Sommer in Schweden, die Häfen sind voll, aber das ist in den Schären oft kein Problem, sondern der Beginn der besseren Lösung. Statt im Päckchen auf die letzte Lücke zu hoffen, kannst du mit der richtigen Vorbereitung direkt am Fels festmachen. Wer das Manöver beherrscht, gewinnt im Norden nicht nur Flexibilität, sondern oft auch den schönsten Liegeplatz des Törns.
Das Lebensgefühl an einer Schäre ist genial, mitten in der tollsten Einsamkeit mit der Komfortzone des eigenen Bootes kostenlos im Schutz eines von der Natur geschaffenen Hafens liegen und übernachten zu können.
Das Felsmanöver verlangt aber saubere Vorbereitung. Entscheidend sind eine belastbare Wetterprognose, ein realistischer Blick auf Schwell und Dreher sowie Rücksicht auf Natur und Uferzonen. Wer vorab Revierinfos prüft und den Platz bei Tageslicht auswählt, reduziert Stress und erhöht die Sicherheitsreserve deutlich.
Landseitigen Komfort gibt es natürlich nicht. Es gibt weder Strom noch fließend Wasser, weder Duschen noch Grillplätze mit Tischen und Bänken, keine Mülleimer, keinen Laden, eigentlich gibt es also gar nichts, außer eben der von der Hitze des Tages noch warmen Schäre. Und wenn das Schiff sicher vertäut und in das orange Abendlicht getaucht vor sich hin schaukelt, sind alle Annehmlichkeiten eines Hafens schnell vergessen.
Wer es dennoch in einem Hafen probieren möchte, findet hier 15 Tipps, wie noch ein Liegeplatz zu ergattern ist.
Das Felsmanöver verlangt saubere Vorbereitung. Entscheidend sind eine belastbare Wetterprognose, ein realistischer Blick auf Schwell und Dreher sowie Rücksicht auf Natur und Uferzonen. Wer vorab Revierinfos prüft und den Platz bei Tageslicht auswählt, reduziert Stress und erhöht die Sicherheitsreserve deutlich.
Vor dem Abstecher in die Steine ist das Augenmerk auf die Ausrüstung zu legen. Eventuell muss nachgelegt werden, um für alle Eventualitäten gut gerüstet zu sein.
Die meisten Schweden fahren einen M-Anker am Heck. Der ist in der Regel eine Nummer kleiner als der Buganker. Im Idealfall hat er lediglich die Aufgabe, das Heck des Bootes in der richtigen Richtung zu halten, wenn es in der Abdeckung der Schäre liegt, an der es fest ist. Der Heckanker wird in dem Fall wenig bis gar nicht belastet, solange der Wind nicht dreht.
Einheimische Segler in den Schärenrevieren fahren unisono sogenannte Gurtbandrollen am Heckkorb. Anker, Kettenvorlauf und besagte Rolle sorgen für stressfreies Ab- und Aufrollen der Ankerleine. Ist man, wie die meisten von uns, nur ab und an in der Felsliegeregion, reicht auch eine Leine mit Kettenvorlauf oder eine Ankerleine mit Bleieinlage. Empfehlenswert ist eine Länge von mindestens 30 Meter.
Finden sich an vielen skandinavischen Booten spezielle Heckankerbeschläge aus Edelstahl, reicht für den Einmalurlaub auch ein Plastikrohr aus dem Sanitärbereich. Mit Kabelbindern an den Heckkorb gestrapst, ergibt sich ein guter Ankerhalter. Nach dem Urlaub kann das Provisorium wieder abgebaut werden.
Meist reichen zwei, besser sind vier, mehr schaden auf keinen Fall. Da sie auf Slip belegt werden, falls wegen drehenden Windes schnell abgelegt werden muss, sollten sie 20 bis 30 Meter lang sein. Manchmal ist es sinnvoll, in sehr engen Buchten nicht vor Heckanker zu liegen, sondern eine Landleine nach achtern auf den nächsten Felsen auszubringen. Das sollte aber keine Schwimmleine sein. Denn dann besteht die Möglichkeit, die Leine auf den Grund zu fieren, um andere Boote passieren zu lassen.
Es gibt gerade und gekröpfte. Die geraden sind für relativ flache Felsen, wo die Spalte etwa senkrecht zum Einfallswinkel der Vorleine verläuft. Die abgewinkelten sind hilfreich, wenn sie in einer senkrechten Felsspalte befestigt werden sollen. Aufgrund des Hebelarms verkeilen sie sich dort, während die geraden bei Belastung an solcher Stelle wieder herausgezogen werden würden. Jeweils zwei sollten zur Grundausstattung gehören.
