Steffi von Wolff
· 20.05.2026
Unsere Bordheizung hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Karriere hingelegt. Sie wurde von uns mehrfach in die Werkstatt gebuckelt, hat im Zuge dessen mehrere Hundert Euro verschlungen, zwischendurch bei uns die verzweifelte Hoffnung auf vollständige Genesung geweckt, aber dann ist sie wieder zusammengebrochen wie ein Marathonläufer mit akuter Sinnkrise.
Der Höhepunkt war die Steuerung. „Hm“, sagte der Werkstattmann mit dem ölverschmierten Overall und dem Blick eines Chirurgen, kurz bevor er uns über die schon angefallenen Kosten informierte. 400 Euro, das mal nur am Rande. „Theoretisch müsste sie jetzt aber wieder laufen.“ „Theoretisch“ ist ein sehr gefährliches Wort, wenn es um Heizungen geht, das habe ich mittlerweile verinnerlicht.
Mein Mann baute die theoretisch funktionierende Heizung ein. Sie funktionierte weder theoretisch noch sonst. Mein Mann baute sie wieder aus und begutachtete sie wie ein Neugeborenes, mit dem man überfordert ist.
Praktisch sieht es mittlerweile so aus: Wir haben mehrere Ersatz-Heizarten: Eine elektrische Infrarotheizung. Einen Heizlüfter. Einen Ethanolkamin. Und noch dazu einen Petroleumofen, der das Leben unter Deck in eine Art Sahara verwandelt. Auch heute wieder. Es ist April und noch sehr kalt. Dennoch: „Es ist warm“, sage ich, noch tapfer. Keine Antwort. „Es riecht“, sage ich. „Ja, nach Abenteuer.“ Himmel, ist er wieder lustig heute. „Es riecht nach Tankstelle.“ Mein Tonfall ist nun eine Mischung aus Vorwurf und „Noch ein bisschen und ich gehe“. Aber das zieht nicht.
„Geht doch auch ohne eingebaute Heizung“, sagt mein Mann. „Wir haben ja Alternativen.“ – „Eine neue …“ – „Nein, die ist mir zu teuer dafür, dass sie dann wieder nicht funktioniert.“ Männliche Logik. Man muss sie mögen. Und man gewöhnt sich an alles. Sogar daran, nachts aufzuwachen und mit klopfendem Herzen zu überlegen, ob das Geräusch jetzt der Wind ist oder ein umgekippter Heizlüfter, der beschlossen hat, die Polster in Brand zu setzen.
Bei Jan und Mel ist die Bordheizung auch ausgefallen und bei Heiner und Sunny ebenfalls. Man munkelt am Steg schon, dass ein Virus umgeht.
Eine neue Heizung ist schweineteuer, deswegen überlegen wir wegen der Alternativen alle weiter hin und her, kommen aber alle immer wieder zum selben Schluss: „Es geht nichts über eine Dieselheizung.“ Ist so. Wir hatten ja eine. Rein theoretisch. Denn auch untheoretisch … Aber davon erzählte ich schon.
„Ich versuche die Reparatur selbst“, beschließt mein Mann. Und so kommt dann dieser Moment, in dem man nachts im Salon sitzt, umgeben von Kabeln, Verlängerungen und einem Heizlüfter, der klingt wie ein startender Hubschrauber, und denkt: Das kann doch nicht der Stand der Technik sein. Nichts funktioniert auch nur ansatzweise. Aber eine neue Bordheizung ist viel zu …
Ich weiß nicht mehr, wer irgendwann das böse Wort sagte: „Temu!“ Temu geht auf gar keinen Fall. Temu ist ein Einzelhandelskiller, Temu verführt, Temu macht angeblich süchtig, Temu hat alles, wahrscheinlich auch Dinosaurier und Kernkraftwerke, aber vor allen Dingen hat Temu eins: mit den Originalen aus dem Westen baugleiche Heizungen! Aber, und nun kommt der Temu-macht-abhängig-Haken: für einen Bruchteil des Geldes, das die Heizungen bei einem deutschen Heizungsbauer kosten. 100 Euro statt 1.000!
Trotzdem: „Nein“, das ist das erste und auch das letzte Wort, das ich dazu äußere. Die anderen Damen sind auch meiner Meinung, die Herren selbstredend nicht. „Einen Versuch ist es wert“, meint Heiner pragmatisch. „Stellt euch mal vor, sie funktioniert! Ich bestelle gleich drei!“
„Ich auch!“, schreien mein Mann und Jan. „Hört gut zu“, sagt Heiner, der das Infoblatt liest. „Das glaubt ihr nicht. Aber ernsthaft. Dieselheizung. Acht Kilowatt. Nur 109 Euro.“ – „Das ist doch bestimmt illegal“, versuche ich abzuwehren.
