Ostseetipps10 Orte voller Magie – versteckte Perlen zum Verlieben

YACHT-Redaktion

 · 27.11.2022

Ostseetipps: 10 Orte voller Magie – versteckte Perlen zum VerliebenFoto: Alamy Stock Photos / rphstock

Unscheinbar, abseits oder im Schatten eines Publikumsmagneten gelegen, finden sich an der Ostsee Orte voller Zauber zum Festmachen und Verweilen. 10 Ostseetipps, die auch Ihren Entdeckergeist wecken werden

Die folgenden Orte werden in diesem Artikel genauer vorgestellt:


Schweden

1. Utklippan: Stilles Tor zur Schärenwelt

Weit draußen in der See, in sanfte Farben getaucht und fast nur von Tieren bewohnt: Der Törn nach Utklippan ist eine Reise in eine andere Welt Foto: Utklippan Harbour&Hostel
Weit draußen in der See, in sanfte Farben getaucht und fast nur von Tieren bewohnt: Der Törn nach Utklippan ist eine Reise in eine andere Welt
Verlagssonderveröffentlichung

Ein Leuchtturm, weithin sichtbar auf dem Weg über die Hanöbucht. Zwei Inselchen mit einer Handvoll selten bewohnter Häuschen. Ringsum ein paar verstreute Schären. Schwedens südöstlicher Außenposten ist so unspektakulär wie reizvoll. Das winzige Archipel vermittelt einen ersten Hauch von Schärenwelt. Nicht in sanftem Grün wie weiter im Norden, sondern karg. Nur mit ein paar ockerfarbenen Flechten und blühenden Gräsern bewachsen, trotzen die rundlichen Granitfelsen manch hartem Sturm und der anrollenden Brandung weit draußen in der See.

Um hierherzukommen, brauchen Segler, die auf Nordkurs sind, keinen Abstecher zu machen. Die Felsen liegen auf dem Weg in den Kalmarsund und die Stockholmer Schären. In ihrer Mitte ein Schutzhafen, der von Ost und West zugänglich ist und daher selbst bei schwerer See stets in Lee ange-laufen werden kann. Das sollte man nutzen, denn die Einfahrten sind schmal und von flachen Klippen umgeben, nachts zudem spärlich beleuchtet. Querströme können bei viel Wind die Einfahrt zusätzlich erschweren.

Direkt dahinter liegen beiderseits kleine Naturhäfen; der eigentliche Hafen, ein einfaches Becken mit Kaimauern, befindet sich hinter einer weiteren schmalen Zufahrt. In der Saison kann es darin voll werden, ein Blick auf die Webcam gibt Aufschluss über freie Plätze. Strom ist nur an der Ostmole zu haben, Trinkwasser gar nicht. Utklippans Luxus besteht aus kristallklarem Wasser im Hafen und Trocken-WCs in kleinen Holzhütten mit Herzchen in der Tür: Trissebuden mit Meerblick.

Möwen, Gänse und Enten bewohnen die Inseln, eine Seehundkolonie die Felsen am Ufer. Gemeinsam bilden sie einen Chor, dessen Gesang bis spät in die Nacht über die Inseln klingt. Auf der südlichen Schäre steht ein Leuchtturm, der heute nur noch symbolisch schwach leuchtet. Im Sommer ist er offen für Besucher, die von oben den Blick über die eigentümlich geformten Felsen und die See davor schweifen lassen.


Schweden

2. Kråkön: Uriges Fischerdorf im hohen Norden

 Foto: H. Schmidt

In der Seekarte ist die Hafenbucht von Kråkön lediglich als blaue Fläche verzeichnet, die Beschreibung im Revierführer ist ebenfalls auslegungsfähig: Beim Einlaufen in der Mitte halten, nach dem kleinen Stein etwa 15 Meter Abstand zum Ufer. Mit Ausguck am Bug gelingt die Passage der engen Zufahrt, und die Anspannung wird belohnt: Am kommunalen Schwimmsteg liegt man inmitten historischer Fischerhütten. Es können etwa vier Yachten festmachen, oft liegt man allein oder zu zweit, das Liegegeld ist eher symbolisch und wird in eine Holzbox gesteckt. Außer einem Trockenklo und einer Wasserpumpe gibt es keine Infrastruktur, dafür urigen Fischer-Charme nebst Kapelle aus dem 16. Jahrhundert. Außerdem kann die holzbefeuerte Inselsauna benutzt werden. Tipp: Die Nachbarinsel Agön ist ebenfalls sehenswert, aber nervenschonender anzusteuern.


