Rund 14 Seemeilen östlich der Shetlandinsel Whalsay haben britische Seenotretter gestern (Mittwoch, 30. September 2026) einen Einhandsegler von seinem Boot geborgen. Das neun Meter lange, unter norwegischer Flagge fahrende Boot war von Bergen über die Nordsee gekommen und nahm zunehmend Wasser auf. Bei Südostwind der Stärke sieben bis acht gab der Skipper die das Boot auf. AIS-Daten legen nahe, dass das Boot noch bis in die frühen Morgenstunden weitertrieb.
Der Solosegler war nach Angaben der britischen Seenotrettungsorganisation Royal National Lifeboat Institution (RNLI) von Bergen nach Westen Richtung Shetlands gesegelt. Im Laufe des Tages verschlechterte sich das Wetter. Der Wind nahm zu, die See baute sich auf, zugleich drang immer mehr Wasser in das Boot ein.
Am frühen Nachmittag setzte der Skipper über UKW-Seefunk einen Pan-Pan-Ruf ab. Der norwegischer Fischtrawler “Hargun” und ein britisches Fischereischutzschiff antworteten. Kurz darauf beauftragte die Küstenwache die Seenotretter in Lerwick mit dem Einsatz.
Um 14.30 Uhr alarmierte die Küstenwache die Seenotretter in Lerwick. Zehn Minuten später lief das Allwetterrettungsboot aus. Trotz der rauen Bedingungen erreichte es nach Angaben der RNLI eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 23 Knoten. Gegen 16 Uhr traf es bei der Yacht ein.
Zu diesem Zeitpunkt befand sich nach Darstellung der RNLI bereits so viel Wasser in der Yacht, dass der Skipper beschloss, sein Boot aufzugeben. Die “Hargun” blieb in der Nähe und bot etwas Schutz vor Wind und See. Anschließend wechselte der Segler direkt von seiner Yacht auf das Rettungsboot.
Um 17.30 Uhr waren die die Seenotretter zurück Lerwick. Dort wurde der unverletzte Segler von einem Team der Küstenwache übernommen. „Das Wichtigste ist, dass er sicher an Land zurückgekehrt ist“, sagte RNLI-Steuermann Stephen Manson nach dem Einsatz. Die verlassene Yacht trieb am frühen Abend nach den letzten Informationen der Seenotretter östlich der Out Skerries.
Was aus der havarierten Yacht wurde, ist nicht offiziell bekannt. Eine AIS-Spur könnte jedoch zu der aufgegebenen Yacht gehören. Sie wird der neun Meter langen norwegischen Segelyacht “Twister” zugeordnet und endet heute in den frühen Morgenstunden.
Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem aufgegebenen Boot um die “Twister” handelt: Die AIS-Daten der Yacht weisen sie als norwegisches Segelboot mit den Abmessungen 9 × 3 Meter aus. Zudem verließ die Yacht am 28. September Bergen in westlicher Richtung über die Nordsee.
Auch die AIS-Positionen passen zu dem von den Rettern genannten Havariegebiet östlich von Whalsay. Von dort geht die Kurslinie im AIS nach der Rettung des Skippers noch knapp 40 Seemeilen weiter Richtung Nordosten, ehe sie heute früh um 02.17 Uhr UTC südöstlich der Insel Yell endet - rund elf Stunden nach dem Eintreffen der Seenotretter. Der Transponder verfügte zu diesem Zeitpunkt offenbar noch über Strom, und seine Antenne konnte ein Signal abgeben.
Frühere Fälle zeigen, wie unterschiedlich sich Wassereinbrüche entwickeln können. Im August 2021 retteten Einsatzkräfte einen Einhandsegler nordöstlich von Wangerooge von seinem sinkenden Holzboot. Der Mann musste ins Wasser springen und wurde von einem Hubschrauber aufgenommen. Sein Boot verschwand kurz darauf in der Nordsee.
Anders verlief die Havarie der Infiniti 52 “Tulikettu”. Ihre Crew hatte die Yacht im April 2022 nach einer Kollision und einem nicht beherrschbaren Wassereinbruch in der Biskaya verlassen. Sechseinhalb Wochen später wurde sie westlich von Portugal wiedergefunden – mit stehendem Mast und äußerlich weitgehend unversehrt.
Die Yacht des Norwegers blieb am Mittwochabend östlich der Out Skerries auf See. Sollte es sich um die Twister gehandelt haben, war ihr AIS-Transponder noch in den frühen Morgenstunden aktiv. Um 02.17 Uhr UTC endet die öffentlich sichtbare Spur südöstlich der Insel Yell. Was danach mit dem Boot geschah, ist bislang nicht bekannt.

Redakteurin Panorama und Reise
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