“Best of”Retroklassischer Performance-Cruiser ist Essenz einer Selbstbauerkarriere

Fridtjof Gunkel

 · 15.02.2026

Die Linien sind so zeitlos wie harmonisch. Sogar der Riss stammt vom Bootsbauer.
​Mit seinem retroklassischen Performance-Cruiser „Best of“ krönt Lutz Schröder seine lange Selbstbauerkarriere. Das große Ziel: Das Boot sollte besser als jedes Serienboot werden.

​Hut ab, chapeau, bravo! Das, was im Yachthafen Hohe Düne in Warnemünde vor uns liegt, nötigt jedem Segler uneingeschränkte Aufmerksamkeit ab. Geht nicht anders. Wir sehen einen zeitlos wirkenden Rumpf mit gemäßigter Breite, zartem Deckssprung, fast senkrechtem Steven, geschlossenem Yachtheck. Ein souverän anmutendes Boot. Der Aufbau gemäßigt, etwas kastig, eher schmal. Ein fester Bugspriet. Insgesamt erinnert das Boot entfernt an englische Pilot Cutter, jene flinken Segelgefährte, die zum Versetzen von Lotsen seetüchtig, schnell und von kleiner Crew handhabbar sein mussten, um lukrativ zu sein. Passt.

Das Rigg indessen lässt diese Assoziation nicht mehr zu: zwei Salingspaare, außen angeschlagene Wanten, in Längsrichtung fast in der Mitte stehender Mast, Pinhead-Großsegel, nur ein Achterstag. Zur harmonischen Gesamt­optik gesellt sich ein gediegen-edler, maskuliner Farbcode: Anthrazit und Schwarz, Weiß, Teak.


Weitere besondere Boote:


Eine Yacht, die sich schwer einordnen lässt, für die es keine Entsprechung im Markt gibt. Der Aufbau erinnert an die Boote der französischen Marke Black Pepper. Die Rumpflinien ließen auf ein Design von Georg Nissen oder Judel/Vrolijk oder auch eines der Holzboote von Martin Menzner schließen. Mit einem Längen-Breiten-Verhältnis von 3,6 ist das Boot nur moderat breit. Das Rigg ist modern und in dieser Geometrie heutzutage recht verbreitet. Die Kombination aber ist nur in diesem Boot zu finden. Dazu: Es ist eine Augenweide, das gilt nicht nur für die Gesamtanmutung, sondern auch für die Details und die handwerkliche Ausführung aller Holz-, Carbon- und GFK-Teile sowie die versiert ausgesuchten, ebenso feinen wie funktionalen Beschläge des hierzulande unterschätzten italienischen Herstellers Antal.

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Ein Einzelbau also. Woher? Passt zu Janssen & Renkhoff oder Jan Brügge Bootsbau von der Schlei oder Wilhelm Wagner vom Bodensee. Alles Fehlanzeige. Es handelt sich um eine Ein-Mann-Werft. Auf den Flanken des Aufbaus lesen wir: „Performance Classic 41 built by L. Schröder“.

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Lutz Schröder empfängt uns an Bord. Das Boot hat er selbst konstruiert und selbst gebaut. Okay, der Mann ist Boots- und Schiffbaumeister, arbeitet als Betriebsleiter auf der Spezialbau-­Werft Tamsen Maritim in Rostock. Was ihn nicht automatisch dafür qualifiziert, eine Yacht komplett selbst zu zeichnen und inklusive aller Holz-, Metall- und Kunststoffarbeiten nebst In­stallationen von Elektro-, Wasser- und Antriebssystemen selbst auszuführen.

”Best of” reiht sich in Selbstbauerkarriere ein

Es ist nicht das erste Boot des handwerklichen Multitalents. Im Alter von 17 Jahren hatte er bereits einen Vierteltonner der in der DDR beliebten Hiddensee-Klasse in Greifswald ausgebaut. Das Boot wurde im Vergleich zu den üblichen Derivaten dieser Selbstbauklasse, für welche die Klassenvereinigung die Form verlieh, ein Racer mit mehr Segelfläche, flacheren Aufbau und einem moderneren Kiel. Lutz Schröder fuhr mit seinem Konstrukt namens „Pretender“ auf dem Greifswalder Bodden damals allen um die Ohren, wie sich seine Frau Christine erinnert, die er in jenen Tagen kennenlernte.

