 alternativ mit vier Kabinen und vier Nasszellen. Diese Varianz ist klassentypisch. Jeanneau bietet sogar einen Ausbau mit fünf Kammern an, bei dem anstelle der achteren Nasszelle ein kleiner Raum mit Pullman-Kojen eingebaut wird. In der Praxis dürfte sich dieseVersion aber kaum durchsetzen; sie ist bisher noch nie bestellt worden.
Highlight unter Deck ist die große Pantry in U-Form. Sie fällt für diese Klasse ungewöhnlich üppig aus, bietet mehr Arbeitsfläche als viele Konkurrenzmodelle und überzeugt mit gut nutzbaren Stauräumen. Durch die U-Form kann man sich auch auf See gut abstützen. Außerdem bietet sie Platz für optionale Kühl- und Tiefkühlkomponenten.
Was unter Deck fehlt, sind solide Handläufe an der Decke. Zwar bieten die hochgezogenen Randleisten an Pantry und Navigation gut nutzbare Festhaltemöglichkeiten. Doch der Salon ist offen gestaltet, die Wege sind breit. Wer sich bei Krängung und Seegang durch den Raum bewegt, braucht zusätzliche Griffpunkte über dem Kopf.
Bezüglich der Ausbauqualität fällt der Eindruck insgesamt positiv aus. Jeanneau hat bei den Möbelkomponenten sichtbar nachgebessert. Die Stirnseiten von Kastentüren und Stauraumdeckeln zum Beispiel sind nicht mehr nur mit dünnem Holzfurnier belegt, sondern mit einer harten und widerstandsfähigen Laminatleiste versehen. Damit soll das bekannte Problem abplatzender Kanten und Furniere entschärft werden. Auch die Bodenbretter fallen robuster aus als bisher und sind jetzt neu durchgängig mit dem Bodenlager verschraubt. Zwar sind damit die Spaltmaße etwas größer, dafür liegen die Bretter fest im Boot und verursachen kein störendes Knarzen mehr.
Preislich muss sich die Sun Odyssey 455 dem direkten Vergleich stellen. Das Wettbewerbsumfeld ist klar umrissen: In dieser Klasse trifft Jeanneau auf Bavaria, Beneteau, Dufour und Hanse. Das Preisgefüge der fünf großen Serienwerften liegt eng beieinander. Größere Ausreißer nach oben oder unten gibt es kaum. Mit 420.000 Euro Grundpreis positioniert sich die 455 dennoch eher am oberen Rand.
Ganz isoliert sollte man diese Zahl allerdings nicht betrachten. Jeanneau liefert die 455 bereits in der Grundausstattung mit einem vergleichsweise hochwertigen und vollständigen Paket aus. Dazu gehören eine solide dimensionierte Decksausrüstung, gut platzierte und ausreichend große Winschen sowie ein Beschlagslayout, das nicht erst durch zahlreiche Zusatzoptionen praxistauglich wird. Die 455 ist damit nicht das billigste Angebot ihrer Klasse, wirkt aber in der Serienausstattung insgesamt stimmig kalkuliert.
Die Sun Odyssey 455 führt die bewährte Jeanneau-Formel schlüssig weiter: viel Platz an und unter Deck, ein innovatives Cockpitdesign, gute Stauraumlösungen und spürbare Fortschritte beim Ausbau. Kleine Mängel bleiben dennoch und der YACHT-Test ist wegen Leichtwind und technischen Problemem beim Testschiff nur bedingt aussagekräftig. Trotzdem überzeugt die 455 als neues Flaggschiff der Sun-Odyssey-Reihe mit einem runden, praxisnahen Fahrtenkonzept.
Im ersten Teil vom Test Sun Odyssey 455 vom exklusiven Test in Südfrankreich ist es um die Segeleigenschaften, um das Konzept, um die Konstruktion sowie um die Segeleigenschaften gegangen. Der Artikel ist am vergangenen Freitag, 5. Juni bei YACHT online erschienen. Hier ist der Link dazu.
Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier
Chantiers Jeanneau, 85500 Les Herbiers (Frankreich) / www.jeanneau.com/d
Internationales Händlernetz / www.jeanneau.com/contact
Konsequenter Konzeptumsatz
Linientreue Optik
Innovatives Walkaround-Cockpit
Fehlende Handläufe innen
Sehr gute Trimmbarkeit
Einhandtaugliches Cockpitlayout
Schlechte Abstimmung der Ruderanlage beim Testboot
Große und funktionale Pantry
Viele gut nutzbaren Stauräume
Großzügig geplante Nasszellen
Ordentliches Großserien-Finish
Hochwertige Decksausstattung
Wandelbares Riggkonzept
Steuerung sehr gut erreichbar
Zwei Tische im Cockpit
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Redakteur Test & Technik