Das Fest von Kiel steht bevor, die größte Segelveranstaltung der Welt. Segelveranstaltung? Die Kieler Woche ist weit mehr: Drei Millionen Besucher werden erwartet, 436 Veranstaltungen listet das Programm auf, dessen Kategorien von Bühne über Kunst bis zur Wissenschaft führen, Segeln ist eine von 13 Rubriken. 34 Veranstaltungsorte sind eingerichtet. „Wasser und Land: Das ist die Kieler Woche“, so wirbt denn der Event für sich.
Tatsächlich zieht es immerhin 400.000 segelinteressierte Besucher direkt ins Olympiazentrum. Dort treffen sie auf rund 4.000 Aktive aus über 50 Nationen, die in 21 Klassen auf zwölf Regattabahnen um die Plätze segeln.
Auch in einem nicht olympischen Jahr wie 2026 versprechen die Wettkämpfe spannenden Sport. Immerhin finden im Rahmen der Kieler Woche die Weltmeisterschaft der Flying Dutchmen statt, die Internationalen Deutschen Meisterschaften Inshore und Doublehand sowie viel Action in vielen schön unterschiedlichen Bootsklassen. Vom Windjammer bis zum foilenden Kat zeigt die Kieler Woche den Segelsport in seiner ganzen Bandbreite und macht damit Werbung für das, was wir alle lieben.
Im ersten Teil der Kieler Woche starten die Olympiaklassen. Für die Crews ist es ein weiterer Schritt zu den Spielen von Los Angeles 2028. Der zweite Teil der Riesenregatta bietet die größte Vielfalt im Revier. Vom gleitenden Jugendboot bis zum betagten Flying Dutchman ist alles dabei. Diese olympischen und internationalen Klassen starten vor Kiel.
Zu einem der Standards der Veranstaltung gehört seit vielen Jahrzehnten das Plakat der Kieler Woche – mit fast schon ikonischem Status. Schlicht blau oder bunt, mal mehr, mal weniger abstrakt, aber immer mit unverwechselbarer Bildsprache ist es im wahrsten Sinne das jährlich wechselnd gestaltete „Aushängeschild“. Kunst als Identifikation, an den Ufern der Förde und weit darüber hinaus, als Zeichen internationaler Verbundenheit.
Keine Segelserie ist so vielfältig wie die Kieler Woche. Es starten Jollen, Big Boats, Windjammer oder Marinekutter. Doch wer segelt wo? Ein Überblick.
Ein Höhepunkt der Kieler Woche ist traditionell die Windjammer-Segelparade. In diesem Jahr versammeln sich Hunderte Traditionssegler, Sport- und Freizeitboote am 27. Juni in der Innenstadt, bevor es in prächtigen Feldern auf die Förde rausgeht. Gestartet wird um 11 Uhr in der Innenförde, etwa zwischen Wik auf dem Westufer und Mönkeberg auf der Ostseite. Im Kieler-Förde-Revier werden an diesem Tag mehr Schiffe als an irgendeinem anderen Tag im Jahr zu sehen sein. Bis zum frühen Nachmittag passiert die Flotte die imaginäre Ziellinie zwischen den Leuchttonnen 5 und 6. Beste Zuschauerplätze bieten die umliegenden Strände wie das Falkensteiner Ufer. Wer mag, ist als Charter-Gast oder mit dem eigenen Boot auf dem Wasser dabei.
Es war der segelbegeisterte Kaiser Wilhelm II., der die Weichen für die Kieler Woche mit seiner Leidenschaft mit stellte. Warum der letzte deutsche Kaiser und König sich so für die Kieler Segelaktivitäten einsetzte, wusste Reichskanzler Fürst von Bülow: „Nirgendwo war er zufriedener als hier.“
Seit ihrer Premiere am 17. Juni 1882 ist die Veranstaltung – mit einigen Unterbrechungen – stets auch ein Spiegel ihrer Zeit. So waren es berühmte Yachten wie die kaiserliche „Meteor IV“ und die „Germania“, die mit ihren denkwürdigen Duellen nicht nur eine goldene Epoche des deutschen Yachtbaus einläuteten, sondern auch die Kieler Woche kurz nach der Jahrhundertwende prägten.
Der Kriegsausbruch 1914 beendete das erste große Kieler-Woche-Kapitel. Erst 1920 kommt das Segelfestival mit 54 Yachten wieder langsam in Fahrt. Bis 1933 erkämpft sich die Regatta mit 133 Startern Größe und Internationalität zurück, bevor sich der Himmel über Deutschland nach der „Machtergreifung“ wieder verdunkelt. 1936 wird die olympische Regatta auf der Förde zelebriert.
Die erste Kieler Woche nach dem Zweiten Weltkrieg findet 1948 statt. Das neue Fundament legen der Kieler Yacht-Club, der Norddeutsche Regatta Verein, der Hamburger Segel-Club und der Verein Seglerhaus am Wannsee. 1964 nehmen schon wieder 230 Boote teil, darunter 165 internationale aus 24 Nationen. 1972 wird zum zweiten Mal eine olympische Regatta und erstmals eine große Windjammerparade in Kiel ausgerichtet.
Eine enorme Veränderung brachte die Teilung in eine olympische und eine internationale Hälfte 1993. Bis zu 5.000 Teilnehmer und 2.000 Boote waren in den Hochzeiten zu viele, um gleichzeitig zu segeln. Giganten wie Willy Kuhweide, Paul Elvstrøm, Dennis Conner, Jochen Schümann, Russell Coutts, Sir Ben Ainslie oder Peter Burling verliehen der Veranstaltung viel Glanz. Rekordhalter ist mit Wolfgang Hunger aber ein Kind Kiels: Der 62-jährige dreimalige Olympiateilnehmer hat die Kieler Woche sagenhafte 24 Mal gewonnen und die Hoffnung auf den 25. Titel nicht aufgegeben. So oder so bleibt er auf unabsehbare Zeit der König an der Förde.
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.