Der YACHT-Test findet auf dem IJsselmeer vor Enkhuizen statt, dem Heimathafen von Werft und Konstrukteur. Die Bedingungen passen zum Boot. Solide 5 Beaufort stehen über dem Revier, dazu ziehen auch kräftigere Drücker durch. Allerdings fehlt bei ablandigem Wind die Welle, Aussagen zum Verhalten im Seegang bleiben damit offen.
Unter Kuttertakelung kommt die Puffin 42 dennoch sofort und überzeugend in Fahrt. Mit ausgerollter Genua, gesetzter Fock und einfach gerefftem Groß pflügt der 16 Tonnen schwere Bermuda-Kutter auf halbem Wind mit soliden 8,5 Knoten durch das untiefe Gewässer.
Auch gegenan überrascht die Van-Meer-Konstruktion mit soliden Segelleistungen. Immerhin stehen auf einem Kurs von 50 Grad zum wahren Wind immer noch 6,8 Knoten auf der Logge – ein sehr respektabler Wert für eine voluminöse Fahrtenyacht mit hoher Verdrängung. Mit der Fock allein kann die Puffin 42 etwas mehr Höhe laufen. Wer versucht zu kneifen wird sofort mit deutlichem Fahrtverlust bestraft. Die Puffin 42 mag es, voll und mit Durchzug gesegelt zu werden. Dann läuft sie stark, ruhig und mit jener gelassenen Kraft, die man von einem Boot dieser Art erwarten kann.
Trotz der guten Leistungswerte zeigte das Testboot beim Probeschlag auch einen Schwachpunkt: Auf der Radsteuerung liegt ungewöhnlich viel Ruderdruck. Bei größerer Krängung ist die Puffin 42 deshalb nur mit erheblichem Kraftaufwand auf Kurs zu halten. Ein Umstand, der nicht nur den Steuermann fordert, sondern auch den Autopiloten stärker beansprucht und auf längeren Strecken an den Energiereserven knabbert. Bald wird aber klar: Ursache für den hohen Ruderdruck ist eine fehlerhafte Abstimmung der kardanischen Steuerung von Jefa. Die Hebelgeometrie vom Winkelgetriebe auf den Quadranten war beim Testboot zu direkt eingestellt. Nach aktuellen Informationen der Werft ist die Steuerung inzwischen neu justiert und die Lenkgeometrie verändert worden; das Boot soll sich jetzt sehr deutlich leichter steuern und kontrollieren lassen.
Das Cockpit der Puffin 42 ist vergleichsweise kurz und bietet nur begrenzt Bewegungsfreiheiten für Steuermann und Crew. Mit mehreren Personen wird es schnell eng. Auch ist der Steuerstand sehr weit achtern positioniert. Der Rudergänger hat dadurch nur wenig Platz in seinem Arbeitsbereich und muss sich um eine entspannte Sitzposition bemühen. Andererseits bietet das komprimierte Cockpitlayout mit der tiefen Plicht genau jene Sicherheit, welche für eine lange Seereise gewünscht wird. Das passt dann zum Anspruch als Blauwasser-Kreuzer mit großen Reserven in puncto Schutz und Geborgenheit.
Unter Deck zeigt sich die Puffin 42 mit einer klaren Zweiteilung. Der Deckssalon mit der großen Sitzgruppe und der Navigation liegt erhöht und bietet den für ein Seeboot dieser Machart den gewünschten Ausblick rundherum. Die eigentliche Wohnzelle ist nach vorne tiefer im Schiff angeordnet. Trotz der unterschiedlichen Höhen wirken die beiden Bereiche aber nicht strikt voneinander getrennt wie bei manchen anderen Yachten mit Deckssalon. Vielmehr gehen sie funktional ineinander über.
Dank der Aluminium-Bauweise kann die Werft innerhalb der konstruktiven Grenzen flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Das Layout beim Testboot ist deshalb nur eine von vielen möglichen Ausführungen. Grundsätzlich folgt das Konzept aber einer für echte Deckssalon- und Pilothouse-Yachten dieser Größe typischen Anordnung mit einer großzügigen Doppelkabine im Vorschiff und einer Mittelkabine, die seitlich weit unter den erhöhten Salon geschoben ist. Beim Testboot ist die Nasszelle in zwei separate Räume mit WC und Dusche aufgeteilt, was dem dezidierten Wunsch des Eigners entspricht und gleichzeitig auch einem aktuellen Trend bei der Planung von Fahrtenyachten über 40 Fuß Länge.
