InterviewDie Orcas sehen “das Ruderblatt als Schwachstelle”

Leonie Meyer

 · 24.06.2026

Experte Rui Alves spricht über die Orca-Angriffe.
Foto: AdobeStock; Stephane Rochon; subphoto.com (Hintergrund); Rui Alves/privat (Porträt)
​Orcas.pt sammelt alle notwendigen Informationen über Orca-Sichtungen und stellt sie benutzerfreundlich zur Verfügung. Wir sprechen mit Rui Alves im Interview über die Gründung und die Attacken der Orcas.

​Timm Kruse: Rui, was sagst du zu dem neuen Video, das Orcas zeigt, die das Ruderblatt einer Yacht zerbeißen? Es wirkt fast wie gestellt.

Rui Alves: Ja, ich denke, das ist ein Videoproduzent. Alles war durchgeplant mit Kameras. Er ist gezielt dorthin gegangen und wusste genau, wo sich die Orcas befanden. Wir haben den ganzen Tag Warnungen verschickt. Es passiert auch, dass Leute solche Gelegenheiten nutzen, insbesondere wenn es um ein sehr bekanntes Thema wie Orcas geht. Einige Menschen machen dies zu ihrem Vorteil.

Und was sollten Segler beachten, wenn sie Richtung Gibraltar segeln wollen? Wie bereitet man sich am besten vor?

Rui Alves: Segler sollten keine Angst haben, solange sie bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen. Wenn du innerhalb von 20 Metern Tiefe fährst, ist alles in Ordnung und es passiert nichts. Der Trick ist, tagsüber zu fahren, denn nachts ist es immer gefährlich. Wenn du das VHF-Radio benutzt und wichtige Informationen rechtzeitig empfängst, kannst du mögliche Gefahren umgehen. Statt dich von deinem Handy ablenken zu lassen, solltest du aufmerksam bleiben und beobachten, was um dich herum passiert. So bist du besser vorbereitet.

Diese Tiefe ist wirklich der Trick? Wieso ist das so sicher?

Rui Alves: In diesen Tiefen gibt es keinen Thunfisch, den die Orcas jagen. Sie bleiben meistens in tieferen Gewässern.

​Wie erklärst du dir das Interesse der Orcas an den Ruderblättern der Boote?

Rui Alves: Die Orcas sehen die Ruderblätter als etwas, mit dem sie spielen können. Wenn ein Boot stoppt, beginnen die Orcas, mit dem Ruder zu interagieren. Das Ruderblatt ist eine Schwachstelle und kann bei Stößen schnell beschädigt werden. Wenn man hingegen schnell aus dem Bereich fährt, verlieren die Orcas das Interesse.

​Timm: Du bist plötzlich zu dem “Orca-Mann” geworden, obwohl du ursprünglich IT-ler warst. Wie kam es dazu?

Rui Alves: Orcas.pt bietet einen zentralen Zugang zu Informationen, wodurch es sich von anderen unterscheidet. Anstatt mehrere Quellen wie verschiedene Webseiten oder Fernsehsendungen durchforsten zu müssen, bietet orcas.pt alles an einem Ort. Ein weiterer Vorteil von orcas.pt liegt in der persönlichen Interaktion. Wir kommunizieren direkt mit den Menschen. Jeder, der mit uns in Verbindung tritt, erhält spezifische und relevante Informationen. Zum Beispiel, wenn jemand nach Galicien reist, können wir mitteilen, dass dort kürzlich Orcas gesichtet wurden. Diese persönliche Betreuung und das Teilen von Informationen sind in der heutigen zunehmend unpersönlichen Welt einzigartig.

Welche Kooperationen hast du aufgebaut, um die Sicherheit der Segler zu verbessern?

Rui Alves: Ich arbeite mit Beobachtungsbooten, die Delfine und Orcas überwachen, der portugiesischen Marine und Fischereiverbänden zusammen. Jede Sichtung oder Information über Orcas wird gesammelt und weitergegeben. Diese Zusammenarbeit sorgt für ein umfassendes Lagebild und hilft, Seglern rechtzeitig Warnungen zukommen zu lassen.

Viele Segler probieren verrückte Dinge aus, wie Diesel ins Wasser schütten oder Böller zu werfen.

Rui Alves: Das ist nicht effektiv! Es hilft, sich schnell unter Motor aus dem Bereich zu entfernen, als solche Methoden auszuprobieren.

Welche Erkenntnisse hast du über die Struktur und das Verhalten der Orcas gewonnen?

Rui Alves: Orcas sind wie Menschen in sozialen Gruppen organisiert. Es gibt 30 bis 40 Orcas, die sich in kleinere Gruppen aufteilen. Nur einige von ihnen, vielleicht jüngere und dynamische Tiere, sind die sogenannten ‘Aktiv-Orcas’, die gerne mit Ruderblättern spielen.

​Das Interview führte Timm Kruse.


Rui Alves über die Orca-Angriffe im YACHT-Podcast

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Leonie Meyer

Leonie Meyer

Redakteurin Wassersport Digital-Redaktion

Leonie Meyer wuchs mit dem Bootfahren in Kroatien auf und blätterte schon als Kind durch das BOOTE-Magazin ihres Vaters. Während und nach ihrem abgeschlossenen Internationalen Journalismus-Studium absolvierte sie Praktika bei verschiedenen Medien im Ausland. 2020 zog sie es für ein Praktikum zum BOOTE-Magazin, weshalb sie nach ihrem Volontariat bei einer Tageszeitung zurückkehrte. Seit 2023 arbeitet Leonie Meyer als Redakteurin in der Wassersport Digital-Redaktion und ist neben dem Betreuen der Websites unter anderem für den YACHT-Podcast zuständig.

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