Schweden

3. Hallands Väderö: Schären en miniature

Foto: Screenshot/Google Maps

Die Schärengärten im Großraum Göteborg sind zu weit weg? Auch auf einer kurzen Kattegatrunde lässt sich schwedisches Felsen-Archipel-Feeling erleben: Ab nach Hallands Väderö, das nur eine kurze Tagesreise nördlich von Helsingborg liegt. Das lediglich zwei Seemeilen lange und ebenso breite Gebiet lockt mit mehreren Ankerbuchten, Einsamkeit, typischer Schärennatur, altem Baumbestand, Vogel- und Robbenschutzgebieten und wundervollen Sonnenuntergängen.


Dänemark

4. Frederiksø und Christiansø: Inseln, die den Seglern gehören

Wer mit dem eigenen Boot kommt, wählt die Einfahrt im Süden und macht meist am Kai von Christiansø fest. Ankern geht auch im nördlichen Teil Foto: K. Dittmann
Wer mit dem eigenen Boot kommt, wählt die Einfahrt im Süden und macht meist am Kai von Christiansø fest. Ankern geht auch im nördlichen Teil

Fast jeder hat schon von ihnen gehört. Und doch gibt es viele Segler, zu viele, die noch nie auf den Erbseninseln festgemacht haben, diesem östlichsten Vorposten des Königreichs Dänemark. Was für ein Versäumnis! Denn die beiden von einem schmalen Kanal getrennten Felsinseln, die nördlich von Bornholm liegen, zählen zu den schönsten und urtümlichsten Revierzielen überhaupt.

Zwar sind es fast 80 Seemeilen auf direktem Kurs von Rügens Ostküste hierher. Wer aber zunächst in Gudhjem oder Svaneke auf Bornholm haltmacht, erreicht Christiansø und Frederiksø in nur zwei, drei Stunden – und findet sich sogleich in einer anderen Welt wieder.

Die von Festungsmauern umgebenen Inseln, die erstmals im Mittelalter besiedelt wurden, wirken wie aus der Zeit gefallen. An manchen Ecken fühlt man sich wie ins 16. Jahrhundert zurückversetzt, so karg und ursprünglich ist die Bebauung, so ruhig der Takt, so pur die Luft.

Im Juli und August kann es tagsüber insbesondere in den Gassen des winzigen Ortskerns von Christiansø voll werden. Auch der Hafen, der streng genommen nur aus einer langen Pier besteht, wird zu einem mitunter bizarr anmutenden Knäuel aus Päckchenliegern. Doch abends, wenn das letzte Fahrgastschiff abgeleWeiß getünchtes Bauernhaus im beschaulichen Inseldorf. Birkholm ist beinahe so flach wie das angrenzende Wasser der Dänischen Südseegt hat, kehrt Ruhe ein. Dann gehören die Erbseninseln den Seglern.

Es gibt hier einige Sehenswürdigkeiten, etwa den großen Leuchtturm oder das Museum im Lille Tårn, etliche hübsche Badeplätze, die alten Garnisonsanlagen, ein (1!) Restaurant und einen Kaufmannsladen, der den berühmten Kräuterhering serviert (Kryddersild). Der eigentliche Reiz der Erbseninseln aber besteht in ihrer ganz wundervollen Abgeschiedenheit.


Åland

5. Kökar, Sandvik: Romantisches für Romanleser

Foto: Screenshot/Google Maps

Die Inselgruppe Kökar bildet den Südzipfel des Åland-Archipels und ist eine Welt für sich. Bekannt geworden ist Kökar durch den Bestseller-Roman „Eis“ von Ulla-Lena Lundberg. Er erzählt vom kargen Leben der Inselbewohner. Blendet man den modernen Fährund Yachtverkehr aus, lässt sich das gut nachvollziehen. Zumindest wenn man in der Gammelhamn genannten Sandvik vor Anker geht. An deren Ufer trotzt die im Buch genannte Kirche aus dem 16. Jahrhundert Wind und Wetter.