Einige Zeit später baute Schröder ein Design des Heiligenhafener Konstrukteurs Jörgen Heinritz komplett in nur zwei Jahren. Eine moderne, 38 Fuß große IMS-Yacht mit offenem Heck, breit, ausgestattet mit einem riesigen Rad mit zwei Meter Durchmesser. Die schnelle „Fastwave“ wurde an die US-­Ostküste verkauft.

Bootsbauturbo dank Elternzeit

Projekt Nummer drei entstand auf Basis einer Luffe 4004. Die Idee: Eine bekannte Rumpfschale mit Markennamen kaufen, selbst nach eigenen Vorstellungen ausbauen und ausrüsten und das Boot dann aufgrund des Seriennamens besser verkaufen können als einen wenig bekannten Einzelbau. Nach nur zwei Jahren war die Luffe segelfertig. Das Boot entstand auch mit dem Gedanken, es schnell wieder und mit Gewinn zu verkaufen, um die Altersvorsorge aufzubessern und andererseits in ein nächstes Boot zu investieren. Das hat geklappt. Nach wieder nur zwei Jahren ging die Luffe 4004 an einen Käufer, und der nächste große Schritt folgte, Schröder bestellte eine Luffe 45.

Tine Schröder: „Die Bauzeit war natürlich auch anstrengend. Das Boot frisst das Geld weg, Lutz arbeitet 40 Stunden im Job und ist danach beim Boot, gemeinsame Urlaube gibt es in der Zeit nicht, und nicht zu vergessen unseren Sohn, der zu der Zeit noch in den Windeln lag, uns die Nächte geraubt hat und meine volle Zuwendung brauchte. Aber wenigstens konnte Lutz Elternzeit nehmen und den Bootsbauturbo einlegen.“

Wie schon bei der kleineren Luffe entstand auch der Carbonmast aus den Händen des kundigen Bootsbauers. Nach rund vier Jahren ging die große Luffe ins Wasser. Die Familie genoss einen Sommerurlaub und die Wochenenden an Bord. Nur ein Jahr später hatte der rastlose Schröder das Boot bereits wieder verkauft, 2017 ging es weg. Und nun? „Ein kleines Trauma für mich, aber auch für Lutz“, so Tine Schröder, so ganz ohne Boot könne es ja auch nicht weitergehen. Jedoch: „Wir haben uns über Serienschiffe unterhalten, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen.“ Aus Sicht des versierten Paares gibt es kein Boot, das sehr gut segelt, besonders aussieht, den Komfort bietet, den sie sich vorstellen, und das zudem noch den eigenen Bootsbau­ansprü­chen standhält.

​Krönender Höhepunkt

2020 war es dann so weit, Lutz konnte nicht mehr stillsitzen, sicherte sich einen Hallenplatz, wo er schon die Luffes ausgebaut hatte. Es sollte das letzte Projekt werden. Eines, in das alle Erfahrungen einfließen sollten, die der Selbstbauer vorher sammeln konnte, ein Best-of eben, womit der Name für das Boot gefunden war. Lutz Schröder: „Das neue Schiff sollte alles haben, was wir uns vorstellten. Ein Pilot Cutter, mit klassischen Linien modern verpackt, komplettes Teakdeck, schwarzer Carbonmast mit dunklen Segeln, geschlossenes Cockpit mit Heckterrasse, großes Steuerrad, sichtbare klar lackierte Decksbalken, weiße Schotten, Nasszelle mit Warmwasserdusche, U-förmige Sitzecke und jede Menge Stauraum unter und an Deck.“ So das Lastenheft.

Der Rumpf entstand über Hilfsspanten in Leistenbauweise aus Western Red Cedar, einem nordamerikanischen Nadelholz. Die sogenannten Speed-Strip-Leisten werden in vorgefertigten 15 mal 44 Millimeter messenden Profilen angeliefert, die ineinandergreifen und so kleinere Fugen ermöglichen. Den Leistenkern hat der Selbstbauer mit Glas- und Carbongelegen überzogen, gespachtelt und lackiert.

