Oceanis 52Leistungsstarkes Fahrtenschiff mit Blauwasser-Ambitionen im Test

Michael Good

 · 31.01.2026

Kolossale Formen, guter Zug: Bei Wind zeigt die große Oceanis viel Dynamik. Beim Testboot hilft dabei die Performance-Ausstattung.
Foto: Andreas Lindlahr
Die neue Oceanis 52 von Marktführer Beneteau koppelt starke Segeleigenschaften, eine wertige Ausstattung und eine hohe Individualität in optimaler Weise.

​Dass ausgerechnet große und teure Yachten in wirtschaftlich angespannten Zeiten starken Absatz finden, wirkt zunächst widersprüchlich – ist aber Realität. Die führenden Serienhersteller treiben ihre Programme konsequent in das gehobene Segment von 50 Fuß Länge und mehr. Sie haben in jüngster Zeit auch wieder intensiver im Luxussektor entwickelt und den Markt mit einer neuen Generationen von attraktiven, einfallsreichen und wandlungsfähigen Yachten bereichert.


Mehr von der Werft:


Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist die neue Oceanis 52 von Beneteau. Das aktuelle Flaggschiff der Fahrtenreihe tritt die Nachfolge der Oceanis 51.1 an – eines der größten Verkaufserfolge des Branchenprimus. Mehr als 420 Einheiten sind in acht Jahren Bauzeit vom Band gelaufen, ein bemerkenswerter Ausstoß für ein Boot dieser Größenklasse. An diese Erfolgsgeschichte soll die neue 52er nun anknüpfen. Die Voraussetzungen dafür scheinen günstig: Schon kurz nach der Markteinführung sind über 40 Boote fest bestellt.

Für den Entwurf zeichnet Roberto Biscontini Yacht Design verantwortlich. Zusammen mit Landsmann Lorenzo Argento hat der Italiener bei Beneteau zuletzt sowohl die luxuriösen Fahrtenyachten wie die Oceanis Yacht 54 und Oceanis Yacht 60 als auch die deutlich sportlicher positionierten First 44 und First 53 entwickelt. Diese Doppelrolle zwischen Komfort- und Performance prägt nun auch das Konzept, die Optik und die Konstruktion der neuen Oceanis 52. Sie positioniert sich in der Schnittmenge aus Cruising, Sport und Luxus und soll je nach Anspruch und Nutzung stimmige Kompromisse eingehen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Zentraler Baustein dieses bewusst offen angelegten Konzepts ist die große Wandelbarkeit. Besonders deutlich wird dieser Ansatz beim Rigg. Serienmäßig wird die 52er mit Rollmast und Selbstwendefock ausgeliefert – eine auf einfache Handhabung und entspanntes Reisen ausgelegte Konfiguration, die sich auch für den Charterbetrieb eignet. Alternativ stehen ein klassischer Mast mit teilweise durchgelattetem Großsegel sowie auf Wunsch eine überlappende Genua zur Wahl. Wer den sportlichen Anspruch weiter schärfen möchte, entscheidet sich für das Performance-Rigg. Für alle Varianten sind sowohl Dacron- als auch hochwertige Laminatsegel erhältlich.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Messwerte der Oceanis 52

Bild 1

Das Testboot, die Baunummer eins, ist ebenfalls mit dem optionalen Performance-Paket „First Line“ ausgestattet. Der fast zwei Meter höhere Dreisalingmast trägt knapp 50 Quadratmeter mehr Segelfläche als die Standardversion – ein Plus von 52 Prozent. Entsprechend steigt die Segeltragzahl von 4,0 auf rund 4,9 und markiert damit bereits den Übergang vom klassischen Fahrtenboot zum Performance-Cruiser.

Handling unter Segeln

Dass sich die Französin in dieser Doppelrolle wohlfühlt, zeigt sie beim Test vor Barcelona, wo die Oceanis 52 für die Wahl zu Europas Yacht des Jahres 2026 antritt. Bei 18 bis 20 Knoten Wind kreuzt der rund 14 Tonnen schwere Cruiser auf einem guten Wendewinkel von etwa 85 Grad mit 7,8 Knoten Fahrt – beachtliche Werte, zumal der Test von rund zwei Metern Welle begleitet wird.

