Damit wird die Vorgängerin, die beliebte Hanse 418, in Rente geschickt. Sie kam 2018 als Komplett-Überarbeitung der Hanse 415, die wiederum 2012 vorgestellt worden ist. Nach über zehn Jahren Marktpräsenz hat die Konstruktion von Judel/Vrolijk & Co nun ausgedient.
Mit der Konstruktion des neuen Schiffs für die wichtige Zwölf-Meter-Klasse wurde wieder das Büro von Berret-Racoupeau in Frankreich beauftragt. Die Franzosen hatten schon für die Modelle Hanse 460 (Test YACHT 1/2022) und 510 (YACHT 1/2023) sowohl die Baupläne wie auch das Außen- und Innendesign geliefert. Und das mit Erfolg: Die Hanse 460 hat als erstes Schiff der neuen Modellgeneration gleich aus dem Stand die begehrte Auszeichnung als Europas Yacht des Jahres in der Kategorie der Fahrtenyachten gewonnen. Die neue 410 folgt jetzt mit viel optischer, aber auch konzeptioneller Linientreue nach. Nur ist der Rumpf im Vergleich jetzt noch voluminöser geworden. Bei einer Länge von 11,99 Metern ist das Boot jetzt stattliche 4,29 Meter breit. Das entspricht einem Streckungsfaktor von nur knapp 2,8. Bisher galt für Fahrtenboote ein Wert von 3,0 als “normal”.
Die Konstrukteure von Berret-Racoupeau und die Entwickler bei Hanse haben die Gestaltung an Deck und im Cockpit im Großen und Ganzen von den größeren Typen übernommen. Das heißt: flacher Kajütaufbau, großes Cockpit mit zwei variablen Tischen, halboffenes Heck mit klappbaren Sitzen für den Steuermann sowie eine konsequente Rückführung aller Schoten, Fallen und Trimmleinen beidseitig bis zu den Steuerständen. Die Hanse 410 wird im Standard ab Werft mit einer Selbstwendefock und einem herkömmlichen Großsegel mit Pinhead ausgestattet, die Segel kommen dabei von Elvstrøm Sails. Optional ist ein Roll-Großsegel möglich sowie auch eine überlappende Genua mit Holepunkten seitlich auf dem Laufdeck. Im Unterschied zur größeren Hanse 460 bietet die neue 410 allerdings keine Segellast mehr im Vorschiff. Für zusätzliche Segel, für Fender, Festmacher und andere größere Dinge stehen dafür große Staufächer in der Achterpiek zur Verfügung. Auch ist am Heck ein separates Staufach speziell für die Rettungsinsel ausgewiesen.
Unter Deck sind die Gestaltung und die Ausbaumöglichkeiten im Vergleich zu den größeren Modellen unterschiedlicher. So ist bei der neuen 410 die Pantry nicht mehr als langes Element in den Salon gebaut, sondern in großzügig gestalteter L-Form am Niedergang platziert. Das lässt im Salon mehr Platz für ein zweites Sofa auf der Steuerbordseite, das auch als zusätzliche Koje nützlich sein kann. Die Sitzgruppe um den großen Salontisch bietet Platz für mindestens fünf Personen und kann dank absenkbarem Tisch ebenfalls zur Liegefläche konvertiert werden.
Der Käufer einer Hanse 410 kann wählen, ob er in der geräumigen Eignerkabine zusätzlich eine zweite Nasszelle haben will. Bei der größeren 460 kann das Vorschiff als Alternative auch mit zwei Doppelkabinen und jeweils eigenem Toilettenraum ausgebaut werden, was vor allem für den Einsatz in der Yacht-Charter interessant ist. Bei den Booten der kleineren Elf-Meter-Klasse ist diese Wahlmöglichkeit generell nicht mehr gegeben, so auch bei der neuen 410. Varianz ist jedoch für den Ausbau im Achterschiff gegeben: Machbar sind dort entweder zwei symmetrische Achterkabinen oder eine Kammer plus eine große und begehbare Backskiste, die sowohl direkt aus dem Cockpit wie auch von innen durch eine Tür erreicht werden kann.
In der Basis wird die neue Hanse 410 mit einem Einbaudiesel von Yanmar mit 39 PS Leistung, Saildrive-Antrieb und Zweiblatt-Festpropeller spezifiziert. Eine größere Maschine mit 56 PS Leistung ist ebenfalls machbar. Und: Als Alternative zum Einbaudiesel bietet Hanse die 410 mit einem Elektroantrieb an. Auch wird Hanse zur Stromgewinnung an Bord eine Lösung mit einer Brennstoffzelle offerieren.
Die volle Preisliste für die neue Hanse 410 ist noch nicht verfügbar. Aber es gibt einen Grundpreis ab Werft. Der liegt bei 299.760 Euro brutto inkl. 19 % Mehrwertsteuer.
Der Prototyp des neuen Modells Hanse 410 ist offenbar bereits fertiggestellt und wird derzeit von der Werft in Greifswald ausführlich getestet. Auch die YACHT-Redaktion wird die neue Yacht demnächst auf den Prüfstand nehmen. Der ausführliche Testbericht ist dann schon für das Heft 19/2023 vorgesehen. Diese Ausgabe erscheint Anfang September.

Redakteur Test & Technik