Lennart BurkeClass-40-Neubau nähert sich dem Finale

Tatjana Pokorny

 · 11.08.2022

Lennart Burke: Class-40-Neubau nähert sich dem FinaleFoto: Pogo Structures

Nach dem Mini-Transat ist vor dem Class-40-Einstieg: Das Neubauprojekt von Lennart Burke geht in die Endphase. Die Taufe findet voraussichtlich im Oktober statt. Beim Treffen mit YACHT online sprach Burke über seine Ziele, den guten Geist in der Class 40 und die eigene Karriere

Still, aber effizient treibt Lennart Burke seit März dieses Jahres seinen Class-40-Neubau bei Pogo Structures im französischen Sainte-Marine bei Combrit voran. Die von seinem Unterstützer Joachim Wünning dort in Auftrag gegebene Pogo 40s4 nähert sich der Vollendung. „Deck und Cap sind drauf“, berichtet Burke, der den Bau in regelmäßigen Abständen vor Ort begleitet. Aktuell herrscht in Frankreich Sommerpause. Ab September beginnt der Endspurt für das deutsche Boot in der französischen Werfthalle.

Die „Heirat“: Deck und Rumpf von Burkes künftiger Class 40 haben sich im Juli vereintFoto: Pogo Structures
Die „Heirat“: Deck und Rumpf von Burkes künftiger Class 40 haben sich im Juli vereint

Für die Teilnahme an der Route du Rhum mit Start am 6. November – das war immer klar – kommt der Burke-Neubau zu spät. „Die Vorbereitungszeit wäre zu kurz. Wir wollen das Projekt in guten kleinen und sicheren Schritten und nicht hektisch angehen“, erklärt Burke seine Pläne. Die Taufe der neuen Vierziger soll voraussichtlich im Oktober in Bénodet steigen, wo die meisten Kreationen von der Werft Pogo Structures zu Wasser gelassen werden. Nach einigen Tests und Trainingsschlägen in den Gewässern vor Lorient, wo gerade der Stapellauf von Boris Herrmanns neuer „Malizia – Seaexplorer“ stattgefunden hat, will Burke seinen Neubau dann in den portugiesischen Süden nach Cascais bringen und dort in besseren Bedingungen als im stürmischen und eisigen bretonischen Revier ein intensives Wintertraining absolvieren. Erste Regattateilnahmen sollen 2023 folgen.

Lennart Burke ist ein bemerkenswerter junger Mann. Der 23-jährige Jung-Profi ist kein Lautsprecher. Er verfolgt seine Ziele mit stiller Beharrlichkeit, hat für seinen Weg nicht nur den Ingenieur Joachim Wünning als segelbegeisterten und starken Förderer gefunden. Ein kleines, schlagkräftiges Team unterstützt den Stralsunder, der seit diesem Jahr in Hamburg lebt und neben seiner Mitgliedschaft im heimatlichen Stralsunder Segel-Verein im Frühjahr mit dem Umzug in die Hansestadt auch in den Norddeutschen Regatta Verein an der Alster eingetreten ist.

Hier ist der Class-40-Neubau schon fortgeschrittenerFoto: Pogo Structures
Hier ist der Class-40-Neubau schon fortgeschrittener

Noch kämpft Burke mit seiner Landmannschaft um weitere Partner für sein Class-40-Projekt, das ihn in den kommenden Jahren in die internationale Spitzengruppe bringen soll. Mit der Souveränität eines alten Hasen reflektiert der noch junge Mann die Frage danach, ob er sich im Fall des Ausbleibens weiterer potenter Projektpartner Sorgen machen muss: „Nein, ich beruhige mich selbst immer mit den vielen Möglichkeiten, die das Projekt bietet. Natürlich wünschen wir uns einen weiteren großen Partner, der die Möglichkeiten des Projekts jetzt sieht und einsteigt. Wir sind dazu aktuell mit zwei großen Unternehmen im Gespräch. Aber selbst, wenn das in diesem Jahr noch nicht klappen sollte, werde ich mich nicht heulend aufs Sofa werfen oder doch lieber studieren. Wir ziehen das durch, werden es schaffen. Ich glaube daran, dass der Tüchtige auf Dauer auch das Glück hat.“

