Prominente unter SegelnJohn F. Kennedy, der Präsident, der unter Segeln zur Ruhe kam

Antonia von Lamezan

 · 25.06.2026

Auf dem Wasser in seinem Element: John F. Kennedy an Bord der "Manitou" in der Narragansett Bay bei Newport, Rhode Island, am 26. August 1962.
Foto: GHI/Universal History Archive/Universal Images Group via Getty Images
Was viele über John F. Kennedy nicht wissen: Der spätere US-Präsident wurde nicht nur gelegentlich für die Presse auf Yachten gesehen, sondern wuchs mit dem Segeln auf. Sein erstes eigenes Boot, die „Victura“, blieb ihm ein Leben lang ein treuer Begleiter. Später nutzte Kennedy seine Yachten sogar als schwimmendes Oval Office für informelle Diplomatentreffen und als wertvollen Rückzugsort im politischen Ausnahmezustand.

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Der segelnde Präsident

Kaum ein Staatsmann ist so eng mit Bildern von Jugend, Dynamik und positiver Ausstrahlung verbunden wie John F. Kennedy. Als 35. Präsident der Vereinigten Staaten prägte er eine Ära, die nach nur rund 1.000 Tagen mit dem Attentat in Dallas 1963 abrupt endete. Jenseits der großen weltpolitischen Bühne gab es eine Konstante, die Kennedys Persönlichkeit schon lange vor seiner politischen Laufbahn prägte: seine tiefe Leidenschaft für den Segelsport. Boote waren für ihn keine bloße Medienkulisse, sondern ein unverzichtbarer Rückzugsort.

Lehrjahre auf Cape Cod

Die maritime Prägung begann in den späten 1920er Jahren, als die Familie Kennedy ein Sommerhaus in Hyannis Port auf Cape Cod bezog. Für den jungen John, genannt „Jack“ und seine Geschwister wurde der Nantucket Sound zu ihrem täglichen Revier.

Dahinter steckte jedoch kein bloßes Freizeitvergnügen, sondern das gezielte Erziehungsprogramm des Vaters Joseph P. Kennedy Sr. Er verlangte von seinen Kindern absolute Höchstleistungen und setzte das Segeln bewusst als Lernfeld für Ehrgeiz, Teamgeist und psychische Widerstandskraft ein. Bei jedem Wetter mussten die Geschwister aufs Wasser, um ein hohes Maß an seemännischem Können zu entwickeln.

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Das erste eigene Boot: Die „Victura“

Zu seinem 15. Geburtstag im Jahr 1932 schenkten ihm seine Eltern etwas ganz Besonderes: ein knapp 8 Meter langes Holzsegelboot vom Typ Wianno Senior. Kennedy taufte es „Victura“, lateinisch für „die Siegen wird“. Das Boot wurde zu seinem liebsten Besitz. John F. Kennedy verbrachte unzählige Stunden an Bord der „Victura“ und lernte die komplexen Strömungs- und Windverhältnisse des Heimatreviers zu lesen und zu beherrschen. Das Boot behielt er mehr als drei Jahrzehnte, bis zu seinem Tod.

Harter Wettkampf und Regatten

​Segeln entwickelte sich für Kennedy schnell zum ambitionierten Leistungssport. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Joe Jr. suchte er den direkten sportlichen Wettkampf. Die Brüder etablierten sich als feste Größe in der regionalen Regattaszene. Während ihrer Studienzeit an der Harvard-Universität setzten sie diese sportliche Laufbahn erfolgreich fort und gewannen unter anderem die ostamerikanische College-Meisterschaft.

Die Bewährungsprobe im Zweiten Weltkrieg

Die körperliche und mentale Widerstandskraft, die John F. Kennedy auf dem Wasser entwickelt hatte, wurde im Zweiten Weltkrieg auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Als Kommandant des hölzernen Patrouillenbootes „PT-109“ war er im Südpazifik im Einsatz, als das Boot in der Nacht vom 1. auf den 2. August 1943 von einem japanischen Zerstörer gerammt und versenkt wurde.

Mehrfach wird über die anschließende Rettungsaktion berichtet, dass Kennedy die Führung der überlebenden Besatzungsmitglieder übernommen habe. Dabei soll er mehrere Kilometer zu einer nahegelegenen Insel geschwommen sein und einen schwer verletzten Kameraden am Gurt seiner Schwimmweste durch das Meer gezogen haben. Kennedys Ausdauer im Wasser soll der Crew das Leben gerettet haben.

Das „Schwimmende Weiße Haus“

Nach seinem Einzug ins Oval Office im Jahr 1961 brachte Kennedy seine Leidenschaft für das Segeln ins Präsidentenamt ein. Zwei Schiffe wurden zu schwimmenden Außenstellen seiner Regierung:

  • Die „Honey Fitz“: Eine 28 Meter lange Luxus-Motoryacht, benannt nach dem Großvater seiner Frau Jackie. Sie wurde vor allem auf dem Potomac River und vor Cape Cod für familiäre und informelle Treffen genutzt.
  • Die „Manitou“: Eine 19 Meter lange, schlanke Segel-Yawl-Ketch von 1937, die die US-Küstenwache für den Präsidenten bereithielt. Kennedy nannte das Boot liebevoll sein „Schwimmendes Weißes Haus“. Damit die Regierung auch unter Segeln handlungsfähig blieb, wurde die klassische Yacht mit damals moderner Nachrichtentechnik ausgerüstet. Dazu gehörten UHF/VHF-Funktelefone und Chiffriergeräte, die eine direkte Standleitung zum Weißen Haus, dem Pentagon und dem Strategic Air Command (SAC) sichern sollten.

Während der schwersten Krisen des Kalten Krieges, vor allem während der Kuba-Krise 1962, bot das Segeln dem Präsidenten die seltene Gelegenheit, dem enormen Druck seines Amtes für einige Stunden zu entfliehen. So hielten auch Vertraute und politische Berater fest, dass Kennedy nach Aufenthalten auf dem Wasser sichtbar erholter und konzentrierter an die Verhandlungstische zurückkehrte.

Diplomatie auf dem Wasser und Demut vor den Elementen

Die Yachten dienten zugleich als Bühne für informelle Diplomatie. Abseits des strengen Protokolls in Washington empfing Kennedy wichtige politische Akteure wie den britischen Premierminister Harold Macmillan an Bord. Die Abgeschiedenheit auf dem Wasser erleichterte es, Blockaden in entspannter Atmosphäre zu lösen.

Die philosophische Verbundenheit zum Meer brachte John F. Kennedy im September 1962 in seiner berühmten Rede zur Eröffnung des America’s Cup in Newport vor den versammelten internationalen Crews zum Ausdruck:

[...] Ich glaube, das liegt daran, dass wir alle aus dem Meer stammen. Es ist eine interessante biologische Tatsache, dass wir alle in unseren Adern genau denselben Prozentsatz an Salz haben, der auch im Ozean existiert [...] Wenn wir zum Meer zurückkehren – ob zum Segeln oder zum Zuschauen – kehren wir dorthin zurück, woher wir kamen.“


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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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