Alexander Worms
· 11.09.2023
Im Vorfeld des Abends wurde denn auch gemutmaßt, dass die aktuellen Diskussionen über die anstehenden Reformen ihren Weg zum Fahrtenseglerabend finden könnten. Dem aber schob DSV-Vorsitzende Mona Küpper gleich zu Beginn in ihrer Begrüßungsrede einen Riegel vor: „Es geht heute Abend um euch und um eure Reisen, es geht heute nicht um Politik.“
Das hat größtenteils auch funktioniert, was jedoch auffiel, war die Kürze der Ansprache, mit der sich im weiteren Verlauf Clemens Fackeldey, immerhin DSV-Vizepräsident und verantwortlich fürs Fahrtensegeln und somit für die Kreuzer-Abteilung, aus persönlichen Gründen aus dem Amt verabschiedete. Auch Guido Marx, Juryvorsitzender des Fahrtenseglerwettbewerbs, wird sich künftig mehr der Segelei widmen. Er legt seine Aufgaben ebenfalls nieder. Damit war jedoch alles Politische gesagt, zumindest an diesem Abend. Dass es weitere Diskussionen um die Zukunft und die Ausrichtung der KA geben werden muss, ist allen Beteiligten klar.
Beim Thema Reisen brachte es Mona Küpper auf den Punkt: „Fahrtensegeln ist gelebte Seemannschaft!“ Das belegen die Geschichten der Gewinner und Teilnehmer eindrücklich: sei es mit der Familie um Kap Hoorn, mit Forschenden und Studenten ins Eis, entlang der Küsten Norwegens oder einhand und parallel zum Vollzeitjob von Bord aus den Niederlanden ins Mittelmeer. 99.299 Seemeilen umfassten die Reisen, die in diesem Jahr eingereicht wurden, insgesamt.
Den Commodore- und den Umweltpreis gewann Dr. Peter Kaupke vom Blankeneser Segel Club, der mit seiner “Marevida“, einer Berckemeyer BM 70, im Rahmen des Projektes Arctic Circle rund Spitzbergen segelte und dabei die Veränderung des dortigen Lebensraumes dokumentierte. Den Umweltpreis erhielt er, weil die Reise besonders nachhaltig durchgeführt wurde.
Der Gudrun-Calligaro-Preis für Reisen, die unter der Schiffsführung einer Frau durchgeführt wurden, ging an Saskia Kadern. Die Kölnerin segelte mit ihrer Contest 34 „Robulla“ einhand entlang der Küste Frankreichs und Spaniens nach Póvoa do Varzim in Portugal. Und das zusammen mit ihrem Kater und neben einem Vollzeitjob, den sie von Bord aus bestritt.
Der Familien-Sonderpreis ging an Prof. Dr. Uwe May. Er segelte den Törn von Lemmer in den Niederlanden durch den Götakanal mit seiner Familie. Die Kinder sind mittlerweile erwachsen und wünschten sich die Reise erneut, nachdem sie diese vor vielen Jahren bereits als Kleinkinder mit den Eltern absolviert hatten.
Die Silberne Möwe für junge Skipper erhielt Sophia Groninger, die eine Elan 31 namens „Taffi“ mit wechselnden Jugendcrews rund um die Ostsee skipperte.
Insgesamt wurden 68 Reisen vorgestellt und elf Sonderpreise verliehen. Es gab 22-mal Bronze, 15-mal Silber und 19-mal Gold. Die restlichen Reisen wurden vorgestellt.
Wie und in welcher Form der Fahrtenseglerabend im nächsten Jahr stattfindet, ist offen. Zu hoffen bleibt, dass auch dann das Fazit wie in diesem Jahr von Clemens Fackeldey ausfällt: „Was für ein schöner Abend!“