Kaum eine andere Marke im Yachtbau polarisiert so verlässlich wie Puffin Yachts. Das liegt zunächst an der markanten, eigenständigen Optik, vor allem aber auch am sehr ausgefallenen Konzept der niederländischen Marke. Die Yachten der Puffin-Reihe suchen nicht den gefälligen Mittelweg, sie bestehen vielmehr auf Eigenständigkeit, sie wirken optisch wuchtig, stark und eigenwillig. Und sie sind an Besonderheiten wahrlich kaum zu übertreffen. Man kann sie mögen, weil sie so sehr anders sind. Oder gerade deshalb nicht.
Hinter Puffin Yachts steht Olivier van Meer, Inhaber der Marke und zugleich Konstrukteur ihrer Entwürfe. Seit den Neunzigerjahren sind unter dem Namen Puffin rund 75 Yachten entstanden, vom kompakten Fahrtenboot bis zur luxuriösen Langfahrtyacht im XXL-Format. Gemeinsam ist ihnen weniger eine bestimmte Größe als vielmehr die einheitliche Ausrichtung als Bermuda-Kutter.
Typisch für die Entwürfe von Olivier van Meer sind die ausgeprägten Tumblehome-Rümpfe mit ihren achtern stark eingezogenen Freiborden und das herzförmige, positive Yachtheck. Auch das prägnante Deckshaus mit den markentypischen Fenstern sowie der voluminöse Rumpf mit seinem hochgezogenen senkrechten Steven und dem deutlich sichtbaren Deckssprung prägen die Optik. Die optische Anmutung ist auffällig, gleichermaßen ansprechend und zitiert in besonderer Weise den klassischen niederländischen Yachtbau. Eine gelungene Mischung aus traditionellen Plattbodenbooten und modernen Hochseeyachten.
Bisher sind die Yachten der Marke Puffin weitgehend als Einzelbauten nach den Vorstellungen ihrer Eigner entstanden. Mit einem neuen Linien-Konzept setzt Puffin heute vielmehr auf eine semi-serielle Herangehensweise mit drei mehr oder weniger fest definierten Modellen: der Puffin 42, Puffin 50 und Puffin 58. Innerhalb dieser vorgegebenen Plattformen bleiben umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten natürlich weiterhin erhalten, bei der Ausrüstung an Deck sowie vor allem beim Ausbau. Soweit konstruktiv und baulich umsetzbar, kann und will die Werft auch künftig möglichst alle Sonderwünsche der Käufer berücksichtigen und umsetzen.
Gebaut wird die Puffin 42 in Lizenz bei VMG Yachtbuilders in Enkhuizen, also in unmittelbarer Nähe zum Konstruktionsbüro von Olivier van Meer. Der Rumpf entsteht aus seewasserbeständigem Aluminium, geschweißt im Rundspant über einem tragenden Gerüst aus Spanten und Stringern. Damit folgt die Konstruktion dem Anspruch, der seit jeher hinter der Marke Puffin steht: maximale strukturelle Robustheit, hohe Reparaturfreundlichkeit und Eignung für anspruchsvolle Seereisen, zum Beispiel auch ins Eismeer. Oberhalb der Wasserlinie wird ein geschlossenzelliger Isolationsschaum eingespritzt – ein aufwendiges Verfahren, welches sämtliche Hohlräume füllt und damit alle Kältebrücken eliminieren soll.
Insgesamt drei durchgehende Schottwände trennen die Puffin 42 in vier voneinander separierte Bereiche: Achterpiek, Maschinenraum, Wohnzelle und Vorpiek. Im Fall eines Wassereinbruchs wäre damit die Unsinkbarkeit der Yacht garantiert. Selten ist zudem die Flexibilität in der Bauausführung: VMG Yachtbuilders kann die Yachten von Puffin auf Wunsch auch in GFK laminieren, so wie bereits die 2017 von der YACHT getestete Puffin 37. Auch eine Ausführung mit Rumpf und Deck aus Stahl wäre grundsätzlich möglich, würde dann allerdings nicht mehr von VMG, sondern einem spezialisierten Zulieferbetrieb realisiert.
Rund 85 Prozent aller bislang gebauten Puffins sind nach Werftangabe als Langkieler mit integriertem Ballastschwert entstanden. Bei der Puffin 42 wiegt das Schwert etwa 600 Kilogramm und dient damit nicht nur als variable Lateralfläche, sondern auch als Ballastträger. Für zusätzlich aufrichtendes Moment werden rund vier Tonnen Blei in isolierten Behältern tief in der Bilge eingepasst. In der Ausführung mit Integral-Ballastschwert ist ein am Skeg geführtes, ebenfalls aufholbares Ruderblatt vorgesehen. Damit bleibt das Boot mit einer Tiefgangvarianz von 1,27 bis 2,73 Meter trockenfalltauglich, was für dem Einsatz in anspruchsvollen Revieren stets ein wichtiges Thema ist.
Alternativ kann die Werft die Puffin 42 auch mit Festkiel bauen. Der Tiefgang beträgt dann 2,20 Meter. Der Kiel wird nicht angeflanscht, sondern als vorerst hohle Aluminiumkonstruktion fest mit dem Rumpf verschweißt. Später in der Bauphase wird der Hohlraum mit Blei ausgegossen und versiegelt. Der Ballast liegt damit vollständig eingekapselt in der Rumpfstruktur, womit auch die gefürchtete Elektrolyse kein Thema sein sollte. Mit dem Festkiel ändert sich auch das Ruderarrangement: Statt des aufholbaren, skeggeführten Blattes kommt ein modernes freistehendes und vorbalanciertes Ruderprofil zum Einsatz.
Im zweiten Teil geht es um den Test auf dem IJsselmeer, die überraschend guten Fahrleistungen und den Eindruck unter Deck.
Konstruktion aus seewasserbeständigem Aluminium (6 –15 mm Materialstärke). Rumpf im S-Spant geschweißt über einem Gerüst von Spanten und Stringern.
Beim Testboot ist ein Vierzylinder-Common-Rail-Diesel von Hersteller Yanmar (4JH80) mit Wellenantrieb und Fünfblatt-Verstellpropeller verbaut. Der Kunde kann den Hersteller und die Leistung der Einbaumaschine selbst wählen.
Ist genau diese kompromisslose Eigenständigkeit die größte Stärke der Puffin 42 oder schon der Punkt, an dem sie für viele Segler zu speziell wird? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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