Dänemark

6. Birkholm: Kleinod der Dänischen Südsee

Weiß getünchtes Bauernhaus im beschaulichen Inseldorf. Birkholm ist beinahe so flach wie das angrenzende Wasser der Dänischen Südsee Foto: Bjørg Dalheim /Ærø Turist
Weiß getünchtes Bauernhaus im beschaulichen Inseldorf. Birkholm ist beinahe so flach wie das angrenzende Wasser der Dänischen Südsee

Die Moräneninsel ist eines der kleinsten bewohnten Eilande Dänemarks. Viel zu entdecken gibt es nicht auf Birkholm, das mit einer Fläche von 100 Hektar kleiner ist als Helgoland, während sein höchster Punkt gerade einmal zwei Meter über der Meeresoberfläche liegt. Doch wer die schmale Hafeneinfahrt passiert, wird unweigerlich von einem Gefühl der Ruhe übermannt: keine Autos, Souvenirläden oder Restaurants. Dafür genießt man hier unverbaute Natur und kostbare Stille. Die Hafengebühr wird auf Vertrauensbasis in eine Box geworfen. Strom, zwei Seewassertoiletten und einen Grillplatz gibt es direkt am Hafen. Frischwasser, ein SB-Kiosk und ein kleines Duschhäuschen mit Münzbetrieb finden sich beim einen Kilometer entfernten Gemeinschaftshaus der Insel

Gleich neben dem Hafenbecken liegt ein kinderfreundlicher, flach abfallender Strand mit Blick auf die endlose Reihe vorbeiziehender Boote auf dem Mörkedyb, der Fahrrinne, die den westlichen Teil mit dem südöstlichen Teil des flachen Inselmeers der Dänischen Südsee verbindet. Viele Segler, die es einmal zu diesem Kleinod geschafft haben, kommen regelmäßig wieder – denn selten trifft das Sprichwort „Weniger ist mehr“ so zu wie auf Birkholm.


Schweden

7. Väderöarna: sturmzerzauster Außenposten

Foto: Screenshot/Google Maps

Der Name „Wetterinseln“ ist hier Programm; im Mittel weht es mit 5 Beaufort aus West-Südwest über das kleine Archipel vor der Küste Bohusläns. Trotzdem sind die blanken Felsbuckel im Sommer ein Schärentraum. In Lee der vielen Inselchen und Steine liegt man selbst bei Starkwind vergleichsweise ruhig. Dank ihrer exponierten Lage dienten sie Lotsen und Fischern schon immer als Zufluchtsort. Viele Seefahrer haben sich die Wartezeit beim Abwettern mit Felszeichnungen vertrieben.

Bis 1966 war die Hauptinsel Storö bewohnt, heute ist in der ehemaligen Lotsenstation ein gefragtes Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit. Im kleinen, aus Felseinschnitten gebildeten Hafenbecken gibt es Strom, Duschen und Toiletten. Das Becken ist in der Hochsaison oft überfüllt. Etwas ruhiger geht es im ebenfalls gut besuchten Strömsund zu. An den steil abfallenden Felsen kann teils längsseits festgemacht werden. Zudem gibt es Holzbrücken zum Anlegen. Aufgrund der geringen Durchfahrtsbreite des Sunds können maximal zwei Yachten im Päckchen liegen. In jedem Fall sollte man den ehemaligen Lotsenausguck auf Storön besuchen. Von dort hat man eine spektakuläre Aussicht übers Skagerrak und auf den Sonnenuntergang.