Lennart Burke: „Die Leute in der Class 40 sind so: offen, freundlich, fast familiär“

Wo sich Burke in fünf Jahren sieht? „Ich wäre dann sehr gern in den Top Fünf der Class 40 angekommen. Das ist zumindest ein Ziel, dass ich gern verfolgen möchte. Was ich dann daraus mache, wird sich zeigen.“ Wie sehr die internationalen Klassenkameraden den sympathischen Deutschen bereits auf dem Zettel haben, zeigt sich unter anderem daran, dass einer wie Mini-Transat-Gewinner Ambrogio Beccaria ihn jüngst ansprach. Auch der Italiener blickt seinem Class-40-Neubau entgegen und fragte Burke, ob sie sich nicht treffen und über ihre Boote, technische Details und Pläne austauschen wollen. „Die Leute in der Class 40 sind so: offen, freundlich, fast familiär. Das ist ein wenig anders als beispielsweise bei den Figaros, wo zumindest in der Spitze ein sehr harter Wettbewerb stattfindet und sich die Leute eher weniger austauschen.“

Lennart Burke, hier noch vor seiner Mini-Premiere 2021 in der französischen Offshore-Wiege La Base vor dem überdimensionalen Konterfei von Frankreichs Segellegende Eric TabarlyFoto: tati
Lennart Burke, hier noch vor seiner Mini-Premiere 2021 in der französischen Offshore-Wiege La Base vor dem überdimensionalen Konterfei von Frankreichs Segellegende Eric Tabarly

Burke ist angekommen im nächsten Kapitel seiner noch jungen Profikarriere. Der Mini-Transat-Teilnehmer von 2021 hat die nächste Sprosse erklommen. Seinen bescheidenen Lebensunterhalt verdient sich der Neu-Hamburger auch mit Regatta-Engagements als Navigator wie beispielsweise auf Michael Graus „Guardamagi II“ bei der ORC-WM vor Sardinien im Juli. Zunehmend macht sich Burke einen Namen als erfahrener Seesegler und Navigator. Unterstützt wird er außerdem von einem Fan und Förderer erster Stunde: Dirk Weißendorn vom Boots- und Zubehörhändler Bootspunkt schätzt Burkes ruhige, aber entschlossene Herangehensweise. Burke selbst, der die neue Class 40 ab Herbst für „eine faire Summe“ von Auftraggeber Jochaim Wünning chartern wird, belohnt seine Beflügler mit Wertschätzung und Freude über das bislang Erreichte: „Es ist gerade der erste Neubau, den ich so intensiv begleiten und dann als Skipper segeln darf. Das ist so krass.“

Burke im Austausch mit Melwin Fink: „Wir sind glücklich mit unserer Ausbildung“

Zu Jahresbeginn war  Lennart Burke in LorientFoto: Lennart Burke Sailing
Zu Jahresbeginn war Lennart Burke in Lorient

Zum jeweiligen Weg und Werdegang tauscht sich Burke auch regelmäßig mit Melwin Fink aus. Zusammen mit dem Österreicher Christian Kargl hatten die beiden jungen deutschen Nachwuchs-Asse ihre Mini-Transat-Premiere bestritten. Während der erst 20 Jahre alte Melwin Fink nach seiner Havarie mit dem zweiten Mini-Neubau noch um einen zweiten Mini-Transat-Start 2023 kämpft, hat Burke den Sprung aus der Mini-Klasse in die Class 40 schon vollzogen. „Wir sind beide glücklich mit unserer Ausbildung bislang. Wir sind technisch gut und können gut segeln. Das lässt uns auf dem Markt gut dastehen. Das ist ja die Welt, in der wir unser Geld verdienen wollen“, beschreibt Burke das positive Zustandsgefühl der Aufsteiger.

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