Michael Rinck
· 21.09.2026
Die Häufung der Einsätze zeigt, wie schnell aus einer technischen Havarie oder einer Verletzung eine Lage werden kann, in der Crews externe Hilfe benötigen. Besonders zwei Einsätze betrafen direkt den Segelsport: In der Eckernförder Bucht mussten die Retter während der laufenden SAREx-Übung zu einer Yacht mit gebrochenem Mast ausrücken. Vor Schilksee übernahmen sie eine Seglerin mit mutmaßlichem Armbruch von einer Yacht.
Am Freitagmittag, 18. September, retteten die Seenotretter vor Helgoland eine stark unterkühlte Seglerin von einer Yacht. Bei sechs Beaufort und rund drei Meter hohen Wellen arbeiteten Seenotrettungskreuzer, Tochterboot, Rettungshubschrauber und Notschlepper zusammen, um die geschwächte Frau sicher an Land zu bringen. Die Details des Einsatzes stehen im Beitrag Unterkühlte Seglerin vor Helgoland gerettet.
Ausgerechnet während der groß angelegten Such- und Rettungsübung SAREx in der Eckernförder Bucht kam es am Freitagnachmittag zum Realeinsatz. Neun Seenotrettungskreuzer und -boote trainierten komplexe Lagen, als sich gegen 16.10 Uhr eine Segelyacht über Seefunk bei der Rettungsleitstelle See meldete: Die zweiköpfige Crew hatte am Ausgang der Eckernförder Bucht einen Mastbruch erlitten.
Die Rettungsleitstelle brach für die beteiligten Einheiten die Übung ab und alarmierte das Seenotrettungsboot ECKERNFÖRDE sowie die KONRAD-OTTO von der Station Kühlungsborn. Zwei Rettungsleute stiegen von der KONRAD-OTTO auf die havarierte Yacht über. Sie bargen Mast und Rigg aus dem Wasser und sicherten die Teile an Bord. Anschließend brachten die Seenotretter die Yacht mit ihrer unverletzten Besatzung sicher nach Damp.
Der Einsatz machte praktisch sichtbar, was bei der SAREx trainiert wird: Eine Übungslage kann jederzeit einem echten Notfall weichen. Für die Crew war entscheidend, den Havaristen nach dem Mastbruch so weit zu stabilisieren, dass keine losen Riggteile im Wasser und keine weitere Gefährdung durch das beschädigte Rigg entstanden.
Am Sonnabendmittag meldete der Skipper einer rund zwölf Meter langen Segelyacht über UKW-Kanal 16 einen medizinischen Notfall. Etwa 1,8 Seemeilen vor Wendtorf auf der Kieler Außenförde hatte sich eine Mitseglerin bei einem Segelmanöver mutmaßlich den Arm gebrochen. Die etwa 40-Jährige klagte über starke Schmerzen.
Die Rettungsleitstelle See alarmierte das Seenotrettungsboot JÜRGEN HORST der Station Schilksee. Ein Rettungsmann stieg nach dem Eintreffen auf die Yacht über und übernahm die Erstversorgung. Weil die Verletzte nicht selbstständig auf das Rettungsboot wechseln konnte, übernahmen die Seenotretter sie mit einer Schleifkorbtrage. In Laboe ging die Patientin an den Rettungsdienst an Land, der sie in ein Krankenhaus brachte.
Der Fall zeigt, welche Bedeutung eine sichere Übergabe auf See hat. Auch bei ruhigerer Lage kann der Weg von einer Segelyacht auf ein Rettungsboot für Verletzte ohne geeignete Trage und eingespielte Helfer nicht zu bewältigen sein. Wie die Seenotretter solche Szenarien vorbereiten, zeigte zuletzt auch die große Rettungsübung auf der Ostsee.
Weitere Hilfeleistungen am Wochenende unterstreichen die Bandbreite der Arbeit der DGzRS. Im Fehmarnbelt koordinierte die Rettungsleitstelle See die Abbergung einer schwer erkrankten Passagierin vom Kreuzfahrtschiff „Artania“ per Rettungshubschrauber. Auf dem Koppelstrom vor Born am Darß schleppten die Freiwilligen der Station Prerow/Wieck ein bei Dunkelheit und bis zu 1,5 Meter hohen Wellen festgekommenes Zeesenboot frei.
Auf Borkum versorgten zwei Besatzungsmitglieder eine im Hafen gestürzte Seniorin bis zum Eintreffen des Rettungswagens. Bei Gelting barg die Crew der URSULA DETTMANN einen erschöpften Kiter, der zwischen Wackerballig und Gelting abtrieb, durch die Bergungspforte an Bord. Medizinische Behandlung benötigte er anschließend nicht.
Die vollständige Einsatzbilanz veröffentlichte die DGzRS in ihrer Meldung zum einsatzreichen Septemberwochenende auf Nord- und Ostsee.
Medizin auf See erklärt Erste Hilfe, Diagnose und Behandlung unter den Bedingungen an Bord. Das Handbuch behandelt unter anderem Verletzungen, Bewusstlosigkeit, Blutungen, Ertrinken und die Vorbereitung der Bordapotheke. Für Skipper und Crew ist vor allem der Praxisbezug wichtig: Das Buch zeigt, wie medizinische Notfälle erkannt und bis zum Eintreffen professioneller Hilfe strukturiert versorgt werden können.
Haben Ihnen die Seenotretter auch schon in einer brenzligen Situation geholfen? Berichten Sie uns gerne davon!

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