Es wird abgewinkt. Die Mauer war letztendlich auch illegal, aber hat das im Osten jahrzehntelang irgendjemanden von den „Eignern“ gestört? Eben.
„Hört gut zu“, sagt Heiner wieder und faselt weiter. Die Beschreibung hört sich an wie ein Liebesbrief an durchgefrorene Segler: Heizt 20 bis 25 Quadratmeter in zehn Minuten. Verbraucht kaum Diesel. Läuft 16 Stunden durch. Fernbedienung. Display.
„Ich mache das nicht mit“, sage ich, und die anderen Frauen nicken. „Müsst ihr ja nicht, wir bestellen sie ja.“ Die männliche Logik ist unbezahlbar. So wie die legale neue Heizung es eigentlich wäre.
Zwei Wochen später – Temu versendet ja total klimaneutral und nachhaltig und die Ware wird auf Schiffen (dann kann Temu ja nicht so schlecht sein) transportiert. Tausende von Seemeilen. Und dann stehen sie da, die Schöpfer des Universums. Vor ihnen liegen die Kartons auf dem Steg. Man könnte meinen, wir eröffnen einen Heizungs-Großhandel. „Nun“, sage ich und nicke Heiner zu, „dann baut sie mal ein. Machst du zuerst?“ – „Ich? Bist du wahnsinnig? Stell dir vor, die funktioniert nicht! Dann hab ich den ganzen Kram eingebaut und kann ihn wieder rausreißen. Nee.“ Jan nickt zustimmend. „Ich warte auch erst mal.“ – „Vielleicht explodiert sie“, sagt mein Mann. „Bei Temu kann man bestimmt mit allem rechnen.“
Am nächsten Tag: Stegversammlung. „Also rein technisch“, beginnt Heiner und sieht sehr technisch aus, „hat die ja 8 kW.“ – „Das ist viel“, mein Mann nickt. „Und 12 und 24 Volt“, ergänzt Jan. Wieder Stille. Dann schaut mein Mann mich an. „Mach du doch einfach“, sagt er. „Warum ich?“ – „Na, weil du nichts dafürkannst.“ – „Was?!“ – „Wenn sie bei dir nicht funktioniert, dann ist uns das nicht passiert.“
„Ich kann keine Heizungen einbauen.“ – „Das denkst du nur, das ist Learning by Doing“, sagt Heiner. „Ich öffne jetzt einen Karton“, sage ich tapfer. „NICHT!“, kommt es aus drei Kehlen und ich werde mit schreckgeweiteten Augen angeguckt. „Wenn das nicht funktioniert …“
Letztendlich haben wir die Pakete doch aufgemacht und mussten feststellen, dass sich in der Umverpackung die falschen Waren befanden. Keine Heizungen, sondern Boiler. Für Boote. „Na, dann ist ja alles im Lot“, freuen sich die Männer sinnfrei, „wir müssen nichts zurückschicken und haben neunfachen Ersatz, falls bei uns die Boiler kaputtgehen. Da haben wir neunfach gespart.“ Aha.
Was denn mit der Heizung nun sei, will ich wissen. „Da denken wir noch mal drüber nach. Aber in jedem Fall ist es gut, dass wir uns mit der Thematik auseinandersetzen.“
„Es ist schon der Hammer“, sagt Jan, „in dem Flyer hier steht: ‚Bleiben Sie überall warm: Unsere Dieselheizung eignet sich für Höhen unter 3.000 Metern und funktioniert problemlos bei Umgebungstemperaturen von −40 °C bis +40 °C. Ob in großer Höhe oder in Gegenden mit niedrigen Temperaturen, diese Dieselheizung kann einfach in Ihrem Auto installiert und befestigt werden und sorgt überall für konstante Wärme.‘ Das heißt“, sagt er: „Wenn sie im Boot nicht funktioniert, können wir sie für unsere Autos nehmen.“
„Da haben wir doch Heizungen“, entgegne ich. „Davon abgesehen funktioniert eine kaputte Heizung nirgendwo.“
Jan blitzt mich böse an. „Dann halt nicht!“
Ich habe die Sache dann heimlich in die Hand genommen und drei Original-Heizungen bestellt. So wie sich das gehört. Als sie ankommen, werde ich kurz gerügt. Und dann? „Also eigentlich müsste man ja …“ – „Vielleicht ist ja wieder was Falsches drin …“ – „Eben. Aber vielleicht auch nicht.“
Und dann, jedes Mal, ganz leise, fast wie ein Gebet: „Aber du machst dann zuerst.“ Wahrscheinlich hoffen sie, dass Samoware geliefert wurden. Man darf weiter gespannt sein.

Freie Autorin