Ein altes Klubhaus am Wasser. Unter der Decke hängen an einer langen Leine zusammengebunden Stander diverser Segelvereine. Pokale glänzen in zwei Vitrinen an der Wand. Die Fenster geben den Blick frei auf eine Steganlage. Drinnen um einen großen Tisch gruppiert sitzt ein gutes Dutzend Segelschüler über Prüfungsbögen gebeugt. „So, die Zeit ist um“, sagt einer der anwesenden Prüfer, „bitte geben Sie jetzt ab.“ Ein kollektives Seufzen geht durch den Raum. Geschafft! Aber auch bestanden?
Zwei Stunden später große Erleichterung. Keiner ist durchgefallen. Doch wie geht es jetzt weiter? Okay, die praktische Prüfung steht noch aus. Vorher werden die meisten noch einige Tage auf Übungstörns gehen. Dennoch: Ist der Schein erst einmal gemacht, ist längst nicht jedem klar, wann, wo, mit wem und ob er überhaupt ein nächstes Mal Segel setzt. Der Wille ist meist da, doch nicht selten fehlen die Mittel. Insbesondere ein eigenes Boot mag sich nicht jeder Segeleinsteiger auf Anhieb zulegen. Mitunter mangelt es dazu eh am Geld. Oder an Mitseglern. Oder an der erforderlichen Zeit, sich um ein Schiff zu kümmern.
Ein Grund, mit dem Segeln gar nicht erst weiterzumachen, ist das alles aber nicht. Es gibt eine Fülle an Möglichkeiten, ohne eigene Yacht in See zu gehen, und das mitunter sogar für vergleichsweise wenig Geld. Rainer Weber etwa segelt seit Jahren regelmäßig Kojenchartertörns unter verschiedenen Skippern mit. Zuletzt erkundete der 58-Jährige gemeinsam mit anderen Kojencharterern die Adriaküste. „Für mich ist das die ideale Art, Urlaub zu machen“, sagt Weber. „Ich liebe es, auf dem Wasser zu sein. Ein eigenes Boot würde sich für mich aber nicht lohnen. Außerdem gefällt es mir, immer wieder ganz neue Reviere entdecken zu können.“ Deutlich preiswerter ist es natürlich auch, eine Koje statt ein ganzes Schiff zu chartern.
Renate Jung ist, nachdem sie den Führerschein in der Tasche hatte, dem Segeln ebenfalls treu geblieben, obwohl sie kein eigenes Boot besitzt. „Ich bin in den örtlichen Segelverein eingetreten. Dadurch haben sich für mich viele Segelgelegenheiten ergeben.“ Sie könne, so Jung, sowohl auf die vorhandenen Vereinsboote zurückgreifen als auch mit Klubkameraden in Kontakt kommen. „Die nehmen mich immer mal wieder auf ihren Booten mit. Mancher Eigner ist über eine zusätzliche Deckshand froh.“
Es sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass es viele Wege aufs Wasser gibt. Interessierte sollten sich vorab überlegen, welche Präferenzen sie haben: Möchte man eher am Wochenende auf dem nächsten Binnenrevier ein paar Runden drehen? Oder steht einem der Sinn nach längeren Törns in entfernte Reviere? Ist man Fahrtensegler? Oder sucht man vielmehr den Adrenalinkick auf der Regattabahn? Letztlich entscheidet auch das Budget: Hand-gegen-Koje-Törns beispielsweise sind auch etwas für den schmalen Geldbeutel. Ebenso manche Boatsharing-Modelle. Kojencharter oder gar Eignergemeinschaften hingegen sind etwas kostspieliger.
Nachfolgend haben wir zusammengestellt, welche Angebote es von Vereinen, Institutionen und kommerziellen Anbietern gibt. Sie alle eröffnen ungeahnte Möglichkeiten.
Ein Weg, um den Einstieg in die spannende Welt des Segelns zu finden, ist die Mitgliedschaft in einem Segelverein. Neben solchen, die einen eigenen Schiffsbetrieb organisieren, sind auch Klubs ohne Vereinsschiffe interessant. Hier können Kontakte zu erfahrenen Seglern geknüpft werden. Außerdem haben selbst viele kleine Segelvereine eine Jüngstenabteilung. Im Opti oder später in der Jugendjolle entwickeln die Kinder und Jugendlichen frühzeitig Spaß am Segeln. Ein Segelverein in der Nähe findet sich fast überall in Deutschland. Eine Auflistung gibt es auf der Internetseite des Deutschen Segler-Verbands (dsv.org).
Daneben gibt es die großen deutschen, überregional bekannten Vereine. Einer ist der Hamburgische Verein Seefahrt. Er organisiert einen eigenen Hochsee-Schiffsbetrieb. Mit den drei Segelyachten „Störtebeker“, „Haspa“ und „Broader View Hamburg“ nehmen Crews des Vereins regelmäßig an großen Events wie dem Fastnet Race, dem Middle Sea Race oder dem Sydney Hobart Race teil. Ziel des Vereins ist es, jungen Seglern den Einstieg und die Ausbildung im Hochseesegeln zu ermöglichen.