Bemerkenswert ist die gute Qualität des Innenausbaus. Die Verarbeitung scheint bis ins kleinste Detail sorgfältig und sehr hochwertig ausgeführt. Oberflächen, Kanten, Beschläge und Schließmechanismen vermitteln einen sehr robusten und auf eine harte Beanspruchung ausgelegten Eindruck. Auf unnötigen Schnickschnack und dekorative Effekte verzichtet das pragmatische Blauwasser-Konzept.
Die hohe Ausbauqualität setzt sich in der Bordtechnik fort. Was sonst oft hinter Verkleidungen verschwindet, ist auf der Puffin 42 sauber, logisch und für den Eigner nachvollziehbar installiert. Fast alle zentralen technischen Komponenten sind in der großen Backskiste zusammengeführt und dort perfekt zugänglich. Der Einbaudiesel von Yanmar mit 80 PS Leistung ruht unter dem Deckshaus. Dort lassen sich Teile der Sitzgruppe und des Bodens durch ausgeklügelte Mechanismen ohne viel Aufwand hochklappen. Das eröffnet maximal gute Zugänglichkeit zur Maschine und zum Wellenantrieb. Klasse!
Eine typische Preisliste gibt es für die Puffin 42 nicht. Zu individuell sind Bauweise, Ausstattung und Ausbau. Als Orientierung nennt die Werft einen Grundpreis von 1,4 Millionen Euro netto oder rund 1,66 Millionen Euro brutto inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Klar, das ist im Vergleich sehr viel Geld, relativiert sich aber nicht nur durch die aufwendige Bauweise, sondern auch durch die sehr umfangreiche Ausstattung. So sind in den Typenspezifikationen bereits jene Einzelposten enthalten, welche die YACHT üblicherweise bis zum segelfertigen Preis und zum Komfortpreis addiert.
Die Puffin 42 ist ein Boot mit klarer Haltung. Schwer, stark, eigenwillig und technisch aufwendig gebaut, entzieht sie sich dem schnellen Vergleich mit konventionellen Serienyachten. Wer Substanz, Individualität und echte Langfahrtreserven höher bewertet als modische Leichtigkeit, findet in ihr ein außergewöhnliches Blauwasserschiff mit viel Charakter.
Stand 2026, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!
Wer ein robustes Boot für eine anspruchsvolle Seereise sucht, findet in der Puffin 42 ein sehr interessantes und ebenso ungewöhnliches Angebot. Auch die Qualität überzeugt.
Sehr robuste Bauweise
Extrem hohe Individualität
Wenig Platz im Cockpit
Überraschend starke Leistung
Einhandtaugliches Handling
Viel Ruderdruck beim Testboot
Schön gemachter Innenausbau
Reichlich Stauräume
Hohe Ausbauqualität
Umfangreiche Ausstattung
Tadellos installierte Technik
Variable Rumpfanhänge
Den Umfang und die Qualität der Segelgarderobe legt der Eigner fest. Ein Satz hochwertige und robuste Fahrtensegel mit Groß, Genua und Stagfock gehört aber bereits zur Grundausstattung ab Werft.
Puffin Yachts, 1601 Enkhuizen (Holland); www.puffin.nl
VMG Yachtbuilders, 1601 Enkhuizen; www.vmgyachtbuilders.nl
Äußerst vielseitiges Blauwasserboot aus Frankreich. Gebaut werden die Boote der bekannten Ovni-Reihe komplett aus Aluminium, mit Integral-Schwenkkiel. Auch der Innenausbau ist weitgehend individualisierbar. Hier lesen Sie den Test.
Die sportive Aluminium-Konstruktion kommt aus der neuen Werft Pure Yachts in Kiel. Das ideenreiche Konzept und die gute Bauausführung haben dem Boot den Titel als Europas Yacht des Jahres 2026 eingebracht. Den Test lesen Sie hier.
Spannende Bereicherung für den Markt robuster Fahrten für die langen Schläge. Das leistungsstarke Boot wird von der Berliner Werft Viator Marine aus Aluminium gebaut und mit einem Hubkiel ausgestattet.
Mit ihrem markanten Steuerhaus, dem ausgeprägten Deckssprung und der Kuttertakelung kommt sie optisch der Puffin am nächsten. Das Boot wird aber aus GFK gebaut, von der Werft MFH in Emden.
Ist die Puffin 42 genau die richtige Antwort auf lange Reisen fern vom Mainstream oder ist der Preis für so viel Individualität am Ende zu hoch? Schreiben Sie es in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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