KinoVier Jungs segeln planlos um die Welt

Jill Grigoleit

 · 19.03.2026

Vier Jungs aus Bayern gehen nach dem Abi auf Weltumsegelung - ohne Segelerfahrung.
Fotos: Filmwelt

Einfach lossegeln – ohne Erfahrung, ohne großen Plan, aber mit einer gehörigen Portion Mut - und vielleicht Naivität. Was wie eine fixe Idee klingt, ist die Grundlage für den Dokumentarfilm „Segeljungs - mit null Ahnung um die Welt“, der am 2. April 2026 ins Kino kommt. Er erzählt die Geschichte von vier Jungs aus Bayern, die nach der Schule statt Studium oder Ausbildung eine Weltumsegelung starten. Und zwar nicht mit jahrelanger Vorbereitung, sondern nach dem Motto: „Einfach machen“.

Nach dem Schulabschluss auf die Weltmeere

Tim, Vince, Michi und Tom aus dem bayerischen Bad Tölz haben nach der Schule eine Entscheidung getroffen, die viele Segler wohl als Hirngespinst abgetan hätten: Ohne nennenswerte Segelerfahrung kaufen sie ein Boot, jobben für die Reisekasse – und legen ab. Die Route: von der Ostsee über Nordsee und Atlantik in die Karibik, weiter durch den Pazifik, Südostasien und den Indischen Ozean bis zurück nach Europa. Fünf Jahre später stehen rund 40.000 Seemeilen und 38 bereiste Länder auf der Logge. Im Gepäck: etliche Terrabyte Videomaterial, von denen sie unterwegs bereits vieles mit ihren Fans auf Youtube geteilt haben. Nun kommt das von Filmemacher Tobias Steinigeweg zusammen geschnittene Material ins Kino.


Die Geschichte erinnert im ersten Moment an einen anderen Kinofilm, der vor fünf Jahren Premiere feierte und ebenfalls von einer Weltumsegelung einer vierköpfigen Crew erzählte. Der große Unterschied: Die Crew der “Peter Willemoes” hatte sich zwei Jahre lang intensiv auf auf ihre Reise vorbereitet, mit Sporthochseeschifferzeugnis, Übungsfahrten, Seekartenstudium und Routenplanung:


Ab April im Kino: Abenteuer, Rückschläge und Grenzerfahrungen

Der Trailer verspricht Nähe zur Realität des Fahrtensegelns, fernab von Hochglanz-Inszenierungen. Die Crew erlebt, womit auch viele Langfahrtsegler konfrontiert sind: schwere Stürme, technische Defekte, Materialbruch und psychische Belastungen.

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2019 berichtete die YACHT über den Zwischenstand der Reise:


Ein Motorschaden zwingt die Crew in Panama zum Abbruch der ersten Etappe. Zwei der vier Freunde steigen später aus. Am Ende führen Tim und Vince die Reise als Zweier-Crew zu Ende – ein Szenario, das viele Blauwassersegler nur zu gut kennen. Auch Begegnungen mit vermeintlichen Piraten, lange Passagen von bis zu 40 Tagen auf See und extreme Wetterbedingungen gehören zur Realität der Reise.

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Die Segelcommunity auf Social Media

Die Weltumsegelung verläuft in zwei Etappen – und auf zwei unterschiedlichen Yachten. Die erste, die „Eira“, muss nach technischen Problemen in Panama aufgegeben werden. Ein Fan stellt den Seglern daraufhin eine 57-Fuß-Aluyacht zur Verfügung: die „Arrya“. Mit ihr setzen sie ihre Reise fort – ein ungewöhnlicher, aber typisch moderner Aspekt dieser Geschichte, die stark von Social Media getragen wird. Denn finanziert wurde das Projekt größtenteils über eine wachsende Online-Community. Über 300 Videos dokumentieren die Reise – roh, direkt und authentisch.


Fünf Jahre nach ihrem Aufbruch sind die Segeljungs zwar nur noch zu zweit, aber dafür tatsächlich einmal um die Welt. In einem Interview mit der YACHT erzählten Vincent Goymann und Tim Hund damals von ihren Plänen nach der großen Reise:


Vom YouTube-Kanal ins große Kino

Aus mehr als 20 Terabyte Filmmaterial ist schließlich ein 118-minütiger Kinofilm entstanden. Regisseur und Cutter Tobias Steinigeweg formt daraus eine dramaturgisch dichte Abenteuerdokumentation, die bewusst mit klassischen Sehgewohnheiten bricht: Wackelige Kamera, unmittelbare O-Töne und ungeschönte Szenen sind kein Makel, sondern Stilmittel. Sie sollen das transportieren, was viele Hochglanzproduktionen vermissen lassen und was Social Media und Youtube-Kanäle so attraktiv macht: Authentizität. Auf ihrer Reise hatten sie immer mal einzelne Mitsegler dabei, vor allem aber waren stets Zehntausende virtuelle Mitsegler an Bord!

Erwachsenwerden auf hoher See

„Segeljungs“ ist dabei nicht nur ein weiterer Film über eine Weltumsegelung. Er ist vor allem auch eine Geschichte über Freundschaft, Selbstfindung und das Erwachsenwerden unter Extrembedingungen. Der Ozean wird zur Bühne für persönliche Entwicklung. Ein Aspekt, den viele Langfahrtsegler aus eigener Erfahrung bestätigen dürften. Gleichzeitig trifft der Film einen Nerv der Zeit und eine Sehnsucht, die sich in etlichen Social Media Kanälen widerspiegelt: den Wunsch nach Freiheit, nach Ausbruch aus vorgezeichneten Lebenswegen und nach echtem Abenteuer.

Die Crew auf Tour durch die Kinos

Ab dem 2. April gehen die jungen Protagonisten und Filmemacher auf deutschlandweite Kinotour (zu den Terminen) , bei der sie vor Ort von ihrer fünfjährigen Reise erzählen. Vor allem jene, die selbst vom großen Törn träumen, können hier ihre Fragen über Technik, Routenplanung, Fehler und Learnings, loswerden. Ob es ratsam ist, tatsächlich mit „Null Ahnung“ über den Atlantik zu segeln, darf jedoch nicht nur angezweifelt, sondern sollte klar relativiert werden. Ziemlich sicher ist der Titel bewusst dramatisch zugespitzt und die Jungs werden sich zumindest grundlegend auf ihre Reise vorbereitet haben. So sehr der Film den Mut und die Entschlossenheit der Protagonisten feiert, so sehr besteht auch die Gefahr, ein verzerrtes Bild vom Fahrtensegeln zu vermitteln. Denn die Realität auf See verzeiht keine grundlegenden Wissenslücken: Wetterkunde, Navigation, Technik und Sicherheitsmanagement sind keine optionalen Extras, sondern essenziell. Die Geschichte der „Segeljungs“ mag inspirierend sein – sie sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Weg auch von Risiken, Rückschlägen und einer steilen Lernkurve geprägt war. Für angehende Blauwassersegler kann der Film ein Anstoß sein, den eigenen Traum zu hinterfragen und zu konkretisieren, idealerweise mit der nötigen Vorbereitung, Respekt vor dem Meer und einem realistischen Blick auf die eigenen Fähigkeiten.

Mehr Infos zum Film auf Segeljungs.de


Weitere Kinofilme über Aussteiger und Weltumsegler:


Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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