Mit einem ganz ähnlichen Angebot richten sich zahlreiche akademische Segelvereine wie der ASV Hamburg oder der ASV Wismar gezielt an Studenten. Einfach mal an der eigenen Hochschule umhören, ob es eine entsprechende Segelabteilung gibt. Der Kieler Segel Club Baltic lockt ebenfalls mit einer großen Palette Vereinsbooten, darunter neben Optimisten und Jollen eine X-79, eine J/80 und ein Folkeboot.
Aufs Hochseesegeln setzt die Segelkameradschaft Wappen von Bremen (SKWB) mit ihren drei Vereinsyachten. „Unser Angebot richtet sich an Menschen jeden Alters, die sich fürs Segeln begeistern und die Erfahrungen im Hochseebereich sammeln wollen“, erklärt Michael Rapp, der Vorsitzende der SKWB. „Wir freuen uns immer über engagierte Leute.“ Die SKWB sei ein Ausbildungsverein, dessen Angebot ab einem Alter von 15 Jahren starte und quasi nie ende, so Rapp. Von den Bremern werden zudem Rundtörns angeboten, bei denen klassisches Fahrtensegeln auch in Urlaubsrevieren im Vordergrund steht. Rapp: „Um herauszufinden, ob die Hochseesegelei etwas für einen persönlich ist, bieten wir außerdem Schnupperwochenenden an.“
Auch andere Segelvereine haben mitunter eigene Boote, die nicht vor Ort am heimischen Steg liegen. Sondern zum Beispiel auf größeren Binnenrevieren, wie es sie in den Niederlanden gibt. Oder an der Ostsee, damit dort Vereinsmitglieder Küstentörns unternehmen können. Nicht zuletzt finden sich in vielen Vereinen oftmals Gleichgesinnte, die den nächsten Schein anstreben. Und die zu diesem Zweck zusammen büffeln und segeln.
Zwei Wochen lang in der Karibik segeln, sich dabei jeden Morgen an einen fertig gedeckten Frühstückstisch setzen – wer träumt nicht davon? Neben der für viele arg kostspieligen Bareboat-Charter, also der Miete einer kompletten Yacht, ist die Kojencharter längst zu einer gängigen Variante des Segelurlaubs geworden. Die ist nicht nur bezahlbarer. Man braucht sich auch um fast nichts zu kümmern. Der Profiskipper nimmt den zahlenden Gästen die Verantwortung ab!
Wer mag, kann in der Regel dennoch beim Segeln mitmachen. Kojencharter-Angebote gibt es vor allem in den sonnigen Fahrtgebieten wie dem Mittelmeer und der Karibik. Aber auch für die deutsch-dänische Ostseeküste lassen sich Angebote finden.
In diesem Revier ist zum Beispiel Charteranbieter Mola mit Kojencharter-Törns präsent. Ein namhafter Anbieter für die südlichen Gefilde ist Wolfgang Stuis (mitsegelnkroatien.de). Er war so ziemlich einer der ersten Kojencharter-Anbieter hierzulande und kann auf eine langjährige Erfahrung in dem Segment zurückblicken. Darüber hinaus finden sich im Internet auf den gängigen Online-Marktplätzen zahlreiche weitere Angebote.
Neben den großen Charterflottenbetreibern fahren zudem einzelne Schiffe Kojenchartertörns, meist mit sehr individueller Ausrichtung. Etwa die „Peter von Seestermühe“ von Christoph von Reibnitz, die „Charisma“ von Constantin Claviez oder die „Regina Laska“ von Leon Schulz. Meist ist auf diesen Schiffen aktives Mitsegeln angesagt, inklusive Wachegehen und Backschaft.
Die kostenlose Variante der Kojencharter heißt im Seglerjargon „Hand gegen Koje“ (HgK). Mitunter ist eine Beteiligung an der Bordkasse für Proviant, Liegegebühr und Diesel üblich. Erwartet wird vom Skipper, dass man tatkräftig bei der Schiffsführung mithilft. Interessenten sollten also seglerisch so fit sein, dass sie auch mal eine Wache übernehmen können. Häufig werden für lange Schläge Mitsegler gesucht, etwa für Transatlantiketappen.
HgK-Angebote gibt es in vielen Segelvereinen unter Klubkameraden. Doch auch in diversen Facebook-Gruppen finden Eigner und Mitsegler zusammen. Daneben gibt es spezielle Websites, zum Beispiel handgegenkoje.de oder oceancrewlink.com.
Warum ein eigenes Boot kaufen, wenn man sich eins mieten kann? Und das regelmäßig und zu vertretbarem Preis. Was auf der Straße funktioniert, funktioniert auch auf dem Wasser – Stichwort Boatsharing. Es gibt verschiedene Anbieter mit jeweils unterschiedlicher Organisationsform, Ausrichtung und Preisstruktur.