Um die Schärennägel in eine Felsspalte und wieder heraus zu bekommen haben sich Hämmer mit 1 bis 2 Kilogramm Gewicht bewährt. In Schweden gibt es eigens zu diesem Zweck verrottungsfeste Varianten mit Stielen aus Metall.
Soll auch längsseits am Fels festgemacht werden, und das ist unbedingt zu empfehlen, sind Fender in unterschiedlichen Größen unerlässlich. Auch große Kugelfender können dabei sehr gewinnbringend eingesetzt werden.
Wer nicht gerne von Bord springt, kann sich den Ausstieg mit einer einhängbaren Bugleiter deutlich vereinfachen. Es gibt sie universal einsetzbar im gut sortierten Ausrüstungshandel zu kaufen
Gerade für die ersten Versuche gilt: lieber ein gut geschützter, unkomplizierter Platz bei wenig Wind als die fotogenste, aber enge Schäre. Nicht die spektakulärste Kulisse entscheidet, sondern ob Boot, Crew und Ausstieg dort sicher sind.
Am Anfang der erfolgreichen Suche nach einem geschützten Platz zwischen den Steinen steht allem voran eine möglichst genaue Wettervorhersage. Grundsätzlich sind für den Anfang schwachwindige oder sogar windstille Tage zu empfehlen. Außerdem ist die Prognose extrem wichtig. Niemand möchte, am Heckanker hängend, mit nur 30 Zentimetern Platz zwischen Bug und Felsen aufwachen. Daher gilt es vor dem Festmachen herauszufinden, von wo der Wind bis zum nächsten Morgen bestenfalls ohne Dreher und möglichst schwach weht.
Auch Wellen und Schwell können die Ruhe beim Felsliegen verhageln. Daher ist zu beachten, ob regelmäßiger Schiffsverkehr von Fähren oder Frachtern zu Schwell am Liegeplatz führt. Bei sehr wenig Platz zwischen Fels und Bug und oft auch unter dem Kiel ist das ein Ausschlusskriterium. Um den besten Platz für die jeweilige Situation zu finden, werden alle Informationsmöglichkeiten ausgeschöpft. Tipps von Einheimischen sind am besten. Nichts ist besser als langjährige Erfahrung.
Hilfreich ist außerdem, den Plan B gleich mitzudenken: Kann in der Nähe auch frei geankert werden, falls der Felsplatz doch nicht passt oder schon belegt ist? Diese Reserve nimmt Druck aus der Entscheidung und verhindert hektische Manöver gegen Abend.
Neben Revierführern, wo explizit auch Felsliegeplätze bearbeitet werden, gibt es digitale Seekarten, in denen Schärenliegeplätze verzeichnet sind. Darüber hinaus gibt es Informationen via Google Earth, Reiseberichte und Internetforen. Ist eine interessante, gegen die vorherrschende Windrichtung geschützte, Bucht ausgemacht, wird die Möglichkeit untersucht, dort auch frei ankern zu können. Das entspannt die Suche gewaltig. Denn so sind Spätankommer nicht gezwungen, im Dunkeln weiterzuziehen, falls alle Plätze am Felsen bereits belegt sind.
Am Ziel angekommen, geht es an die Auswahl des Liegeplatzes und die intensive Erkundung der Umgebung. Gibt es bereits Felslieger mit Booten ähnlicher Größe oder ausschließlich Motorboote mit wenig Tiefgang? Mit dem Fernglas wird das Ufer nach geeigneten Stellen abgesucht. Gibt es in der Seekarte bezeichnete Stellen, prüft man deren Tauglichkeit. Als Faustregel gilt, dass die Felsen unter der Wasseroberfläche ähnlich steil oder flach weiterlaufen wie darüber.
Ein steiler Verlauf ist insofern gut, als es vermutlich bis knapp vor dem Felsen tief ist, andererseits ist der Ausstieg von Bord an Land bei einem sehr steilen Felsen eine große Herausforderung und auch nicht ganz ungefährlich, insbesondere, wenn die Steine feucht sind. Ob die Schäre an der auserwählten Stelle für den Landgang der Crew und die Umsetzung ihrer Wünsche geeignet ist, wie Grillen, Baden oder mit dem Hund über die Schäre spazieren gehen, muss individuell entschieden werden. Dabei macht es natürlich einen Unterschied, ob man am nächsten Morgen weitersegelt, oder für ein paar Badetage an der Schäre liegen bleiben möchte.
Meist kann man schon vor dem Anlegen sehen, wie später festgemacht werden soll. Oft finden sich bereits Augbolzen an den beliebten Liegeplätzen. Ansonsten muss das Augenmerk auf frei liegende Felsblöcke, Bäume oder Felsspalten, in die man seine eigenen Nägel schlägt, gerichtet werden.
