Atlantic Rally for CruisersSchneller Ritt über den Ozean -„Echter Nervenkitzel“

Kristina Müller

 · 02.12.2022

Atlantic Rally for Cruisers: Schneller Ritt über den Ozean -„Echter Nervenkitzel“Foto: Tim Wright 2022
Die Ankunft der “Malolo”

Es war schon dunkel, als sich die auffälligen Rümpfe der „Malolo“ über die Ziellinie vor St. Lucia schoben, doch das trübte die Freude der Crew überhaupt nicht. Am 1. Dezember erreichte sie als erste der Flotte der Atlantic Rally for Cruisers (ARC) die Rodney Bay in der Karibik gegen 20:42 Uhr Ortszeit. Und das nach einem sportlichen Ritt und nur elf Tagen auf See.

Seit dem Start auf Gran Canaria am 20. November legte der Performance-Katamaran vom Typ Marsaudon ORC 50 im Schnitt 220 Seemeilen am Tag zurück. Die Erwartungen des frisch gebackenen Eigners, Tom Kassberg aus den USA, wurden damit erfüllt: Er hatte den Kat erst in diesem Jahr von der Werft übernommen und danach eine Proberunde im Mittelmehr gedreht. Mit an Bord beim Transatlantiktörn waren ein Skipper und vier Crewmitglieder – alles Segler mit Regattaerfahrung. Der gut 3000 Seemeilen lange Ritt über den Ozean war ein lang gehegter Traum des Eigners.

Anders als im vergangenen Jahr kann sich die aktuelle ARC-Flotte über beste Passatbedingungen freuen. Squalls hätten sie nur an einem Tag in Atem gehalten, so Kassberg. „Wir haben einen neuen Rekord für uns aufgestellt – 28,2 Knoten! Bei Nacht mit Spinnaker oben war das echter Nervenkitzel.“ Die größte Herausforderung sei das Segeln durch große Felder aus Braunalgen gewesen, die sich an den Rudern verfingen.

Ankunft der "Malolo" auf St. Lucia | Tim Wright / WCC

Die „Malolo“ ist einer der 36 Katamarane im Teilnehmerfeld. Viele ihrer Crews sind eher im Fahrtenmodus unterwegs und haben noch gut acht bis zehn Tage auf See vor sich. Die Anzahl der Kats steigt von Jahr zu Jahr, was allmählich zu Platzproblemen in der Marina von Las Palmas de Gran Canaria führt.

Insgesamt sind noch 136 Yachten unterwegs. Als nächste wird vorrausichtlich die einzige Motoryacht im Feld, die Nordhavn 72 „Alchemy“, die Karibik erreichen. Am 4. Dezember wird sie in St. Lucia erwartet. Sie hatte Gran Canaria mit Verspätung verlassen.

In der Kategorie der Fahrtenyachten haben aktuell gleich mehrere Schiffe noch rund 150 Seemeilen vor dem Bug. Es könnte ein knappes Finish werden zwischen der Southern Wind 82 „Feeling Good“, der Swan 60 „Emma“, der Shipman 63 „Fatjax“ und der Xp 55 „Paradox“. Schnellste deutsche Yacht ist derzeit die „Emma“ von Bernd Fuhrmann.

Unterdessen erreichen die Crews, die mit der ARC Plus via Kapverden in die Karibik segeln, nach und nach ihr Ziel Grenada. In Sichtweite der Insel segelt unter anderem schon Ronja Dörnfeld aus Berlin, für die der Sprung über den Atlantik der Auftakt zu einer Weltumsegelung ist. Ein Interview mit der 25-jährigen Skipperin über ihre Pläne und ihr Schiff erscheint in Kürze in YACHT 1/2023.