Dänemark

8. Flakfortet: eine Festung zum Festmachen

Das künstliche Eiland ist von einer Mole umschlossen, dazwischen gibt es Platz für viele Yachten. Mit Päckchen muss gerechnet werden Foto: flakfortet.com
Das künstliche Eiland ist von einer Mole umschlossen, dazwischen gibt es Platz für viele Yachten. Mit Päckchen muss gerechnet werden

Flakfortet gehört zu den skurrilsten Liegemöglichkeiten Dänemarks. Obwohl nur vier Seemeilen vom quirligen Kopenhagen entfernt, liegt die künstliche Insel vergleichsweise isoliert im Øresund. Vom Militär Anfang des 20. Jahrhunderts als Geschützstellung gebaut, dient sie heute als Tagungshotel. Gut für Segler: Eine Bedingung für den Verkauf war, dass die Insel für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Sie kann also problemlos angelaufen werden. Um Bunker und Geschützstellungen vor dem Seegang zu schützen, ist die Insel von einer Mole umschlossen, der Zwischenraum dient als Hafen. Duschmarken gibt es im Kiosk, dort sind auch einige Lebensmittel und die nötigsten Sommerutensilien wie Eis und Grillkohle zu haben.

Zu Hochzeiten waren in den unterirdischen Kasematten bis zu 550 Mann stationiert. Heute können die historischen Bunkeranlagen besichtigt werden. Zu den Highlights gehört das Starten des über 100 Jahre alten Einzylinder-Dieselgenerators, der die Festung einst mit Strom versorgte. Seinen besonderen Charme bezieht Flakfortet nicht nur aus der exponierten Lage im Sund, sondern auch aus dem Kontrast zwischen grünem Sommereiland und düsteren Bunkern. Einziger Wermutstropfen: Die Liegegebühr ist vergleichsweise hoch.


Deutschland

9. Deviner See: Ankerglück in der Schilf-Lagune

Ein absoluter Geheimtipp, selbst für Revierkenner und Lokalmatadoren, ist der Deviner See am Strelasund. Westlich der Marina Neuhof findet sich ein unauffälliges Nadelöhr im Grün, durch das man in die kleine Lagune stechen kann. Mitten im Naturschutzgebiet in völliger Ruhe, umgeben von einem Schilfgürtel, ist dies der perfekte Ort, um die Seele für eine Nacht baumeln zu lassen. Wer die gesparten Hafengebühren in eine warme Mahlzeit ummünzen möchte, kann mit dem Dingi zur nahen Marina fahren, um dort beim „Sund-Angler“ leckere Grillspezialitäten zu verköstigen. Zurück im Schilf lassen sich beim Sundowner Vögel wie Rohrweihe oder Seeschwalbe beobachten.

Achtung, zum Ufer muss jederzeit ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden, auch bei der Fahrt mit dem Dingi. Vorsicht ist ferner bei der schmalen Einfahrt in den See geboten. Die flachste Stelle ist mit 1,70 Meter angegeben. Die Halbinsel selbst bietet sich mit ihrer seltenen Flora und dem schönen Blick über den Strelasund für einen Landgang an.


Dänemark

10. Albuen: Abstecher ins Paradies

Wie im Himmel: die idyllische Steganlage am Albuen, dem westlichsten Zipfel der Insel Lolland Foto: H. Genthe/stockmaritime
Wie im Himmel: die idyllische Steganlage am Albuen, dem westlichsten Zipfel der Insel Lolland

Nur eine Tagesreise von der deutschen Küste entfernt liegt am Rand des Hauptfahrwassers nach Norden, des Großen Belts, ein echtes Kleinod. Die Bucht hinter der 7,5 Kilometer langen Landzunge Albuen ist ein abgelegener Ort, an den sich kaum eine ortsunkundige Segelyachtcrew verirrt. Ein Fehler, denn die Steganlage der in Nakskov beheimateten Segelvereine lädt bei sommerlichem Wetter zu einer Robinsonade ein. Außerhalb der Ferienzeit wird man hier wochentags mit großer Wahrscheinlichkeit Einsamkeit und die einmalige Landschaft genießen können. Seeseitig strömt das raue Gewässer des Belts am steinigen Strand entlang, und wenige Meter östlich liegt das Ufer der lagunenartigen Bucht. Seltene Seevögel lassen sich durch das Fernglas der Beobachtungsstation aus weiter Ferne beschauen. Achtung, die Ansteuerung ist nur mit weniger als 1,50 Meter Tiefgang möglich.


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