Am Anfang eines jeden Schwedenurlaubs wird das Echolot einmal neu kalibriert. Dazu einfach über felsigem Grund im Bereich 2 bis 4 Meter die Tiefe mittels Leine und Gewicht loten und mit der Anzeige abgleichen. Bei der Passage von Flachs oder dem Anfahren von Felsen, trägt eine genaue Übereinstimmung der Werte sehr zur Beruhigung bei. Ist die Entscheidung zugunsten einer augenscheinlich idealen Stelle gefallen, startet die erste Anfahrt mit langsamem Tempo, um sie zu testen, noch ohne Werfen des Heckankers.
Ein Crewmitglied am Bug signalisiert dem Rudergänger mittels abgesprochener Handsignale den verbleibenden Abstand zur Schäre. Während der letzten paar Meter versucht es, die Tiefe unmittelbar vor dem Felsen einzuschätzen. Bei Zweifeln, ob es passt oder zu schlechter Sicht, gibt sie ein Signal zum Abbruch. Der Rudergänger fährt so langsam es geht auf die vorher festgelegte Landmarke zu. Hierbei sollte man ins Kalkül ziehen, dass es durchaus mal zu einer leichten Grundberührung kommen kann. Deshalb werden die letzten Meter mit absoluter Schleichfahrt zurückgelegt.
Wer beim Heckanker noch unsicher ist, findet hier die Grundlagen zum richtigen Ankern beim Segeln.
Wichtig ist dabei eine klare Rollenverteilung an Bord. Wer Tiefe beobachtet, wer steuert, wer zuerst an Land geht und wer Leinen oder Schärennägel übernimmt, sollte vor dem eigentlichen Anleger feststehen.Diese Ruhe entscheidet oft darüber, ob das Manöver unspektakulär gelingt.
Ist der Fels erreicht, sodass ein gefahrloses Übersteigen möglich wäre, wird der Testanlauf planmäßig abgebrochen und zurückgefahren.
Jetzt wird der eigentliche Anleger besprochen und alles Notwendige bereitgelegt. Wie viele Leinen kommen zum Einsatz, müssen sie extrem lang sein? Sind Befestigungsmöglichkeiten an der Schäre vorhanden, oder werden die eigenen Felsnägel und der Fäustel gebraucht – dann können sie in einer bereitgestellten Pütz mit an Land genommen werden. Ist eine Bugkorb-Leiter an Bord, wird diese jetzt eingehängt. Außerdem sollte man sicher sein, dass der Fels zumindest im Bereich des Ausstiegs wirklich knochentrocken ist. Feuchte oder gar nasse Schären können glatt wie Schmierseife sein. Damit wird solch ein Manöver im wahrsten Wortsinne zum Himmelfahrtskommando.
Demjenigen Crewmitglied, welches am sportlichsten ist, gebührt der Job des Übersteigens. Dazu müssen feste Schuhe angezogen werden, selbst wenn es warm ist und Flipflops an den Füßen angenehmer wären. Aber die zu tragen, oder gar barfuß zu laufen, ist in einem solchen Einsatz nicht cool, sondern gefährlich.
Liegt alles bereit und die Rollen sind verteilt, folgt das finale Anlegemanöver. Zwei bis drei Bootslängen vor Erreichen der Schäre fällt der Heckanker, und die hoffentlich vorher sauber aufgeschossene Ankerleine kann erwartungsgemäß ausrauschen. Die Person am Steuer fährt die Ankerleine locker über eine Winsch im Cockpit. Vom Bug aus werden Handzeichen für Richtung und Entfernung gegeben. Etwa einen Meter vor Erreichen des Felses werden die beiden Vorleinen an Land geworfen und man positioniert sich auf der Bugleiter oder dem Ankerbeschlag eben möglichst weit vorne am Schiff.
Wenn ein wirklich gefahrloses Übersteigen möglich ist, signalisiert die Person am Bug das, und der Rudergänger stoppt auf mit einer Faust: „Aufstoppen“ und steigt über. Sollte es doch ein wenig Seitenwind geben, belegt sie zuerst die Lufleine an einem Schärenhaken, Fels oder Baum. Danach die Leeleine. Nun kann achtern die Ankerleine mit der Winsch durchgeholt werden. Ob der Heckanker sich vernünftig eingräbt, ist dabei schnell zu merken.
Ist die Ankerleine schließlich auf einer Heckklampe belegt, geht der Rudergänger nach vorne und hilft beim Umlegen der Landleinen auf Slip. So festgemacht ist es möglich, bei einem unvorhergesehenen Winddreher schnell vom Felsen abzulegen, ohne vorher an Land gehen zu müssen. Liegt das Boot sehr dicht am Fels, sollte es für die Nacht ein wenig achteraus verholt werden. Auch das ist natürlich vom Schiff aus nur mit auf Slip liegenden Leinen möglich.
