Segeln im AlterAlter Glanz, der bleibt - Prominente Ikonen des Segelns

Fabian Boerger

 · 21.04.2026

Strahlend im Ziel ihrer ersten Einhand-Nonstop-Weltumsegelung.
Foto: YACHT-Archiv/ Kevin Light
Jeanne Socrates umsegelte mit 77 Jahren die Welt allein und nonstop. Sven Yrvind plant mit 87 die nächste Atlantiküberquerung. Robin Knox-Johnston engagiert sich mit 87 für den Nachwuchs. Drei Beispiele für Segler, die nicht ans Aufhören denken und Vorbild sind für das Segeln im Alter.

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​Segeln fordert Körper und Geist – auch im hohen Alter. Wer genau hinsieht, findet sie überall: Seglerinnen und Segler, für die das Alter keine Hürde zu sein scheint. Einige von ihnen sind bekannte Gesichter des Sports. In die Jahre gekommen, aber noch immer aktiv. Manche auf dem Wasser, andere hinter den Kulissen, wo sie Erfahrungen weitergeben oder mit ihren Geschichten begeistern. Die YACHT-Serie “Segeln im Alter” beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven – von körperlichen Herausforderungen über technische Hilfsmittel bis zu praktischen Tipps.

​Mehr zu unserer Serie „Segeln im Alter“:

​Jeanne Socrates: Rekordsiegerin ohne Ruhestand

​Ein Beispiel ist Jeanne Socrates. Die Britin aus Lymington ist Jahrgang 1942 und gehört zu den bekanntesten Hochseeseglerinnen der Gegenwart. 2013 umsegelte sie als älteste Frau die Welt nonstop und einhand. 2019 legte sie noch einen drauf: Mit 77 Jahren kehrte sie nach knapp elf Monaten an Bord ihrer zwölf Meter langen Najad 380 "Nereida" nach Victoria in Kanada zurück. Die heute 84-Jährige ist damit der älteste Mensch, der die Erde solo, nonstop und über die fünf großen Kaps umrundet hat.

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​Ihr Weg dahin war alles andere als glatt. Frühere Versuche scheiterten an Kenterung, Schäden und Verletzungen. Doch Socrates startete immer wieder aufs Neue. Der Cruising Club of America zeichnete sie für ihre Leistungen aus, die Cape Horn Hall of Fame nahm sie auf. Von Ruhestand ist sie offenbar weit entfernt: 2023 segelte sie erneut allein von Mexiko über den Pazifik nach Neuseeland und weiter nach Australien, wo sie sich derzeit befindet – noch immer den Großteil des Jahres auf ihrem Boot lebend.

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Mit 87 will Sven Yrvind über den Atlantik

​Ein anderer Ruheloser ist der Schwede Sven Yrvind. Der 87-jährige Pionier des Mikrosegelns wird nicht müde: Mit seinem 5,20 Meter langen Boot plant er bereits das nächste große Abenteuer. Elektrik und Kleinigkeiten fehlen noch, dann soll es losgehen. Zunächst will Yrvind sein Boot auf der Ostsee testen. Danach soll es per Trailer nach Irland und von dort nach Madeira gehen. Anschließend will er den Atlantik überqueren. Das Ziel: Beaufort an der US-Ostküste, South Carolina.

​Es ist eines von vielen Abenteuern: Yrvind blickt auf eine lange Karriere zurück. Er rundete als erster schwedischer Einhandsegler Kap Hoorn – mit einem nur 5,90 Meter langen Aluminiumboot – und erhielt die Seamanship Medal des Royal Cruising Club. Er erfand einen Mini-Sextanten, nicht größer als ein Daumennagel, und sein Abbild steht in der US Hall of Fame für Einhandsegler. Bis heute konstruiert er Mikroboote und teilt seine Arbeiten im Netz. Ein Ende ist nicht in Sicht.

​Botschafter des Hochseesegelns - Robin Knox-Johnston

​Seltener auf See, aber weiter aktiv: Der Golden-Globe-Pionier Sir Robin Knox-Johnston. Der Brite ist auch mit 87 Jahren noch in der Szene präsent: Er tritt bei Regatten und Segel-Events auf, hält Vorträge, schreibt und engagiert sich in Organisationen wie der International Association of Cape Horners. Außerdem unterstützt er Ausbildungsprojekte für junge Segler. Sein Ziel: ambitioniertes Hochseesegeln auch für jene öffnen, die keine Segelprofis sind.

Diesen Gedanken setzte er früh um – etwa mit dem Clipper Round the World Race, das er vor 30 Jahren gründete. Alle zwei Jahre segeln Amateure mit einer Flotte von Clipper-70-Yachten in Etappen um die Welt. Knox-Johnston ist bis heute Vorsitzender des Unternehmens. Zuletzt arbeitete er daran, die Flotte zu modernisieren, wie er der YACHT in einem Gespräch verriet.

Vom Offiziersanwärter zur Ikone des Hochseesegelns

Berühmt wurde Knox-Johnston 1968/69: Mit seiner Ketsch "Suhaili" umsegelte er als erster Mensch die Welt solo und nonstop. 312 Tage allein auf See, ohne moderne Navigation, ohne Sponsor – und als einziger der neun Starter des "Sunday Times" Golden Globe Race im Ziel. Zunächst führte Bernard Moitessier das Rennen an, doch der Franzose verließ es frühzeitig. Knox-Johnston übernahm die Spitze.

Später, 1994, gewann er mit Peter Blake die Trophée Jules Verne. 2007 segelte er mit 68 Jahren noch einmal solo um die Welt, beim Vorgänger des heutigen Ocean Race. Mit 75 startete er noch mal einhand bei der Route du Rhum. Vom Offiziersanwärter in der Handelsmarine zur Ikone des Hochseesegelns.


Fabian Boerger

Fabian Boerger

Redakteur News & Panorama

Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.

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