21-Jährige im InterviewEine eigene Segelschule und der Traum von Olympia

Johannes Erdmann

 · 13.10.2023

21-Jährige im Interview: Eine eigene Segelschule und der Traum von OlympiaFoto: Laura Pukropski
Segeln auf dem Plauer See: Die Segelschule besitzt acht Polyvalk-Jollen und zehn Optimisten. Für inklusives Segeln stehen 2.4-mR-Boote zur Verfügung, für die Motorboot-Ausbildung selbst gebaute Kutter
Die 21-jährige Laura Pukropski hat ihren Traum verfolgt und betreibt eine eigene Segelschule am Plauer See. Im Interview mit der YACHT erzählt sie, wie sie dazu gekommen ist

Wie kamst du mit 21 zur Segelschule?

Ich segle schon seit meiner frühen Kindheit. Als Schülerin hat mich ein Freund an den Plauer See mitgenommen, wo er in den Ferien als Segellehrer jobbte. So lernte ich die damaligen Betreiber der Segelschule kennen, Gerd und Monika Menning. Die beiden haben mich so herzlich aufgenommen, dass ich dort angefangen habe zu arbeiten.

Wie kam es dann zur Übernahme der Schule?

Letzten Winter hat Gerd angekündigt, dass er die Segelschule nun, mit 78 Jahren, aus Altersgründen aufgeben muss. Da habe ich vorgeschlagen, dass ich die Schule übernehme. Sie ist schließlich meine zweite Heimat, hier bin ich groß geworden, habe jeden Sommer in einer Hütte am See geschlafen.

Und dann habt ihr einen Deal gemacht?

Gerd hatte Sorge, dass ich mich mit 21 Jahren ein wenig übernehme. Denn ich segle 470er im Bundeskader und studiere nebenbei auch noch. Stattdessen hat er die Marina samt der Schule an zwei Männer übergeben: an Oliver Wallmüller, der eine Charterflotte betreibt, und Martin Doller, einen Rechtsanwalt und den Vorsitzenden des Inklusions-Segelvereins Hai-Life e. V. hier am Plauer See.

Aber du wolltest nicht aufgeben. Was kam dann?

Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und die beiden um einen Termin gebeten, um mit ihnen über die Segelschule zu reden. Ich kannte sie ja noch nicht und hatte ein bisschen Bammel.

Wie haben sie auf dein Angebot reagiert?

Die beiden hatten vor allem Interesse an der Marina. Die Segelschule wollten sie zwar auch weiter­betreiben, hatten aber beide im Moment keine Kapazitäten dafür. Von daher passte das gut.

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Hattest du nie Angst, dass du dich übernimmst?

Nie. Aber ich habe auch eine tolle Familie, auf die ich mich verlassen kann, die mir den Rücken frei­hält. Mein Vater sagte vorher immer: „Wenn das dein Traum ist, dann mach das. Wenn du es mit Begeisterung machst, dann klappt es auch. Alles Weitere bekommen wir auch hin.“ Jetzt ist er hier Hausmeister 2.0, repariert die Boote und alles andere und opfert seine Wochenenden dafür.

Wie sieht das Angebot deiner Segelschule aus?

Wir haben erst mal klein angefangen, mit Sportbootführerschein Binnen und See, SRC und Ubi. Nächstes Jahr planen wir, auch Schulklassen-Projekte mit pädagogischem Hintergrund zu veranstalten, außerdem Kinder-Segelcamps und einen Regatta-Einsteigerkurs. Im Winter und Frühjahr wollen wir dann Fernziele anbieten, eine Woche Segeln auf den Seychellen und Ostern rund um Ibiza.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Der Traum ist, irgendwann das wichtigste Wassersport-Zentrum hier in der Region zu werden. Dafür haben wir alle Voraussetzungen: den Yachthafen und einen tollen See vor der Tür.

Bei den ganzen Plänen und Projekten: Kommst du selbst noch zum Segeln?

Das muss ich sehr sorgfältig planen, denn die Regatten im Ausland kosten immer viel Zeit. Aber mein Ziel ist und bleibt Olympia 2028.


Über Laura Pukropski

Laura Pukropski, 21Foto: Laura PukropskiLaura Pukropski, 21

Die 21-jährige Sportmanagement-Studentin aus Fürstenberg an der Havel segelt 470er im Bundeskader und betreibt seit Kurzem eine Segelschule in Plau am See. Alle diese Aufgaben unter einen Hut zu bekommen fällt ihr nicht immer leicht


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