Die Schweden führen ihre Leinen bei den anzutreffenden Augbolzen nicht einmal durch das Auge, sondern einfach um die ganzen Bolzen herum. So läuft man keine Gefahr, dass sich bildende Kinken vor dem Auge verklemmen und das Einholen der Leine verhindern. In solch einem Fall müsste man nämlich zurück an den Fels und wieder übersteigen oder gar die Leine opfern. Hat man etwas Seitenwind oder erwartet während der Liegezeit solchen, kann man zur Entlastung des Heckankers eine zusätzliche Landleine von der entsprechenden Mittelklampe an Land legen.
Wird auf der Fahrt durch die Schären ohnehin ein Dingi hinterhergeschleppt, dann kann auch ein Crewmitglied damit losfahren und die Wassertiefe an der potenziellen Anlegestelle checken, dort an Land steigen und die Leinen annehmen. In solch einem Fall ist man idealerweise mindestens zu dritt unterwegs.
Gibt es freie Liegeplätze genau neben unserem, gehört es zum guten Ton, Fender rauszuhängen. Denn für die schwedischen Segler ist es völlig normal, an einen Felsen zu gehen, auch wenn man dort mit dem Nachbarn dann Rumpf an Rumpf liegt. Man sollte darüber nicht die Nase rümpfen, lieber Kontakte knüpfen und Tipps für die nächsten Tage mitnehmen. Selbstverständlich ist es, einer nachfolgenden Yacht die Leinen anzunehmen und Auskunft über die Wassertiefe direkt am Fels zu geben.
Und warum ist es üblich, mit dem Bug und nicht mit dem Heck zuerst an die Schäre zu gehen? Man könnte dann den Buganker verwenden und über die Badeplattform aussteigen. Hin und wieder beobachtet man solche Manöver auch. Man sollte sich dann aber hundertprozentig sicher sein, genug Wasser unter dem Ruder zu haben. Denn ist eine leichte Grundberührung mit Bug oder Kiel bei absoluter Schleichfahrt auch noch zu tolerieren, so sollte das mit dem vergleichsweise instabilen Ruder keinesfalls passieren.
Für viele Crews ist längsseits am Fels die eleganteste Lösung, aber auch hier gilt: nur dort, wo Tiefgang, Windrichtung und Felsverlauf wirklich passen. Wenn Zweifel bleiben, ist die Variante vor Heckanker meist die robustere Wahl.
Die Plätze, wo längsseits am Fels festgemacht werden kann, sind wesentlich seltener zu finden. Hat man einen solchen Stein gefunden, so liegt man dort ohne Heckanker quasi wie an einem Steg. Am besten man fragt Einheimische nach derlei Spots oder ankert frei an einer Stelle, wo in der Nähe andere längsseits liegen. Verlassen diese dann ihren Platz, weiß man zumindest bei Booten ähnlichen Tiefgangs, dass es vermutlich auch für das eigene passt. Für viele Segler, die ihren Urlaubstörn in die Schärengewässer machen, ist längsseits an einem Fels zu liegen die Krönung der ganzen Reise.
Wichtig ist hier vor allen Dingen, das Boot richtig abzufendern. Hat man auflandigen Wind und der Fels läuft nicht absolut senkrecht ins Wasser, neigen die Fender dazu, langsam, zwischen schrägem Fels und schräger Rumpfwand nach oben zu wandern, bis es knirscht. Mit Fendern unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit gelingt es am besten, unregelmäßigen Felsverlauf auszugleichen. Auch hier gilt deshalb die Faustformel, die ersten Versuche bei wenig ablandigem Wind zu machen.
Manchmal ist es so, dass man längsseits zwischen zwei Yachten liegt, die ihrerseits vor Heckanker liegen. Beim Ablegen kann sich, je nach Gegebenheit, eine Situation ergeben, in der man relativ dicht am Heck der Nachbarlieger vorbeikommt. Schweden kennen das und fieren dann ihre Heckankerleine kurz auf den Grund, damit wir damit nicht in Konflikt geraten. Also aufpassen, dass auf der entsprechenden Yacht jemand an Bord ist und mithilft.
Das Liegen an der Schäre gehört zu den Erfahrungen, die einen Schweden-Törn besonders machen. Wer das Manöver gut vorbereitet, den Platz sorgfältig auswählt und Sicherheitsreserven einplant, gewinnt damit eine Freiheit, die kein Hafen bieten kann.
Beachtet man die vorherigen Tipps, ist es für alle Crews, vielleicht mit ein wenig Aufregung bei den ersten Malen, machbar. Für uns neben dem Segeln durch die inneren Schären jedenfalls das Ding eines jeden Schwedenurlaubs.

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