Im Prozess um den Kokainschmuggel mit einer Segelyacht von Kolumbien nach Europa sind neue Einzelheiten über die geplante Übergabe der Drogen bekannt geworden. Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks schilderte der 59-jährige Angeklagte am Mittwoch vor dem Landgericht Rostock, dass er mit seiner Yacht in der Nordsee eine Havarie vortäuschen sollte. Andere Mitglieder des Schmugglernetzwerks hätten ihn und seine Ehefrau anschließend mit der Drogenladung an Land bringen sollen.
Dazu kam es nicht. Bereits am 8. August 2025 stoppten portugiesische Ermittler die rund 14 Meter lange Segelyacht nahe den Azoren. An Bord fanden die Beamten nach Angaben der Rostocker Staatsanwaltschaft 263,73 Kilogramm Kokain. Der geschätzte Verkaufswert lag bei bis zu 16 Millionen Euro.
Während des seit August 2026 laufenden Prozesses hat der Skipper den versuchten Drogentransport bereits gestanden. Seine ebenfalls angeklagte Ehefrau bestreitet dagegen bislang, von den Drogen an Bord gewusst zu haben.
Bei der Verhandlung am 14. Oktober gab der Angeklagte weitere Einzelheiten über seine Auftraggeber preis. Demnach identifizierte er auf Fotos deutscher Ermittler einen Mann, den er als eine führende Person des kolumbianischen Drogenkartells bezeichnete. Die Aufnahmen waren während der Überwachung der Drogenübernahme in Kolumbien entstanden.
Der Skipper schilderte außerdem, wie die Ladung nach Europa gelangen sollte. Demnach waren die rund 264 Kilogramm Kokain für unterschiedliche Abnehmer bestimmt. 113 Kilogramm sollte ein Drogenhändler erhalten, weitere 150 Kilogramm ein Bekannter des Angeklagten, der das Kokain angeblich in der Türkei verkaufen wollte.
Die Vorgeschichte des Falls beginnt bereits im Jahr 2024. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll damals der Plan entstanden sein, eine größere Menge Kokain auf dem Seeweg von Kolumbien nach Deutschland zu bringen. Dafür erwarb das Paar in Greifswald eine etwa 14 Meter lange Segelyacht namens „Leander“. Nach den bei Prozessbeginn bekannt gewordenen Angaben wurden dafür 200.000 Euro in bar bezahlt.
Anschließend erhielt die Yacht den Namen „Target“. Eine offizielle Ummeldung soll allerdings nicht erfolgt sein. Es soll sich um eine Hanse 470 handeln.
Die Reise führte das Paar zunächst über Großbritannien, Spanien und Portugal über den Atlantik. Nach den im Prozess verlesenen Angaben erreichten die beiden die kolumbianische Hafenstadt Cartagena am 6. Februar 2025. Nach einer zwischenzeitlichen Flugreise nach Deutschland kehrten sie im Mai nach Kolumbien zurück.
Dort erhielt der Angeklagte nach seinem späteren Geständnis die Kokainladung von seinen Kontaktpersonen. Die Drogen seien in Einkaufstüten übergeben und anschließend in wasserdichten Säcken an Bord verstaut worden. Ein Teil der Ladung war unter einerKoje versteckt.
Am 4. Juli 2025 legte die Yacht mit Kurs Europa ab.
Schon die Anreise nach Kolumbien war nach Darstellung des Angeklagten von schweren technischen Problemen begleitet. Wie aus früheren Verhandlungstagen bekannt wurde, versagte während eines Sturms die Vorsegelanlage. Auch der Autopilot funktionierte zeitweise nicht mehr.
Statt einen offiziellen Seenotruf abzusetzen, soll der Skipper nach eigenen Angaben seine Auftraggeber informiert haben. Diese hätten daraufhin ein Motorboot mit vier Personen zur Unterstützung losgeschickt. Das Fahrzeug sei allerdings nie angekommen. Was mit den Insassen geschah, ist nicht geklärt.
Ursprünglich soll eine Übergabe der Drogen auf Jamaika geplant gewesen sein. Aufgrund der Wetterbedingungen habe man sich schließlich für Cartagena entschieden, erklärte der Angeklagte.
Auch auf der Rückreise nach Europa kam es zu Schwierigkeiten. Die Yacht lief nach seinen Angaben an einem Atoll bei den Bahamas auf ein Riff und saß dort mehrere Tage fest. Der Zwischenfall sei auch der US-Küstenwache bekannt geworden. Schließlich gelang es, das Boot freizuschleppen.
Vor Gericht erklärte der Mann außerdem, dass es nicht sein erster Drogentransport per Segelboot gewesen sei. Bereits 2024 habe er eine Fahrt wegen technischer Probleme abbrechen und einen Hafen in Spanien anlaufen müssen. Die damals transportierten Drogen will er aus Angst vor einer Kontrolle über Bord geworfen haben. Auch dieser fehlgeschlagene Transport habe zu Schulden bei seinen Auftraggebern beigetragen.
Die Rückreise der „Target“ endete im August 2025 im Atlantik. Im Rahmen der internationalen Operation „Albus“ wurde die Segelyacht von portugiesischen Behörden abgefangen und anschließend nach Ponta Delgada auf den Azoren gebracht.
Nach Angaben der portugiesischen Kriminalpolizei waren an dem Einsatz neben portugiesischer Marine und Luftwaffe auch deutsche Ermittlungsbehörden sowie Stellen aus den USA, Frankreich und Großbritannien beteiligt. Das internationale Maritime Analysis and Operations Centre – Narcotics unterstützte die Operation ebenfalls.
Die Festnahme erfolgte nicht zufällig. Deutsche Ermittler hatten den späteren Angeklagten bereits vor der Abreise aus Kolumbien überwacht. Nach bisherigen Gerichtsberichten lief unter anderem seit Mai 2025 eine Telefonüberwachung.
Der 59-Jährige erklärte in seinem Geständnis, er habe mit dem Drogentransport Schulden bei seinen Auftraggebern begleichen wollen. Seine Ehefrau habe von den versteckten Drogen nichts gewusst, beteuerte er.
Die Staatsanwaltschaft zweifelt diese Darstellung allerdings an. Nach den bisherigen Ermittlungen waren größere Mengen Kokain an verschiedenen Stellen unter Deck gelagert. Ob die Frau tatsächlich eingeweiht war, muss das Gericht noch klären.
Die Verhandlung findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Beide Angeklagte befinden sich in Untersuchungshaft. Der Skipper soll heute, am 16. Oktober weitere Fragen beantworten. Seine Ehefrau hat eine Aussage für den 6. November angekündigt.
Welche Fragen zur Reise der „Target“ sollten im weiteren Prozess besonders geklärt werden?

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