SeemannschaftBeiliegen, kreuzen, motoren? Das sollten Sie im Sturm tun

Lars Bolle

, Felix Keßler

 · 06.09.2018

Seemannschaft: Beiliegen, kreuzen, motoren? Das sollten Sie im Sturm tunFoto: YACHT/B.Scheurer
Ungemütlich und kraftaufwändig: Im Starkwind kreuzen

Wir haben die Wirkung verschiedener Starkwind-Manöver auf eine Standard-Yacht gemessen. Mit überraschenden Ergebnissen – und einer Umfrage

Nach der Begriffsklärung im ersten Teil unseres Beiliegen-Spezials kommen nun die Messergebnisse der verschiedenen Manöver. Sie sind bei 7, in Böen 8 Beaufort mit einer Beneteau Oceanis 34.2 des Charterzentrums Heiligenhafen entstanden. Bei Wellen bis zu geschätzten zwei Meter Höhe haben wir die verschiedenen Arten beizuliegen durchgespielt. Etwa mit unterschiedlich gerefften Segeln oder vor Topp und Takel. Dazu haben wir Alter­nativen erprobt, etwa das Gegenanbolzen unter Maschine oder hoch am Wind.

Verlagssonderveröffentlichung

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Sagen Sie uns Ihre Meinung: Welche Strategie wenden Sie an, um Starkwind auf See zu überstehen?

Unter Segeln gegenan

  Ungemütlich und kraftaufwändig: im Starkwind "gegenan kreuzen"Foto: YACHT/B.Scheurer
Ungemütlich und kraftaufwändig: im Starkwind "gegenan kreuzen"
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Die Yacht segelt mit fast fünf Knoten zwar schnell und auch etwa 42 Grad zum wahren Wind, macht durch Abdrift, Strom im Fehmarnsund und starken Wellenversatz jedoch wenig Weg nach Luv. Der Wendewinkel beträgt etwa 60 Grad.

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Sie holt dabei etwa alle zehn Sekunden stark über, ständig bis zu 30 Grad und wird durch Luvgierigkeit und auf den Rumpf treffende Wellen aus dem Kurs gebracht. Dieser gleicht einer Schlangenlinie mit Abweichungen von bis zu 20 Grad zu beiden Kursseiten. Der Rumpf stampft mit starken ruckartigen Bewegungen. Insgesamt eine sehr unbequeme Fahrt.

Beigedreht mit erstem Reff

Foto: YACHT/B. Scheurer
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Genua und Großsegel sind etwas eingerollt, die Genua so weit, dass sie das Vor­segel­dreieck füllt. Überlappende Genuas kommen so auch von der Saling frei. Das Großsegel wirkt wegen seiner immer noch relativ großen Fläche wie eine Windfahne, die Yacht dreht sich immer wieder in Windrichtung und nimmt die Wellen schräg von vorn.

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Das erklärt das immer noch deutliche Stampfen und auch das Gieren um etwa 20 Grad. Das Großsegel killt dabei stets leicht, was Verschleiß bedeutet. Mit fast dreieinhalb Knoten macht die Yacht noch viel Fahrt voraus und driftet nur wenig nach Lee.

Beigedreht mit zweitem Reff

Foto: YACHT/B. Scheurer
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Die Genua ist unverändert zur vorherigen Situation, das Großsegel jedoch so stark eingerollt, dass nur noch ein kleines Dreieck bleibt. Das Einrollen selbst, wie auch das Reffen, geht übrigens beigedreht viel einfacher als im Wind stehend. Diese Segelstellung sorgt für das angenehmste Verhalten von allen.

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Die Yacht krängt nur noch mit etwa zehn Grad und rollt durch die Stützfunktion des Großsegels kaum noch. Dies kann so dicht genommen werden, dass es nicht killt, also quer zum Wind steht. Der Driftwinkel ist etwas ungünstiger als zuvor, die Geschwindigkeit etwa gleich.

Beigedreht ohne Großsegel

Foto: YACHT/B. Scheurer
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Durch die nochmals verkleinerte Segelfläche reduziert sich zwar die Driftgeschwindigkeit, der Kurs über Grund geht jedoch direkt nach Lee. Zunächst entsteht der Eindruck von großer Beruhigung, da die Yacht kaum noch krängt. Doch dieser täuscht.

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Die Rollbewegungen sind deutlich unruhiger und mit größerer Amplitude ohne die Stützfunktion des Großsegels. Auch der Steuerkurs variiert stark. Nur unter Genua versucht die Yacht ständig abzufallen, vor allem, wenn der Bug von einer Welle erfasst wird. Sie liegt dabei etwas mit dem Heck zum Wind, was die Gefahr von Einsteigern erhöht.

Unter Maschine gegenan

Foto: YACHT/B. Scheurer
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Wie das Foto schon zeigt, ist das Gegenanfahren keine echte Alternative, um Ruhe ins Schiff zu bekommen,
etwa, wenn Kreuzen zu unangenehm scheint. Voraus­setzung ist sowieso eine starke Maschine, die auf älteren Yachten oft nicht vorhanden ist – da schafft man es manchmal kaum, gegen die Abdrift anzukommen.

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Doch auch aus Komfortsicht sollte dieser Kurs gut überlegt werden. Krängung und Gierwinkel sind zwar vernachlässigbar, dafür gibt es heftige Stampfbewegungen etwa alle drei Sekunden. Durch das flache Vorschiff des U-Spanters kracht es dabei ordentlich. Eine ruckartige, nervtötende und ermüdende Fortbewegung.

Ablaufen vor Topp und Takel

Foto: YACHT/B. Scheurer

Der Wind kommt hier von Backbord, das Ruder liegt mittschiffs. Der Rumpf richtet sich fast exakt quer zu Wind und Wellen aus, macht dabei kaum noch Fahrt voraus – das Schiff driftet schräg vom Wind weg. Ruhe ist auf diese Weise jedoch nicht zu erzeugen. Zwar ist das Stampfen vernachlässigbar, dafür holt die Yacht mit jeder Welle rund 20 Grad kräftig über.

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Zudem schlingert sie mit einem Gierwinkel von etwa 20 Grad. Beide Bewegungen zusammen sind wie geschaffen, um Seekrankheit hervorzurufen. Zudem wird das Arbeiten an Deck durch das Rollen sehr gefährlich.

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