SeemannschaftSturm im Hafen: Die Yacht richtig sichern

Lars Bolle

 · 22.07.2022

Seemannschaft: Sturm im Hafen: Die Yacht richtig sichernFoto: YACHT/J. Rieker

Unwetterereignisse häufen sich und fallen stärker aus. Bei solchen Wetterlagen kämpfen Eigner stets gegen die Zeit. Die wichtigsten Handgriffe, um die YACHT zu sichern, im Überblick

Eigentlich sollte eine Yacht immer so verlassen werden, als stünde ein Orkan bevor. Denn erst zu reagieren, wenn bereits Starkwind oder mehr im Anmarsch ist, kann viel zu spät sein. Das ist leichter gesagt, als sich vor Augen zu führen, was tatsächlich zu einer guten Vorbereitung gehört. Vorausgesetzt, die ist wegen eines langen Anfahrtsweges oder anderer Termine überhaupt möglich: Wer kann schon ahnen, dass zwischen zwei sonnigen Wochenenden ein verheerendes Sturmtief durchzieht? Ein Rundgang durch so ziemlich jeden Hafen zeigt dann auch: Allzu viele Eigner lassen sich offenbar von der vermeintlichen Sicherheit am Steg eines gut geschützten Hafens täuschen. Alte, verschlissene Festmacher, an Bord belegte Leinen, flatternde Segelkleider gehören zum alltäglichen Bild.

An diese schnellen Handgriffe sollten Sie immer denken, auch wenn Sie das Schiff nur für wenige Tage verlassen:

Ausrüstung
Der Windwiderstand einer Fläche erhöht sich im Quadrat zur Windgeschwindigkeit. Da täuscht die leichte Brise im Hafen. Schon kleine Flächen, wie Rettungskragen oder Relingskleid, können sich zu enormen Widerständen summieren. Am besten wegstauen
Foto: YACHT/B. Scheurer
Kleinkram Bücher, Spiele, Geschirr und alle sonstigen Kleinteile sicher unterbringen. Die Yacht kann sich durch das Gerucke in den Festmachern heftiger bewegen als auf See
Foto: YACHT/B. Scheurer

So festgemacht, liegen Sie sicherer

Wer bereits einen Sturm erwartet, sollte seinen Liegeplatz danach auswählen. Die Binsenweisheit gilt genauso im Hafenbecken. Wenn genug Platz zur Verfügung steht, bietet sich ein Stegwechsel an. Ein unkalkulierbares Risiko bleiben immer auch die Boote der Stegnachbarn, wenn sie nicht korrekt festgemacht sind. Deshalb ist es wichtig, nicht nur selbst das Schiff sorgfältig zu sichern, sondern auch einmal beim Nachbarlieger nach dem Rechten zu sehen und ihn auf eventuelle Nachlässigkeiten hinzuweisen. Ist dieser nicht an Bord oder erreichbar, den Hafenmeister informieren. Nur er ist außer dem Eigner berechtigt, etwas an der Yacht zu machen – auf keinen Fall selbst Hand anlegen, solange einer der beiden anderen das erledigen kann. Im Schadensfall kann es sonst zu erheblichen Forderungen kommen, da ja niemand mehr nachweisen kann, wer letztlich Schuld war, wenn sich etwa eine Yacht losgerissen hat.

Einzig wenn unmittelbar Gefahr droht und keine andere Hilfe möglich ist, was in einem plötzlich aufziehenden Orkan der Fall sein kann, dürfen Fremde Sicherungsmaßnahmen an anderen Yachten vornehmen.

Angefangen beim eigenen Boot: Je nach Steg, Windrichtung und Länge der Yacht muss verschieden festgemacht werden, um die bei Starkwind wirkenden Kräfte optimal zu verteilen (z.B. durch Kreuzen der Festmacher). Vier Skizzen in der Fotostrecke (auf Bild klicken zum Vergrößern).

Am Fingersteg Wenn die Yacht länger als der Steg ist, sind eine oder mehrere Vorsprings (rot) wichtig, um sie vorn vom Steg abzuhalten. Bei Sturm können zusätzliche Leinen zum Nachbarn und an Land (gelb) ausgebracht werden, um den Druck längsseits zu mildern
Foto: YACHT

Kleine Kosten, große Wirkung

Die glücklicherweise noch glimpflichen Folgen eines Herbststurms im September 2017 zeigt dieses Video. Glimpflich bedeutet hier: "nur" losgerissene Dingis und aufgelaufene Kleinboote. Kielyachten reißen sich bei gewöhnlichen Stürmen zum Glück nur selten los. Wenn doch, gehen die Schäden jedoch schnell in die Millionen.

Heiligenhafen am Morgen nach dem Sturm

Enorme Kräfte wirken bei Sturm auf Tauwerk und Beschläge. Materialversagen ist neben falscher Vertäuung ein häufiger Grund für Orkanschäden. Vor dem Sturm müssen daher stets alle Festmacher auf Mängel und Ermüdung gecheckt werden. Die kommenden Belastungen auf das Tauwerk lassen sich meist schon mit Hausmitteln besser verteilen und scharfkantige Scheuerstellen im Vorwege ausbessern. Weitere Tipps in der Bilderstrecke.

Leinen doppeln Ist der Beschlag an Land nicht vertrauen­erweckend, wie etwa eine alte Holzklampe, lieber zusätzliche Leinen ausbringen und alternativ belegen, hier um die tragende Kon­struktion des Stegs. Die Zweitleinen etwas loser belegen als die eigentlichen Festmacher
Foto: YACHT/B. Scheurer

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