Glosse Wolffs RevierVon putzwütigen Eignern und erstaunten Frauen

YACHT-Redaktion

 · 05.11.2022

Glosse Wolffs Revier: Von putzwütigen Eignern und erstaunten FrauenFoto: YACHT/F. Gunkel
Die Autorin Steffi von Wolff

Ein dreckiges Boot ist eine Schande, da sind sich wohl die meisten einig. Wo aber liegt die Grenze zwischen dreckig und sauber? Manche Bootseigner entwickeln da offenbar einen ganz besonderen Ehrgeiz

Das Leben an Bord einer Segelyacht und in den Häfen bietet so manch skurrile Begegnung. Autorin Steffi von Wolff erzählt in ihrer Glosse Wolffs Revier regelmäßig von ihren Erlebnissen als Bordfrau. Nicht immer ernst gemeint, oft satirisch überspitzt, aber immer mit viel Herz und einem Augenzwinkern. Dieses Mal geht es um putzwütige Bootseigner.

Von Lappen, Bürsten und Putzmitteln

Anfangs dachte ich, Mäuse seien an Bord, wenn ich an einem Sonnabendmorgen um halb sieben von einem leichten Kratzen geweckt wurde. Das ist lange her. Mittlerweile weiß ich, dass mein Mann schon wach ist und den Morgentau nutzt, um auf dem Boot herumzufeudeln, als bekäme er es bezahlt.

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Mit einem Schwämmchen kriecht er auf dem Deck herum, um den Schmutz der Nacht zu entfernen.

Dann ist alles schön aufgeweicht und löst sich besser“,

sagt er dann, und ein frisch gezapftes Bier könnte ihn nicht glücklicher machen.

In einer der Backskisten steht eine große Klappbox, in der sich seine Utensilien befinden: Mikrofaserlappen in Pastellfarben, runde Lappen, sechseckige rosa Lappen, grün-weiß gestreifte Schwämme, rote Lappen in Segelbootform, schwarze Bürsten in drei Größen, auch eine Akkubürste, die aussieht wie eine riesige Zahnbürste, „mit der kommt man prima in die Ecken“. Dann gibt es Trockentücher in allen Maßen und Farben, es gibt Glasreiniger, Superglasreiniger, Scheuermilch, Sattelseife, eine Seife aus La Rochelle fürs Deck (eigentlich ist es Menschenseife und sie ist sehr teuer, aber ich darf sie nicht benutzen), Gallseife, Allzweckreiniger, Bodenreiniger, Allzweckbodenreiniger, Gallseifenallzweckbodenreiniger und Reiniger für alles. Er hortet Powerschaum, Superpowerschaum und Powerschaum für fast alle Kunststoffoberflächen, nur keine empfindlichen, da gibt es soften Schaum, und wenn man ihm eine Freude machen möchte, so schenkt man ihm einfach ein Fensterleder oder einen Wischmopp mit Teleskopstab und vier verschiedene Reiniger.

Ja. Mein Mann ist ein Putzteufel. Als ich ihn kennenlernte und zum ersten Mal mit ihm auf dem Boot war, dachte ich, er würde unter einer Mysophobie leiden, und bekam schon Angst, mit einem Schmutzphobiker liiert zu sein. Andererseits war das ja auch nicht schlecht, denn ich selbst putze nicht gern.

Es gibt nur einen Haken: Seine Putzsucht beschränkt sich auf sein Schiff. An Hafentagen kann es gut sein, dass er um sechs Uhr anfängt zu feudeln, gegen acht Uhr das Bad in eine Ibiza-Schaum-Party verwandelt, und nach dem Frühstück wird das Geschirr sofort abgewaschen, damit nichts eintrocknet, und wenn es doch mal passiert, gibt es einen Krustenentferner „superclean“. Zu Hause ist das nicht so. Er hat noch nie den Staubsauger geleert oder die Badewanne geputzt, was gern mit den Worten „ist doch noch sauber“ erklärt wird.

Auf dem Boot ist auch alles sauber, aber er feudelt und feudelt und ist so unglaublich glücklich, wenn er wienern kann und neue Putzmittel besorgt hat. Gibt es einen neuen, noch nie da gewesenen,

Aktivschaumalleswirdblitzeblankundniemehrstreifigreiniger

auf dem Markt, landet er auf unserem Schiff.

Ich war beinahe erleichtert, als wir bei Freunden zu Besuch auf deren Boot waren und Andreas diverse Putztücher zum Einsatz brachte, mit denen er hinter mir her wischte. Hob ich die Kaffeetasse zum Trinken an, kam er mit einem extra saugfähigen Tuch angeschossen, um eventuelle Ränder wegzufeudeln. Stand ich auf, wurde das Polster mit einer Fusselbürste gereinigt.

Er weiß noch nicht mal, wo zu Hause der Eimer steht“,

gestand mir seine Frau Susanne. „Aber hier dreht er durch.“ Eine andere Seglerin erzählte mir, dass ihr Mann nicht wollte, dass sie ihre Haare an Bord bürstete, und man durfte nur mit so Schuhüberziehern an Bord kommen, was zur Folge hatte, dass alle auf dem stets frisch gefeudelten Boden ausrutschten und hinfielen.

Schuhüberzieher? Die brauchen wir auch!“,

sagte mein Mann, als ich ihm davon erzählte.

Nun haben wir weiße, gelbe und rote Schuhüberzieher, Powerspray fürs Reinigen der Überzieher, und ich überlege, meinem Mann einfach so mal eine überzuziehen. Meine Bedenken, dass das vielleicht nicht richtig ist, feudele ich einfach weg.

Schönes Wochenende!



Das Segel-Buch von Steffi von Wolff:


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