Einer ist die Segelgemeinschaft Hamburg (SGH). Der Verein betreibt auf der Außenalster je zwei Kielzugvögel und EFSix-Kieljollen. Außerdem bietet der Verein eine Mitseglerbörse an, ein Netzwerk, in dem auch der ein oder andere Ostseesegler zu Hause ist. Für einen Monatsbeitrag von 25 Euro plus 150 Euro Aufnahmegebühr können Erwachsene SGH-Mitglied werden. Jugendliche, Auszubildende und Studenten erhalten eine Ermäßigung. Die Mitglieder können die Boote dann so oft und lange nutzen, wie sie möchten.
In der Schweiz gibt es den Boatsharing-Anbieter Sailbox. Er ist vergleichsweise teurer. Die „Skipper Basic“-Mitgliedschaft kostet umgerechnet etwa 300 Euro pro Jahr, hinzu kommt eine einmalige Kaution von rund 1.000 Euro. Darüber hinaus kostet jede gesegelte Stunde in der Woche etwa 55 bis 65 Euro, an den Wochenenden sind es zehn Euro mehr. Sailbox-Boote gibt es an 13 Seen, wie beispielsweise am Lago Maggiore, am Vierwaldstättersee, am Zürichsee und auch am Bodensee. Gesegelt wird bei den Schweizern mit Booten vom Typ mOcean, einem Acht-Meter-Daysailer. Das Boot ist eigens fürs Boatsharing entwickelt worden und kann mit oder ohne Trapez gesegelt werden.
Udo Lang: Unser Angebot richtet sich in erster Linie an Menschen, die nach ihrem Feierabend in Hamburg auf der Außenalster segeln gehen wollen. Das können Leute sein, die selbst lange nicht mehr gesegelt sind, ein Schiff irgendwo, zum Beispiel an der Ostsee, liegen haben und dementsprechend nur die Wochenenden dort verbringen. Oder Menschen, die zum Studieren oder Arbeiten nach Hamburg kommen und als Ausgleich einen Platz suchen, an dem sie entspannt ihren Feierabend genießen können.
Zwei Boote können über eine Liste, die in der Stegkiste ausliegt, reserviert werden. Für die anderen beiden Boote gibt es einen Google-Kalender, in den sich unsere Mitglieder eintragen können. Die vier Klubboote liegen alle an der Steganlage von Bobby Reich. Von dort aus können unsere Mitglieder dann ablegen. Wir haben knapp 60 Mitglieder, von denen einige mehr, andere weniger Zeit haben. Es ist aber eigentlich immer ein Boot verfügbar, auch, um kurzfristig aufs Wasser zu gehen.
Ja, die sind bei uns immer wilkommen. Es gibt einige, die dann selbst in die SGH eintreten, weil ihnen die Atmosphäre bei uns so gut gefällt. Wenn Mitglieder Freunde oder Bekannte mitbringen, zahlen die pro Tag zehn Euro in unsere Gästekasse.
Das Geld reicht nicht für die Traumyacht? Darauf verzichten möchte man aber auch nicht? Dann könnte eine Eignergemeinschaft die Lösung sein. Die gibt es in unterschiedlichen Varianten, mal mit zwei, drei oder mehr Parteien. Die Rechnung ist dabei recht einfach: Wenn sich zwei Eigner ein Boot teilen, halbieren sich in der Regel auch sämtliche Kosten, vom Kaufpreis über die Liegeplatz- und Instandhaltungskosten bis hin zur Versicherungsprämie. Es gibt mittlerweile sogar Internetportale, die Interessenten an einer Eignergemeinschaft zusammenbringen. Auch am Schwarzen Brett vieler Segelvereine oder auf den gängigen Online-Marktplätzen finden sich des Öfteren Gesuche und Angebote für Eignergemeinschaften.
Sogar für Familien kann eine Eignergemeinschaft ein sinnvolles Instrument sein. Oft übernehmen dann die Eltern die laufenden Kosten eines Schiffs, während die erwachsenen Kinder ihren Teil in Form von Bootspflegearbeiten beitragen. Das entlastet die einen, weil sie körperlich nicht mehr so fit sind. Und die nachfolgende Generation kann die Segel setzen, ohne finanziell belastet zu werden.
Ob mit Fremden oder mit Familienangehörigen: Wichtig sind bei jeder Eignergemeinschaft klare Absprachen und Regeln sowie ein gewisses Maß an Toleranz und Kompromissbereitschaft.
Viele klassische Großsegler werden von Vereinen betrieben. Die sind fast immer auf der Suche nach engagierten Menschen, die Interesse daran haben, die Schiffe zu warten und zu segeln. Voraussetzung ist Begeisterung für altes Bootshandwerk.
Viele, meist größere Unternehmen haben Betriebssportgruppen mit eigener Segelabteilung, die Boote betreibt und manchmal auch Törns organisiert. Teils werden die Angebote in Vereine ausgegliedert, die dann sogar Firmenfremden offenstehen. Ein Beispiel ist die Segelgemeinschaft Hamburger Flugzeugbau, ein anderes der Lufthansa Sportverein Köln.
Immer gesucht sind junge ambitionierte Segler, die bereit sind, sich bei Seesegel-Wettfahrten auf die Kante zu setzen. Mitunter eine tolle Möglichkeit, die Welt zu entdecken. Kontakte meist über Vereine.