Fabian Boerger
· 22.08.2026
Starkwind, Windparks und Schlafentzug: Philipp Hympendahls Qualifikation für die Global Solo Challenge hatte es in sich. Von Cuxhaven aus umrundete er im Uhrzeigersinn Großbritannien und Irland, passierte die Scilly-Inseln, die Hebriden und die Shetlands und kehrte schließlich wieder nach Cuxhaven zurück. Am Samstagabend erreichte er wieder den Stadthafen, von wo er genau vor drei Wochen, am 1. August, gestartet war.
Bei der Reise ging es dabei um mehr als die vorgeschriebene Distanz von 2.000 Seemeilen. Hympendahl wollte herausfinden, ob die Anfang 2026 gekaufte Sigma 36 das Potenzial für eine Nonstop-Weltumsegelung hat und welche technischen Verbesserungen noch nötig sind. Sein Urteil nach dem ersten großen Hochseetest fällt selbstbewusst aus. Im Gespräch mit der YACHT sagte Hympendahl:
„Ich kann mit diesem Boot sogar die Regatta gewinnen, aber ich brauche dafür ein gewisses Budget.”
Bis die erfolgreiche Qualifikation für die Global Solo Challenge offiziell ist, muss der gesegelte Törn noch vom Veranstalter anerkannt werden.
Für Philipp Hympendahl ist es der zweite Versuch, an dem Nonstop-Rennen um die Welt teilzunehmen. Zeitdruck und unerwartete Probleme mit dem Boot, einer Comfortina, die er für das Rennen kaufte, ließen das Projekt beim ersten Versuch 23/24 scheitern. Anschließend kaufte Hympendahl sein früheres Boot zurück. Mit dieser „African Queen“ überquerte er den Atlantik und segelte 2025 erstmals einhand rund Großbritannien und Irland.
Im Winter 2025/26 kündigte Hympendahl seinen zweiten Anlauf bei der Global Solo Challenge an. Anfang 2026 kaufte er dafür die rund elf Meter lange Sigma 36 und verkaufte sein bisheriges Boot. Auch das neue Boot trägt mittlerweile den Namen „African Queen“. In den folgenden Monaten baute Hympendahl die Sigma 36 weitgehend selbst für das Einhandsegeln um. Die erneute Runde um die Britischen Inseln war der erste große Praxistest des Bootes.
Von Cuxhaven aus nahm Philipp Hympendahl zunächst Kurs auf die Shetland-Inseln. Starke Winde veranlassten ihn, seine Planung zu ändern und die Britischen Inseln im Uhrzeigersinn zu umrunden. Wie in 2025, doch dieses Mal gelang ihm auch die Passage um die Shetlands. Neben den wechselnden Wetterbedingungen habe ihn vor allem der Schiffsverkehr und zahlreiche Windparks gefordert, sagt er. Hinzu sei der anhaltende Schlafmangel gekommen, der auf einem solchen Solotörn zu den größten Belastungen gehört.
Vor allem am Wind und auf Halbwindkursen habe ihn die „African Queen“ überzeugt, berichtet Hympendahl. Auch auf tiefen Kursen sieht er Potenzial, sofern ihm die passende Segelgarderobe zur Verfügung steht und er möglichst direkte Kurse fahren kann.
Bis zur Weltumsegelung sind weitere Arbeiten nötig, sagt Hympendahl weiter. So will er die Balancierung des Ruderblatts verbessern, damit der Autopilot weniger stark belastet wird. Außerdem fehlt ein drittes Reff im Segel und wasserdichte Schotten.
An das neue Bewegungsverhalten seiner Sigma 36 habe er sich während des Törns wiederum gut gewöhnen können. Der Qualifikationstörn habe ihm dabei geholfen, die neue „African Queen“ und ihre Eigenheiten besser kennenzulernen.
„Es ist wie mein altes Boot, läuft in einigen Bereichen aber deutlich besser.“
Bis zur Global Solo Challenge 2027/28 bleibt noch Zeit. Der Start ist für Ende August 2027 geplant, und zwar gestaffelt vom spanischen Vigo aus: Langsamere Yachten brechen zuerst auf, schnellere Boote folgen je nach Rating. Den Auftakt macht der 28. August 2027. Die Route führt die Solo-Skipper nonstop ostwärts um die Welt, vorbei an den drei großen Kaps und zurück nach Vigo. Entscheidend ist die Reihenfolge beim Zieleinlauf. Eine nachträgliche Verrechnung der gesegelten Zeiten gibt es nicht.
Anders als die Vendée Globe steht die Regatta verschiedenen hochseetauglichen Einrumpfbooten ab 32 Fuß offen. Moderne Navigation, Kommunikation und Wetterdaten sind erlaubt – damit unterscheidet sich das Rennen etwa vom Golden Globe Race, das ausschließlich traditionelle Navigationstechniken zulässt. Zugleich gelten umfangreiche Anforderungen an Boot, Ausrüstung, Sicherheit und medizinische Vorbereitung.
Mehr zu den Einzelheiten finden Sie hier.
Was weiterhin eine Hürde bleibt, ist die Finanzierung des Projekts, sagt Philipp Hympendahl. Bislang stamme der größte Teil des Budgets aus eigenen Mitteln, kleineren Sponsorings von Firmen und privaten Unterstützern. Mit zusätzlichen Sponsoren will er die „African Queen“ so ausrüsten, dass er um den Sieg bei der Global Solo Challenge segeln kann. Bleibt das nötige Budget aus, sagt er, halte er weiter an der Teilnahme fest. Dann stünde allerdings vor allem das sichere Ankommen in Vigo im Mittelpunkt.
Über das Projekt und seine Vorbereitungen berichtet Hympendahl auch hier.

Redakteur News & Panorama
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