Am Wind segelt die Probandin ausgewogen und zugleich erfreulich steif. Der füllige Biscontini-Rumpf steuert dazu spürbar viel Formstabilität bei – dank flacher Spanten vor allem im achterlichen Rumpfbereich sowie einer ausgeprägten Aufkimmung. Die Krängung bleibt auch bei zunehmendem Druck maßvoll und gut kontrollierbar, trotz eines Ballastanteils von lediglich 23 Prozent in der Bombe des serienmäßigen T-Kiels mit 2,36 Metern Tiefgang. Allerdings geben die zwei Ruderblätter nur wenig Rückmeldung. Das Gefühl am Rad bleibt indifferent, sauberes Steuern am Wind und in der Welle erfordert erhöhte Aufmerksamkeit.

Das Handling stimmt grundsätzlich. Die vielen Schoten, Fallen und Trimmleinen werden ausnahmslos unter Deck bis zu den großen Winschen vor den Steuersäulen umgelenkt. Das erfordert einen überlegten Umgang mit den zahlreichen Funktionen sowie eine gute Manövervorbereitung. Mit etwas Übung und Know-how kommen mit diesem Layout jedoch auch Einhandsegler zurecht. Käufer sollten allerdings die Option auf elektrische Winschen in Betracht ziehen, die Lasten auf den Schoten sind erheblich.

Hinzu kommt die serienmäßige Großschotführung als Hahnepot, die noch vor dem Niedergang auf etwa halber Großbaumlänge angeschlagen ist. Der Kraftaufwand zum Dichtholen und Trimmen des Großsegels ist bei Wind entsprechend hoch und von Hand über die Winsch kaum noch zu bewältigen. Abhilfe kann der optional erhältliche Targabügel über dem Cockpit schaffen. Mit der weiter achtern angeschlagenen Großschotführung wird das Trimmen deutlich effizienter und spürbar kraftschonender. Zudem dient der Targabügel als Basis für eine vergrößerte Sprayhood oder für ein festes Bimini.

​Unter Deck zwei Varianten für zwei Ansprüche

Für den Ausbau geht Beneteau neue Wege. Erstmals definiert die Werft die Basisversion nicht mehr als klassisches Eignerboot, sondern als konsequent auf den Chartereinsatz zugeschnittene Variante. Das Standardlayout verfügt über fünf Kabinen und drei Nasszellen und ist entsprechend auf hohe Belegungszahlen sowie eine dauerhaft anspruchsvolle Nutzung ausgelegt. Dazu passt der bewusst einfach gehaltene Innenausbau. Die Möbel sind überwiegend mit laminierten Oberflächen versehen und verzichten auf aufwendige Holzfurniere. Das wirkt zwar nüchtern und funktional, ist aber widerstandsfähig, pflegeleicht und leicht zu ersetzen – klare Vorteile im Charterbetrieb.

Ganz anders präsentiert sich die als Eignerversion vorgesehene Ausbaustufe wie beim Testschiff. Hier setzt Beneteau auf ein klassisches Drei-Kabinen-Layout mit großzügigen Doppelkabinen und deutlich höherem Qualitätsanspruch. Der Möbelbau fällt wertiger aus, mit sorgfältig verarbeiteten Echtholzfurnieren und merklich mehr Liebe zum Detail. Die Nasszelle im Vorschiff ist räumlich getrennt ausgeführt, mit separatem WC und eigenständigem Duschbereich – ein Komfortmerkmal, das in der gehobenen Längenklasse mittlerweile zum Standard gehört. Hinzu kommt ein sehr großzügig dimensionierter Arbeitsbereich an Backbord, der Navigation und Büro kombiniert.

Preise der Oceanis 52

Ebenso ungewöhnlich wie das Ausbau- und Nutzungskonzept fällt auch die Preisgestaltung der Oceanis 52 aus. Beneteau definiert den Einstieg bewusst über die als Standard ausgelegte Charterversion mit fünf Kabinen, einfachem Laminatausbau und funktionaler Grundausstattung. Diese Variante kostet 529.550 Euro brutto, die Segel sind bereits im Preis enthalten. Wer sich für die hochwertiger ausgeführte Eignerversion entscheidet – mit Drei-Kabinen-Layout, besserer Grundausstattung und gehobenem Holzausbau –, muss einen Aufpreis von 32.725 Euro einkalkulieren. Damit liegt der für den Marktvergleich relevante Basispreis bei 562.275 Euro und positioniert die Oceanis 52 klar im Wettbewerbsumfeld ihrer Klasse.

