Im Job wie im Ehrenamt: Stefan de la Motte sorgt dafür, dass alles und alle miteinander vernetzt sind. Der 63-jährige IT-Spezialist wirkt seit mehr als einem halben Jahrhundert im Ehrenamt für die weltgrößte Segelwoche. Das ist noch außergewöhnlicher als der weiße Spitz, der mit ihm und seiner Frau Marita in Strande gleich gegenüber vom Olympiazentrum Kiel-Schilksee lebt – der Herzkammer der Kieler Woche.
Stefan de la Motte ist in Strande groß geworden, hat dort die Grundschule besucht. Der Strand war seine Sandkiste, die Ostsee stets in Sicht, die Kindheit glücklich. Schon die Eltern lernten sich beim Segeln kennen, hatten bis ins hohe Alter immer kleine Boote, um die Sommer auf dem Wasser zu genießen.
Als Neunjähriger begann ihr Sohn, dem sie einen der Lieblingsvornamen seiner Generation gaben, kurz vor den Olympischen Spielen 1972 mit dem Opti-Segeln. Ein bisschen traurig war der kleine Stefan dann darüber, dass er für eine aktive Teilnahme an der Opti-Eröffnung der olympischen Regatta in Kiel noch zu jung war. Doch die Eröffnungsfeier erlebte der Grundschüler mit Begeisterung. Und die begleitete ihn in seinem weltbekannten Hausrevier auf der Kieler Förde bei allem, was er später ausprobierte.
Windsurfen war Mitte der 1970er-Jahre der Hit. „Da blieben die Leute noch stehen und schauten. Für mich, der hundert Meter vom Strand groß wurde, war es damals ein ganz natürlicher Sport“, erinnert sich Stefan de la Motte, der sich als Jugendlicher auch im Laser ausprobierte. Sein Trainer war Hermann Splieth, der maßgeblich an der Gründung der DGzRS am damals neu gegründeten Olympiazentrum im Kieler Stadtteil Schilksee beteiligt war. Mit dessen Sohn Jürgen Splieth war Stefan de la Motte viel auf dem Wasser unterwegs. Oder sie lungerten oben bei der Balustrade im Olympiazentrum herum, wo der DSV sein Büro hatte.
So kamen sie auch zur Kieler Woche: 1975 halfen die Jungs erstmals bei der Materialausgabe für die Startschiffe. 50 Jahre später feierte Stefan de la Motte im vergangenen Jahr ein halbes Jahrhundert als ehrenamtlicher Helfer der Grande Dame der großen internationalen Regattaserien. Inzwischen allerdings längst nicht mehr in der Rolle des begeisterten „Balljungen“.
Nach der Schule war es Stefan de la Motte wie vielen ergangen: Ausbildung und Karrierestart ließen das Segeln in den Hintergrund treten. „Ich bin ein paar Jahrzehnte nicht mehr aktiv gesegelt“, sagt er. Stattdessen folgten der Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann die Zeit bei der Bundeswehr und 1986 der Einstieg ins elterliche Unternehmen, eine NKL-Lotterieannahmestelle mit modernem Reisebüro, das er viele Jahre mit dem Vater betrieb.
Damals schon war die IT das Steckenpferd von Stefan de la Motte. Später wechselte er als Vertriebler zu einer Hotelkette, die so schnell wuchs, dass er sich dort nur noch auf die IT konzentrierte, die er heute noch für eine internationale Hotelgruppe in deren deutschen Häusern betreut. Hard- und Software sind auch die Zutaten, die im Ergebnisdienst der Kieler Woche laufen müssen. Dafür sorgen Stefan de la Motte und ein dreiköpfiges Team jedes Jahr im Juni.
Einst auch mitbeflügelt von Otto „Ötte“ Schlenzka, dem früheren Vorsitzenden und späteren Kommodore des Kieler Yacht-Clubs, er möge aus seinem Talent für die IT etwas im Segelsport machen, erlebte de la Motte die Aufbruchzeiten des Computerzeitalters – und prägte sie bei der Kieler Woche mit. Er schrieb sein erstes Auswertungsprogramm als 16-Jähriger und setzte es 1979 bei einer Windsurfregatta im Rahmen der Kieler Woche ein.
Im Laufe der Jahrzehnte hat der Autodidakt IT-Entwicklungen kommen, scheitern oder sich bewähren sehen und dabei die Kieler Woche, ihre Segler und Fans miteinander verbunden. Ob er sich in früheren Zeiten mit Funkproblemen herumschlug, weil gerade 50 Trainer ihre Funkgeräte angeschaltet hatten, oder 50 ausrangierte Mobilcom-Computer à zwölf Kilogramm aufstellte, damit jeder arbeiten konnte. Ob er noch mit Hubs und Switches hantierte oder sein Team heute stark von WhatsApp-Gruppen profitiert – unaufgeregtes Multitasking war und ist die Stärke von Stefan de la Motte, der auch bei der Entwicklung des Regattamanagement-Systems und Ergebnisdienstes manage2sail mitwirkte, „damit man nicht jedes Mal wieder von vorne anfangen muss“.
Für die möglichst schnelle Übermittlung der Ergebnisse von See, so de la Motte, habe man „bei der Kieler Woche vieles probiert“, sei aber inzwischen dazu übergangen, die Listen auf dem Wasser zu schreiben. Vor dem Hintergrund, dass jeder mit einem Handy umgehen könne, sei die Technik „zwar nicht hochsexy, aber stabil“.
Diese Ergebnisse werden dann an Land geschickt und dort per Hand bei manage2sail eingetragen. Direkt als „vorläufig“, nicht wie früher erst nach vielen Stunden der Überprüfung, des Abwartens von Jury-Entscheidungen und der Korrekturen. Gibt es nach dem Check doch Korrekturen, dann werden die in zweiter Runde umgesetzt.
Den Kontrast zu seiner Arbeit im Job und im Ehrenamt zur Kieler Woche oder auch im Freundeskreis Klassische Yachten bildet für Stefan de la Motte seit 2010 sein acht Meter langer alter Ostseekreuzer namens „Gothje“ von 1935. „Wenn ich da an Bord bin, habe ich die Welt spätestens nach der Hafenausfahrt verlassen und bin in einem anderen Universum“, schwärmt er.
Längst selbst ein Klassiker-Experte, Liebhaber und Förderer, ist Stefan de la Motte auch in diesem Jahr Ansprechpartner für das Rendezvous der Klassiker, eine Regatta der betagten Schönheiten zum Kieler-Woche-Auftakt vom 18. bis 20. Juni auf der Förde. Auch engagiert er sich für die alle vier bis fünf Jahre stattfindende Classic Week. Über diese Leidenschaft sagt er: „Ein solches Boot kann man im Gegensatz zu meiner Arbeit anfassen. Wie alte Autos hat es Ausstrahlung, augenschmeichelnde Formen.“
Auf die Frage nach einem Traum, den er sich noch verwirklichen möchte, kommt eine ebenso schöne wie bescheidene Antwort: „Ich würde gerne mal mit unserem Boot im Kopenhagener Stadthafen liegen.“
Während der Kieler Woche bekommt Stefan de la Motte seine „Gothje“ aber fast genauso selten zu sehen wie die Förde, obwohl sein Büro im Regattahaus im Herzen des Olympiazentrums Kiel-Schilksee nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt liegt. Läuft die Wonnewoche nämlich erst, ist sein Reich das Büro für den Ergebnisdienst und die Vernetzung von allem und allen.

Freie Reporterin Sport
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