Mit dem MODX 70 hat die französische Werft Océan Developpement bereits gezeigt, wie sie sich die Zukunft des Fahrtensegelns vorstellt: automatisierte Flügelriggs, elektrische Antriebe und eine Energieversorgung aus Sonne und Hydrogeneration. Die YACHT hat das außergewöhnliche Katamaran-Konzept bereits getestet und für die Heft-Rubrik „Das besondere Boot“ auch schon vorgestellt. Hier geht es zum vollständigen Artikel bei YACHT online.
Die Konstruktion stammt erneut von VPLP Design. Anders als der große MODX 70 ist das neue, 17,60 Meter lange Projekt jedoch als Trimaran ausgelegt. Die Breite bleibt mit zehn Metern ausgesprochen großzügig. Auch beim Rigg gibt es einen wesentlichen Unterschied: Statt der beiden Flügel des Katamarans übernimmt ein einzelner Aeroforce-Wing mit 100 Quadratmetern Fläche den Vortrieb.
Das Flügelrigg des Herstellers Aeroforce in Frankreich besteht aus einem aufblasbaren Profil, das um einen ausfahrbaren Teleskopmast aufgebaut ist. Sein profiliertes Tragflächenprinzip ersetzt den üblichen Segelplan. Eine steuerbare Hinterkante, ein sogenannter „Flap“, erlaubt es, das Profil des Flügels einzustellen und damit seine Leistung anzupassen.
Die Bedienung erfolgt über einen zentralen Touchscreen. Die Steuerung richtet den Flügel automatisch und elektrisch angetrieben laufend nach Windrichtung und Windstärke aus; der Skipper kann die gewünschte Leistung vorgeben. Schoten und Winschen für den Segeltrimm entfallen. Für die Automatisierung und die elektronische Vernetzung arbeitet Aeroforce mit dem Spezialisten Madintec zusammen.
Ebenso wichtig wie das Setzen ist das vollständige Bergen des Riggs: Die Luft wird aus dem Flügel abgelassen, der Teleskopmast eingefahren. Damit verändert sich auch das Erscheinungsbild des MODX 58 sowie dessen Nutzen grundlegend. Aus dem Segeltrimaran wird dann quasi auf Knopfdruck eine elektrische Motoryacht mit niedriger Silhouette. Die Broschüre von Océan Developpment nennt für diesen Zustand eine Höhe über der Wasserlinie von 4,60 Metern, gegenüber 19 Metern bei ausgefahrenem Rigg.
Auch der MODX 58 soll im Betrieb ohne fossile Brennstoffe auskommen. Dafür kombiniert die Werft den Windantrieb mit elektrischer Motorisierung, einer Batteriebank von 175 Kilowattstunden und großflächigen Solarmodulen. Insgesamt sind 85 Quadratmeter Solarfläche mit einer Spitzenleistung von 17 Kilowatt vorgesehen. Bei Fahrt unter Segeln können die Propeller als Hydrogeneratoren eingekoppelt werden. Die Werft nennt dafür eine elektrische Leistung zwischen drei und zehn Kilowatt, abhängig von der Fahrtgeschwindigkeit. Der unter Segeln erzeugte Strom steht anschließend wiederum für den Motorbetrieb und die Verbraucher an Bord zur Verfügung. Für die rein elektrische Motorfahrt wird gemäß Océan Développement eine Reichweite von rund 110 Seemeilen erreicht.
Zum technischen Anspruch kommt ein ausgesprochen komfortorientiertes Wohnkonzept. Die Werft beziffert die gesamte Wohn- und Aufenthaltsfläche auf mehr als 152 Quadratmeter. Der rundum verglaste Salon soll weite Ausblicke bieten; eine Tür führt direkt auf das Vordeck mit dem vertieft eingebauten Front-Cockpit. Achtern ist ein überdachter Aufenthaltsbereich mit variabel nutzbaren Sitz- und Liegeflächen vorgesehen. Und: Für das Beiboot ist im Heck des mittleren Rumpfs eine Garage vorgesehen, in der das Dinghi längs zur Fahrtrichtung eingefahren werden kann.
Die Eignerversion umfasst eine Suite auf dem Hauptdeck mit eigener Treppe zum Bad sowie drei weitere Kabinen mit jeweils separatem Sanitärbereich. Damit stehen Schlafplätze für acht Personen zur Verfügung. Materialien, Farben und zahlreiche Details des Ausbaus sollen sich individuell gestalten lassen.
Beim Bau setzt Océan Développement unter anderem auf Epoxidharz mit biobasierten Anteilen und einen teilweise aus recyceltem PET bestehenden Schaumkern. Kohlefaser soll an ausgewählten Stellen Gewicht sparen und für die erforderliche Festigkeit sorgen.
Der MODX 58 verbindet damit großzügiges Wohnen mit einem ungewöhnlichen Antriebskonzept. Sein besonderes Merkmal ist die Wandelbarkeit: Segeln mit einem automatisch geregelten Flügel oder elektrische Motorfahrt mit vollständig geborgenem Rigg.

Redakteur Test & Technik
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