Antonia von Lamezan
· 25.06.2026
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Kaum ein Staatsmann ist so eng mit Bildern von Jugend, Dynamik und positiver Ausstrahlung verbunden wie John F. Kennedy. Als 35. Präsident der Vereinigten Staaten prägte er eine Ära, die nach nur rund 1.000 Tagen mit dem Attentat in Dallas 1963 abrupt endete. Jenseits der großen weltpolitischen Bühne gab es eine Konstante, die Kennedys Persönlichkeit schon lange vor seiner politischen Laufbahn prägte: seine tiefe Leidenschaft für den Segelsport. Boote waren für ihn keine bloße Medienkulisse, sondern ein unverzichtbarer Rückzugsort.
Die maritime Prägung begann in den späten 1920er Jahren, als die Familie Kennedy ein Sommerhaus in Hyannis Port auf Cape Cod bezog. Für den jungen John, genannt „Jack“ und seine Geschwister wurde der Nantucket Sound zu ihrem täglichen Revier.
Dahinter steckte jedoch kein bloßes Freizeitvergnügen, sondern das gezielte Erziehungsprogramm des Vaters Joseph P. Kennedy Sr. Er verlangte von seinen Kindern absolute Höchstleistungen und setzte das Segeln bewusst als Lernfeld für Ehrgeiz, Teamgeist und psychische Widerstandskraft ein. Bei jedem Wetter mussten die Geschwister aufs Wasser, um ein hohes Maß an seemännischem Können zu entwickeln.
Zu seinem 15. Geburtstag im Jahr 1932 schenkten ihm seine Eltern etwas ganz Besonderes: ein knapp 8 Meter langes Holzsegelboot vom Typ Wianno Senior. Kennedy taufte es „Victura“, lateinisch für „die Siegen wird“. Das Boot wurde zu seinem liebsten Besitz. John F. Kennedy verbrachte unzählige Stunden an Bord der „Victura“ und lernte die komplexen Strömungs- und Windverhältnisse des Heimatreviers zu lesen und zu beherrschen. Das Boot behielt er mehr als drei Jahrzehnte, bis zu seinem Tod.
Segeln entwickelte sich für Kennedy schnell zum ambitionierten Leistungssport. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Joe Jr. suchte er den direkten sportlichen Wettkampf. Die Brüder etablierten sich als feste Größe in der regionalen Regattaszene. Während ihrer Studienzeit an der Harvard-Universität setzten sie diese sportliche Laufbahn erfolgreich fort und gewannen unter anderem die ostamerikanische College-Meisterschaft.
Die körperliche und mentale Widerstandskraft, die John F. Kennedy auf dem Wasser entwickelt hatte, wurde im Zweiten Weltkrieg auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Als Kommandant des hölzernen Patrouillenbootes „PT-109“ war er im Südpazifik im Einsatz, als das Boot in der Nacht vom 1. auf den 2. August 1943 von einem japanischen Zerstörer gerammt und versenkt wurde.
Mehrfach wird über die anschließende Rettungsaktion berichtet, dass Kennedy die Führung der überlebenden Besatzungsmitglieder übernommen habe. Dabei soll er mehrere Kilometer zu einer nahegelegenen Insel geschwommen sein und einen schwer verletzten Kameraden am Gurt seiner Schwimmweste durch das Meer gezogen haben. Kennedys Ausdauer im Wasser soll der Crew das Leben gerettet haben.
Nach seinem Einzug ins Oval Office im Jahr 1961 brachte Kennedy seine Leidenschaft für das Segeln ins Präsidentenamt ein. Zwei Schiffe wurden zu schwimmenden Außenstellen seiner Regierung:
Während der schwersten Krisen des Kalten Krieges, vor allem während der Kuba-Krise 1962, bot das Segeln dem Präsidenten die seltene Gelegenheit, dem enormen Druck seines Amtes für einige Stunden zu entfliehen. So hielten auch Vertraute und politische Berater fest, dass Kennedy nach Aufenthalten auf dem Wasser sichtbar erholter und konzentrierter an die Verhandlungstische zurückkehrte.
Die Yachten dienten zugleich als Bühne für informelle Diplomatie. Abseits des strengen Protokolls in Washington empfing Kennedy wichtige politische Akteure wie den britischen Premierminister Harold Macmillan an Bord. Die Abgeschiedenheit auf dem Wasser erleichterte es, Blockaden in entspannter Atmosphäre zu lösen.
Die philosophische Verbundenheit zum Meer brachte John F. Kennedy im September 1962 in seiner berühmten Rede zur Eröffnung des America’s Cup in Newport vor den versammelten internationalen Crews zum Ausdruck:
[...] Ich glaube, das liegt daran, dass wir alle aus dem Meer stammen. Es ist eine interessante biologische Tatsache, dass wir alle in unseren Adern genau denselben Prozentsatz an Salz haben, der auch im Ozean existiert [...] Wenn wir zum Meer zurückkehren – ob zum Segeln oder zum Zuschauen – kehren wir dorthin zurück, woher wir kamen.“

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