Sturm AustenBootsschäden in Frankreich und Zwangspause vor der Route du Rhum

Lars Bolle

 · 26.10.2026

Der Molenkopf von Newhaven, East Sussex, muss den von Sturm Austen produzierten Wellen standhalten.
Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com / Marcin Nowak
Sturm Austen beschädigte Boote in der Bretagne und erzwang eine Pause im Regattadorf der Route du Rhum. In Saint-Malo sicherten die Teams ihre Yachten mit zusätzlichen Festmachern und Nachtwachen. Auch an der britischen Küste beschäftigte das stürmische Wetter die Seenotretter.

Themen in diesem Artikel

Mit Böen von mehr als 120 Kilometern pro Stunde, schwerer See und mehreren Rettungseinsätzen hat Sturm „Austen“ am vergangenen Freitag, 23. Oktober, die Küsten Großbritanniens und Nordfrankreichs getroffen. Besonders im Ärmelkanal gerieten Wassersportler in Schwierigkeiten. Vor Calais musste eine Segelyacht mit beschädigter Ruderanlage unterstützt werden, in einem britischen Hafen ließ sich ein Skipper vorsorglich von seiner Yacht retten. Auch am Wochenende beschäftigten die Auswirkungen der Sturmlage die Seenotretter. Die starken Winde betrafen auch die Teilnehmer an der Route du Rhum.

​Wie heftig der Sturm schließlich ausfiel, zeigen die Messungen der Wetterdienste. Auf den britischen Scilly-Inseln registrierte das Met Office am Flughafen von St Mary's eine Böe von 76 Meilen pro Stunde, entsprechend etwa 122 Kilometern pro Stunde. Auch auf der Isle of Wight und an der Küste von Dorset wurden Böen um 120 Kilometer pro Stunde gemessen. Noch etwas stärkere Windspitzen meldete Météo-France aus der Bretagne. In Plovan wurden 129 Kilometer pro Stunde registriert, in Saint-Ségal 122 Kilometer pro Stunde. Besonders betroffen waren die Küsten der Bretagne, der Normandie und im weiteren Verlauf auch der nordfranzösische Ärmelkanal.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Route du Rhum: Festmacher verstärkt, Imocas umgelegt

In Saint-Malo fiel Austen mitten in die Vorbereitung der Route du Rhum. Wie die Organisation am 22. Oktober in ihrem Bericht über die Sturmsicherung der Regattaboote schilderte, wurden Festmacher verdoppelt, bei einzelnen Ultim-Trimaranen sogar verdreifacht. Mehrere Imocas erhielten andere Liegepositionen, damit sie nicht quer zum erwarteten Wind lagen. Schwimmende Zugänge wurden entfernt.

Die Teams planten Nachtwachen an Bord. Bei der „Maxi Banque Populaire XI“ wurde außerdem der stegseitige Schwimmer mit Wasser beschwert, um ein Anheben in Richtung Ponton zu verhindern. An Land stellten die Helfer rund 30 Lastwagen und andere schwere Fahrzeuge als Windschutz vor die Stände des Regattadorfs.

Keine schweren Schäden an der Regattaflotte gemeldet

Für Saint-Malo berichtete die Organisation von anhaltendem Wind um 50 Knoten und Böen über 75 Knoten. Das entspricht in den Spitzen rund 140 Kilometern pro Stunde. In ihrer Bilanz vom 23. Oktober meldete sie keine größeren Schäden an den 115 Booten der Flotte.

Ganz ohne Zwischenfälle ging der Sturm dennoch nicht vorüber: Das Dach eines Standes fiel auf den Ocean-Fifty-Trimaran „Lazare X Hellio“ von Erwan Le Draoulec. Nach Darstellung des Veranstalters blieb dies ohne schwerwiegende Folgen.

Das Regattadorf blieb am Freitag geschlossen. Nach Kontrollen der Anlagen wurde das Dorf am Samstag wieder eröffnet.

Der Start von Saint-Malo nach Guadeloupe ist für den 1. November 2026 vorgesehen. Die sportliche Ausgangslage und Boris Herrmanns erstes Regattasolo mit „Malizia 4“ ordnet die YACHT-Vorschau auf die Route du Rhum ein.

Ruderbruch vor Frankreich

​Wie gefährlich die Bedingungen für Segelyachten wurden, zeigte sich am Freitagnachmittag vor Cap Gris-Nez bei Calais. Dort war eine etwa 50 Fuß, also gut 15 Meter lange Segelyacht mit einem Schaden an der Ruderanlage in Schwierigkeiten geraten. Die französische Seenotrettungsorganisation SNSM entsandte ihren hochseetüchtigen Rettungskreuzer aus Calais, um der Yacht Hilfe zu leisten. Nach Angaben des französischen Regionalsenders Radio 6 erreichten die Windgeschwindigkeiten während des Einsatzes bis zu 60 Knoten.

