Johannes Erdmann
· 13.10.2023
Ich segle schon seit meiner frühen Kindheit. Als Schülerin hat mich ein Freund an den Plauer See mitgenommen, wo er in den Ferien als Segellehrer jobbte. So lernte ich die damaligen Betreiber der Segelschule kennen, Gerd und Monika Menning. Die beiden haben mich so herzlich aufgenommen, dass ich dort angefangen habe zu arbeiten.
Letzten Winter hat Gerd angekündigt, dass er die Segelschule nun, mit 78 Jahren, aus Altersgründen aufgeben muss. Da habe ich vorgeschlagen, dass ich die Schule übernehme. Sie ist schließlich meine zweite Heimat, hier bin ich groß geworden, habe jeden Sommer in einer Hütte am See geschlafen.
Gerd hatte Sorge, dass ich mich mit 21 Jahren ein wenig übernehme. Denn ich segle 470er im Bundeskader und studiere nebenbei auch noch. Stattdessen hat er die Marina samt der Schule an zwei Männer übergeben: an Oliver Wallmüller, der eine Charterflotte betreibt, und Martin Doller, einen Rechtsanwalt und den Vorsitzenden des Inklusions-Segelvereins Hai-Life e. V. hier am Plauer See.
Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und die beiden um einen Termin gebeten, um mit ihnen über die Segelschule zu reden. Ich kannte sie ja noch nicht und hatte ein bisschen Bammel.
Die beiden hatten vor allem Interesse an der Marina. Die Segelschule wollten sie zwar auch weiterbetreiben, hatten aber beide im Moment keine Kapazitäten dafür. Von daher passte das gut.
Nie. Aber ich habe auch eine tolle Familie, auf die ich mich verlassen kann, die mir den Rücken freihält. Mein Vater sagte vorher immer: „Wenn das dein Traum ist, dann mach das. Wenn du es mit Begeisterung machst, dann klappt es auch. Alles Weitere bekommen wir auch hin.“ Jetzt ist er hier Hausmeister 2.0, repariert die Boote und alles andere und opfert seine Wochenenden dafür.
Wir haben erst mal klein angefangen, mit Sportbootführerschein Binnen und See, SRC und Ubi. Nächstes Jahr planen wir, auch Schulklassen-Projekte mit pädagogischem Hintergrund zu veranstalten, außerdem Kinder-Segelcamps und einen Regatta-Einsteigerkurs. Im Winter und Frühjahr wollen wir dann Fernziele anbieten, eine Woche Segeln auf den Seychellen und Ostern rund um Ibiza.
Der Traum ist, irgendwann das wichtigste Wassersport-Zentrum hier in der Region zu werden. Dafür haben wir alle Voraussetzungen: den Yachthafen und einen tollen See vor der Tür.
Das muss ich sehr sorgfältig planen, denn die Regatten im Ausland kosten immer viel Zeit. Aber mein Ziel ist und bleibt Olympia 2028.
Die 21-jährige Sportmanagement-Studentin aus Fürstenberg an der Havel segelt 470er im Bundeskader und betreibt seit Kurzem eine Segelschule in Plau am See. Alle diese Aufgaben unter einen Hut zu bekommen fällt ihr nicht immer leicht