Der Ausbau entstand in Kaja-Mahagoni. Das Deck fertigte Schröder aus Bootsbausperrholz, in klassischer Bauweise mit Decksbalken. Nur 3,5 Tonnen bringt das Boot ohne den T-Kiel auf die Waage. Die Flosse wiegt 2,5 Tonnen, was einen sehr hohen Ballastanteil von über 40 Prozent bedeutet; moderne Serienboote kommen auf Werte unter 30, arbeiten dafür mit einer hohen Formstabilität. Ein weiterer Kennwert weist das Boot ebenfalls als hochpotent aus: Die Rumpfgewicht und Segelfläche ins Verhältnis setzende Segeltragzahl beläuft sich bei der „Best of“ auf herausragende (dimensionslose) 5,16 – ein Wert, der das Boot schon als Racer qualifiziert.

Boot eines Seglers für Segler

Das Ergebnis lässt sich nicht nur sehen, es segelt sich geradezu exquisit. Mit dem oft bemühten Bild des Steuerns mit nur zwei Fingern lässt es sich über das große, gut abgestimmte Rad präzise dirigieren, erleichtert dabei den Abruf hoher Geschwindigkeiten. Die Windkante findet das Boot fast von selbst. Steuern im Sitzen in Luv und Lee und stehend funktioniert bestens, die Ergonomie passt. Die Beschläge und ihre Position, Größe und Funktion ebenfalls. Das Cockpit ist nicht üppig, die Heckterrasse kostet Platz, schafft aber den gewünschten großen Stauraum auch für sperrige Güter wie Dingi oder Rettungsinsel. Man mag eine Heckklappe vermissen, die das Anbordgehen bei rückwärtigem Liegen erleichtert und das Cockpit vergrößert – zumal man mit der „Best of“ wegen des Bugspriets immer rückwärts anlegen wird. Egal, denn die Familie hat sich für diese Cockpitkonfiguration entschieden, und nur das zählt bei dem Einzelbau, der sie noch auf viele Jahre begleiten soll, ein weiteres Boot ist nicht geplant.

Die Schröder 41 ist das Boot eines Seglers für Segler. Und für Genießer maritimer Wohnkultur. Das geschmackvolle Interieur schlägt mit den sichtbaren Decksbalken und hübschen Kontrasten von Holz zu hell eine gelungene Brücke zwischen früheren und heutigen Zeiten im Bootsbau.

Ganze 1.416 Tage hat Lutz Schröder an seinem Opus magnum gearbeitet, mal kürzer, mal länger, aber immer intensiv. „Du musst stur bleiben, dir Ziele setzen, Punkt für Punkt für jeden Tag, jede Woche“. Der Lohn seien die Glanzlichter in der Genese der selbst gebauten Yacht, das Rausholen aus der Halle, das Zuwasserlassen, die erste Nacht an Bord, die ersten Seemeilen. Und sicher auch das Gefühl, ein Boot zu segeln, das es kein zweites Mal gibt, eines, nach dem sich jeder Segler umdreht. Garantiert.


Technische Daten der “Best of”

Große Vorbilder: Mit senkrechtem Steven, festem Bugspriet, Yachtheck und der Aufbauform erinnert die Performance Classic an englische Pilot Cutter. Dazu tragen auch die Segeleigenschaften bei.Foto: WerftGroße Vorbilder: Mit senkrechtem Steven, festem Bugspriet, Yachtheck und der Aufbauform erinnert die Performance Classic an englische Pilot Cutter. Dazu tragen auch die Segeleigenschaften bei.
  • Rumpflänge: 12,30 m
  • Gesamtlänge: 13,70 m
  • Breite: 3,40 m
  • Tiefgang: 2,25 m
  • Gewicht: 6,0 t
  • Ballast/-anteil: 2,5 t/42 %
  • Großsegel: 47,0 m²
  • Genua: 41,0 m²
  • Maschine (Volvo Penta): 40 PS

Fridtjof Gunkel

Fridtjof Gunkel

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Fridtjof Gunkel, geboren auf Helgoland, startete dort seine Segelkarriere im Opti und stieg schnell auf Kielboote um. Admiral’s Cup, Weltmeisterschaften und weitere internationale Regatten sowie eine Teilnahme im Whitbread Round the World Race Race waren seine prägenden seglerischen Stationen, ebenso wie ausgedehnte Fahrtentörns in Europa und Übersee. Bei der YACHT ist er bereits seit 1985. Er segelt privat einen Performance/Cruiser mit Liegeplatz an der Ostseeküste, seine Lieblingsreviere sind die schwedischen Schären und die Bretagne.

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