​Die Bedingungen waren offenbar so schwierig, dass zusätzlich der große Hochseeschlepper „Abeille Normandie“ zum Einsatz kam. Er unterstützte die Rettungsaktion, indem er dem deutlich kleineren SNSM-Kreuzer Schutz vor den schweren Wetterbedingungen bot. Einzelheiten über die Besatzung der Segelyacht, den genauen Defekt und den weiteren Verbleib des Schiffes wurden bislang nicht veröffentlicht.

Rettung von einer Yacht im Hafen

Nicht nur auf See entstanden gefährliche Situationen. Wie die Lokalzeitung The Isle of Thanet News unter Berufung auf die Rettungskräfte über den Einsatz im Hafen von Margate berichtet, bat die einzige Person an Bord einer dort vertäuten Yacht um Hilfe. Sie fürchtete um ihre Sicherheit und wollte an Land gebracht werden.

Westliche bis nordwestliche Winde mit schweren Sturmböen und eine ungeordnete See setzten dem Boot selbst im Hafenbecken zu. Wegen des flachen Wassers entschieden sich die Seenotretter für ihr kleineres Rettungsboot der D-Klasse. Die Person wurde unverletzt an Land gebracht.

Der verantwortliche Einsatzleiter Christian Wright bewertete die frühzeitige Bitte um Hilfe als richtig. Margate sei bei bestimmten Windrichtungen exponiert.

Windrichtung und Schwell entscheiden über den Schutz

Die Ereignisse zeigen unterschiedliche Gefahren: Windlast am Landliegeplatz, fliegende Trümmer im Regattahafen und Schwell an einer festgemachten Yacht. Ein Hafen kann bei einer Windrichtung guten Schutz bieten und bei einer anderen offen für Schwell sein. Welche Vorkehrungen sich daraus ergeben, erklärt der Praxisartikel zum Sichern einer Yacht bei Sturm im Hafen anhand von Liegeplatzwahl, Festmachern und Fendern.

Entscheidend ist nicht allein die Windstärke. Schwell versetzt das Boot in Bewegung, die Festmacher müssen es wieder abbremsen. Gleichzeitig steigt der Winddruck auf Rumpf und Rigg mit dem Quadrat der Windgeschwindigkeit. Doppelte Windgeschwindigkeit bedeutet bei ansonsten gleichen Bedingungen etwa vierfachen Winddruck.

Veränderte Wasserstände beeinflussen zusätzlich die Leinenführung und den Abstand zu Steg oder Kaimauer. Beim richtigen Festmachen in unterschiedlichen Liegeplatzsituationen müssen deshalb Bruchlast, Elastizität und Länge der Leinen zusammenpassen. Zusätzliche Leinen allein machen einen ungeeigneten Liegeplatz nicht sicher.

Vor dem nächsten Sturm am Liegeplatz vorsorgen

Die Vorbereitung sollte erfolgen, solange Hafen und Boot gefahrlos zugänglich sind. Dazu gehört, Festmacher und Scheuerstellen zu kontrollieren, die Last auf geeignete Befestigungspunkte zu verteilen und Fender passend zu positionieren. Lose Ausrüstung muss gesichert werden. Bei angekündigtem schweren Wetter sollten Eigner außerdem die Windangriffsfläche von Segeln und Persenningen verringern und mit dem Hafenmeister klären, ob ein besser geschützter Platz verfügbar ist.

Webinar-Tipp: Wie Sie Boot und Crew auf schwere Wetterbedingungen vorbereiten, vertieft das Webinar zur Schwerwetter-Vorbereitung mit Weltumsegler Tim Kröger.


Buchtipp

Schwerwettersegeln behandelt die Vorbereitung auf schwere Wetterbedingungen und das Abwettern von Stürmen auf See. Das Buch erklärt, wie Konstruktion und Ausrüstung das Verhalten unterschiedlicher Bootstypen beeinflussen, und stellt Schwerwettertaktiken vor. Besprochen werden unter anderem Trysegel sowie See- und Treibanker. Berichte über konkrete Sturmereignisse ergänzen die technischen Grundlagen. Damit vertieft der Titel die Frage, wie sich Boot und Crew auf extreme Bedingungen vorbereiten lassen.


Welche Vorkehrungen haben sich bei Sturm an Ihrem Hafen- oder Landliegeplatz bewährt?

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

Meistgelesen in der Rubrik Wissen