  • ​Grundpreis ab Werft: 529.550 €
  • Standardausrüstung inklusive: Motor, Segel, Schoten, Reling, Positions­laternen, Batterie, Kom­pass, Segel, Polster, Pantry/Kocher, Lenzpumpe, WC, Feuerlöscher, E-Kühlfach, Fä­kalientank mit Absaugung, Anker mit Kette, Fender/Festmacher 2.770 €, Antifouling 7.520 €, segelklare Übergabe 7.260 €
  • Preis segelfertig: 547.100 €
  • Garantie/gegen Osmose: 2/5 Jahre
  • Aufpreis für Komfort-Ausstattung: Genua-Holepunkte Perf.-Paket; Traveller nicht erhältlich; Elektrische Ankerwinsch inkl.; Rohrkicker inkl.; Achterstagspanner Perf.-Paket; Springklampen inkl.; Sprayhood 7.555 €; Teak im Cockpit 8.260 €; UKW-Funkgerät E-Paket; Logge und Echolot E-Paket Windmessanlage; E-Paket Autopilot E-Paket Elektropaket; E-Paket Elektropaket; Raymarine 17.840 €; Ladegerät inkl.; Landanschl. mit FI-Schalter inkl.; 230-Volt-Steckdosen inkl.; 12-Volt-Steckdose in der Navi inkl.; Heizung 14.280 €; Druckwassersystem inkl., Warmwasserbereiter inkl., Dusche WC-Raum inkl., Cockpitdusche inkl., Komfortpreis  595.035 €
  • Im Preis enthalten: Rollmast, Selbstwendefock, zwei Cockpit-Tische, elektrische Badeplattform mit Badeleiter, Seanapps-System (Fernüberwachung über App), Segellast im Bug.

Stand 2025, wie die ausgewiesenen Preise definiert sind, lesen Sie hier!

Diese Preisstruktur ist zugleich im Kontext der jüngst angekündigten gruppenweiten Preisanpassungen bei Beneteau zu sehen. Im direkten Vergleich zum Vorgängermodell Oceanis 51.1 ist die neue, in vielen Bereichen besser und umfangreicher ausgestattete 52er rund 40.000 Euro günstiger. Auch gegenüber den wichtigsten Wettbewerbern präsentiert sich das Angebot der Franzosen attraktiv.

Mit der Oceanis 52 beschreitet Beneteau konsequent neue Wege. Das flexible Konzept, die ungewöhnliche Trennung zwischen Charter- und Eignerausführung sowie die guten Segeleigenschaften ergeben ein stimmiges Gesamtpaket. Die 52er ist kein Boot für klar definierte Schubladen, aber gerade das macht sie so interessant.


YACHT-Bewertung der Oceanis 52

​Attraktives und leistungsstarkes Fahrtenschiff mit Blauwasser-Ambitionen. Für den Ausbau zeigt sich das Boot wandelbar und trennt gleichzeitig sehr gezielt die Ansprüche von Eignern und denen des Chartermarktes. Diese Vielfalt ist neu.

Konstruktion und Konzept

Wandelbares Konzept

Solide Bauausführung

Konkurrenzfähiger Preis

Viel Platz im Cockpit

Segelleistung und Trimm

Großes Leistungspotenzial

Hohe Varianz beim Rigg

Sportliche Segeleigenschaften

Wenig Steuergefühl

Wohnen und Ausbauqualität

Zwei Ausführungen

Schöne Verarbeitung im Detail

Großzügige Kojenmaße

Lüftung in Nasszellen knapp

Ausrüstung und Technik

Gute Ausstattung an Deck

Bordtechnik sauber installiert

Steuerung ohne Redundanz

Keine Garage für das Dingi


Die Oceanis 52 im Detail

Zwei Varianten für zwei Ansprüche: Die Oceanis 52 gibt es in zwei Versionen – als Charterboot mit fünf Kabinen und drei Nasszellen oder als großzügig geplantes Eignerboot mit drei geräumigen Doppelkabinen und einem geteilten Bad im Vorschiff.Foto: YACHTZwei Varianten für zwei Ansprüche: Die Oceanis 52 gibt es in zwei Versionen – als Charterboot mit fünf Kabinen und drei Nasszellen oder als großzügig geplantes Eignerboot mit drei geräumigen Doppelkabinen und einem geteilten Bad im Vorschiff.

Technische Daten der Oceanis 52

  • Konstrukteur: Roberto Biscontini
  • ​CE-Entwurfskategorie: A
  • Rumpflänge: 15,31 m
  • Gesamtlänge: 16,28 m
  • Wasserlinienlänge: 14,67 m
  • Breite: 4,84 m
  • Tiefgang/alternativ: 2,36/1,92 m
  • Masthöhe über WL: 22,00 m
  • Theor. Rumpfgeschwindigk.: 9,3 kn
  • Gewicht: 14,5 t
  • Ballast/-anteil: 3,4 t/23 %
  • Großsegel: 46,5 m²
  • Selbstwendefock: 47,5 m²
  • Maschine (Yanmar): 81 kW/110 PS
  • Kraftstofftank (Kunststoff): 200 l
  • Frischwassertanks (Kunstst.): 380 l
  • Fäkalientanks (2): 1 x 64, 1 x 80 l
  • Batterien: 5 x 140 AH, 1 x 50 AH

​Rumpf- und Decks­bauweise

Rumpf: GFK-Sandwich, Polyesterharz, Balsaholz-Kern. Deck: GFK- Sandwich mit Vakuum-Infusion.

​Motorisierung

Ab Werft wird der 110 PS starke Common-Rail-Dieselmotor von Yanmar (4JH110) mit Saildrive eingebaut. Dazu kommt im Standard ein Dreiflügel-Faltpropeller. Es ist keine Alternative vorgesehen.

Performance-Paket

Im Ausstattungsbündel First Line enthalten ist unter anderem ein höherer Dreisalingmast mit Dyform- Wanten, der Bugspriet, ein trimmbares Achterstag, verstellbare Genua-Holepunkte, laufendes Gut aus Dyneema, zusätzliche und elektrische Winschen sowie Steuerräder aus Kunststoff. Der Aufpreis für das Paket beträgt 40.700 Euro brutto.

Segel

Ein einfacher Satz Dacron-Segel (Groß und Fock) ist im Standard dabei. Bessere Segel gibt es gegen entsprechende Aufpreise.

Werft

Chantiers Beneteau; 85800 Saint-Gilles-Croix-de-Vie (Frankreich); www.beneteau.com/de

Vertrieb

Händlernetz


Die starke Konkurrenz

​Bavaria C50

Bavaria C50: Länge 14,99 m; Breite 5,00 m;  Gewicht 15,4 t; ab 475.760 Euro.Foto: Jean-Francois RomeroBavaria C50: Länge 14,99 m; Breite 5,00 m; Gewicht 15,4 t; ab 475.760 Euro.

Voluminöse Fahrtenyacht aus Deutschland, konstruiert von Maurizio Cossutti Yacht Design. Die Bavaria verfügt über eine große Badeplattform, dazu ist im Heck eine Garage für das Dingi eingebaut.


​Dufour 54

Dufour 54: Länge 15,90 m; Breite 5,25 m;  Gewicht 16,5 t; ab 541.450 Euro.Foto: Jean-Marie LIOT / Dufour YachtsDufour 54: Länge 15,90 m; Breite 5,25 m; Gewicht 16,5 t; ab 541.450 Euro.

Das ungewöhnlich flexible und wandelbare Konzept zeichnet das neue Top-Modell der Yachtbauer in La Rochelle aus. Die neue Dufour wurde als Premiere auf der Messe boot in Düsseldorf präsentiert.


​Hanse 510

Hanse 510: Länge 15,25 m; Breite 4,91 m;  Gewicht 16,5 t; ab 562.750 EuroFoto: YACHT/Ludovic FruchaudHanse 510: Länge 15,25 m; Breite 4,91 m; Gewicht 16,5 t; ab 562.750 Euro

Das Schiff aus der Kooperation von Hanseyachts und Berret-Racoupeau Yacht Design zeigt im Test überzeugende Segelleistungen und kann dazu mit einem tadellos gebauten Interieur punkten. Lesen Sie hier den Test.


​Jeanneau Yachts 55

Jeanneau Yachts 55: Länge 16,15 m; Breite 4,99 m;  Gewicht 18,5 t; ab 854.540 Euro.Foto: YACHT/Ludovic FruchaudJeanneau Yachts 55: Länge 16,15 m; Breite 4,99 m; Gewicht 18,5 t; ab 854.540 Euro.

Mit einem spannenden und exklusivem Konzept kann Jeanneau auch den gehobenen Ansprüchen von Blauwasserseglern begegnen. Das ungewöhnliche Layout an Deck funktioniert im Test gut.

Meistgelesen in der Rubrik Yachten